Kampf um A49-Ausbau

Aktivisten gegen Polizisten im Dannenröder Forst - Eine Reportage an der Front

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
    schließen

Der Ausbau der A49 bei Homberg (Ohm) und die damit verbundene Rodung im Dannenröder Forst ist seit Jahren ein Streitthema. Jetzt rücken die Harvester an – und Aktivisten hängen sich ihnen in den Weg. 

Homberg (Ohm) - Der Boden ist bedeckt von braunem Eichen- und Buchenlaub. Lediglich an einigen Birken hängen noch gelbe Blätter, die mit letzter Kraft in den grauen Novemberhimmel leuchten. Mit letzter Kraft gibt auch der Aktivist auf, den die Polizei gerade mit einer Hebebühne aus einem Baum heraus geholt hat.

Protest der Wipfelstürmer im Dannenröder Forst: Hunderte Polizisten gegen einige Dutzend Aktivisten

Fotostrecke: Das läuft im Dannenröder Forst ab

Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf.
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf. © Daniela Petersen
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf.
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf. © Daniela Petersen
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf.
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf. © Daniela Petersen
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf.
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf. © Daniela Petersen
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf.
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf. © Daniela Petersen
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf.
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf. © Daniela Petersen
Ein Aktivist wird von den Polizisten abgeführt.
Ein Aktivist wird von den Polizisten abgeführt. © Daniela Petersen
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf.
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf. © Daniela Petersen
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf.
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf. © Daniela Petersen
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf.
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf. © Daniela Petersen
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf.
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf. © Daniela Petersen
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf.
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf. © Daniela Petersen
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf.
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf. © Daniela Petersen
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf.
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf. © Daniela Petersen
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf.
Zwischen den Aktivisten und der Polizei läuft seit mehreren Monaten ein Stellungskampf. © Daniela Petersen

„Du bist nicht allein, du bist nicht allein“, schallt es aus dem Wald. Andere Ausbaugegner beklatschen den Einsatz ihres Kollegen, der nun inmitten von vier Polizisten abgeführt wird. Es wirkt wie ein ungleicher Kampf. Hunderte Beamte in schwarzen Sicherheitswesten gegen ein paar Dutzend Aktivisten mit goldenen Wärmedecken. Doch dieses Dutzend mischt die Polizei kräftig auf. Tage zuvor wurde Pyrotechnik gezündet, Nagelbretter sind aufgetaucht. Anfang November wurde aus Protest ein 300 Meter langes Stahlseil über die B62 gespannt, das immer noch hängt. Beamte wurden mit Farbbeuteln, Exkrementen und Steinen beworfen. Auch zu Unfällen ist es bereits gekommen: Eine Aktivistin stürzte aus vier Metern Höhe – womöglich weil ein Polizist ein Seil durchtrennt hatte. Deswegen laufen Ermittlungen gegen den 40-jährigen Beamten wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Darum geht es

Die A49 verbindet Kassel mit dem Schwalm-Eder-Kreis und endet in Neuental. Dieser Abschnitt wurde zwischen 1967 und 1994 fertiggestellt. Geplant ist, dass die Autobahn von dort vorbei an Schwalmstadt und Stadtallendorf bis zur A5 bei Homberg (Ohm) gebaut wird, um letztlich die Städte Kassel und Gießen auf dem schnellsten Weg zu verbinden. Diese rund 43 Kilometer sind umstritten, weil sie durch den Dannenröder Forst und zum Teil durch den Herrenwald führen. Die A49 soll drei Kilometer durch den Dannenröder Forst führen. Für den Bau müssen dort 27 Hektar gerodet werden. Das sind rund drei Prozent der Gesamtfläche des Mischwalds.

Ein Aktivist wird von den Polizisten abgeführt.

Solche Szenen sind an diesem Vormittag nicht zu beobachten. Der Protest läuft friedlich ab. Eine Frau singt: „Im Dannenröder Wald, da seh’n wir heute schwarz, die Polizei, die schützt, ich frage mich nur was...“ In den Bäumen hängen mindestens zehn Ausbaugegner. Einige liegen in Hängematten, die zwischen den Baumwipfeln gespannt sind, andere sitzen in Klettergeschirr an Baumstämmen. Es soll sogar Umweltaktivisten geben, die sich mit Sekundenkleber an die Bäume heften. „Sekundenkleber wird auch genutzt, damit keine Fingerabdrücke genommen werden können. Die Aktivisten vermeiden es, sich zu identifizieren, statt Namen zu verwenden, haben sie sich Nummern gegeben“, weiß ein 31-jähriger Polizist, der im Forst im Einsatz ist. Wie viele Ausbaugegner im Wald unterwegs sind, ist schwer abzuschätzen. Manche sollen seit gut einem Jahr im Wald campieren, um gegen den Ausbau der A49 zu demonstrieren.

