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Adolf-Spieß-Halle: Wieder erste Adresse für Veranstaltungen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Lauterbach - Die Lauterbacher „Gud Stubb“ macht mit der Neueröffnung nach über dreijähriger Renovierung von Grund auf wieder einen wichtigen Schritt in die Zukunft als moderne Halle, in der Veranstaltungen aller Art künftig