Demo in Fulda

Die Aktivisten haben für Freitag, 20. November, ab 13 Uhr zu einer Versammlung auf dem Uniplatz in Fulda aufgerufen. Dort soll gegen den A49-Ausbau und die Rodung im Dannenröder Forst demonstriert werden.

A49-Ausbau ist seit Jahrzehnten Streitpunkt im Vogelsberg

Schon jetzt ist die Schneise zu erkennen. Ein Harvester bringt eine Birke zu Fall. Das Knattern einer Motorsäge ist zu hören und die Stimme eines Polizisten, der in ein Megafon spricht: „Sie befinden sich in einem Sicherheitsbereich der Rodungsarbeiten. Hier besteht absolute Lebensgefahr.“ Der Aktivist, der eben noch an einem Seil in einer Hängematte saß, hat sich auf das Plateau eines Baumhauses zurückgezogen und weigert sich, herunter zu kommen. Der Polizist mit dem Megafon erklärt: „Wir werden Sie alle sicher zu Boden begleiten, im Anschluss erhalten sie einen Platzverweis im Bereich des gesamten Dannenröder Forstes, außerdem wird geprüft, ob die Kosten der Maßnahmen auf euch umgelegt werden können.“

Wie hoch diese Kosten sein werden, das sei laut Polizei noch nicht abzusehen. Doch der Einsatz ist aufwendig. Genaue Zahlen verrät die Polizei nicht, aber es sind sicherlich viele Hundert Beamte dafür abgestellt. Sie kommen aus der gesamten Bundesrepublik. Ihre Schutzwesten verraten es: Es sind Trupps aus Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Bremen gekommen. Unzählige blau-weiße Transporter säumen die Straßen. So viel Polizeipräsenz gab es in der verschlafenen Ecke zwischen Stadtallendorf und Homberg (Ohm) wahrscheinlich bisher noch nicht. Der Ort Dannenrod hat keine 200 Einwohner.

Für die Bürger im Vogelsberg ist der Ausbau der A49 ein Streitpunkt. Und das seit Jahrzehnten. Entlang der B62 hängt ein Schilder mit der Aufschrift: „Ja zur A49. Jetzt B62 entlasten“. In Appenrod hingegen ist zu lesen „Keine A49 im Klima & Trinkwasser-Schutzgebiet. Verkehrswende Jetzt“.

„Jeder Meter hier hat seinen Wert“: Aktivisten trauern wegen Waldrodung im Dannenröder Forst

Der Wald mit seinen zum Teil 250 Jahre alten Bäumen gilt wegen seiner nachhaltigen Forstwirtschaft und der gesunden Bäume als besonders wertvoll. Die A49 soll hier entlangführen, drei Kilometer durch den Forst. Für den Bau müssen 27 Hektar gerodet werden. Das sind rund drei Prozent der Gesamtfläche des Mischwalds. In Zeiten des Klimawandels ist das ein Unding, finden jedenfalls die Ausbaugegner. Bereits in den 60er Jahren kam die Idee zu einer Autobahn auf, um Kassel mit Gießen zu verbinden. Mehrere Varianten wurden diskutiert. Es wurde geklagt, letztlich ist der Ausbau und damit die Rodung im Dannenröder Forst aber genehmigt.

„Das ist einfach traurig. Jeder Meter hier hat seinen Wert. Es ist nicht nachvollziehbar, dass hier eine Autobahn gebaut werden soll“, erklärt ein Aktivist. Der junge Mann, der sich vermummt hat, will nicht sagen, wie er heißt, wo er herkommt und wie alt er ist. Auch die Frage, wie lange er schon im Wald campiert, lässt er offen. Seine Augen sehen aber müde aus. Gut möglich, dass er seit vielen Nächten hier draußen schläft. Den harten Polizeieinsatz empfinden manche Aktivisten als persönlichen Affront*, berichtet die Frankfurter Rundschau.

Inzwischen hat die Polizei den Mann von seinem Baumhaus herunter geholt. Wieder klatschen die Aktivisten. Bevor er abgeführt wird, ruft er eine Nummer: „17“. *fr.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

Rubriklistenbild: © Daniela Petersen

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema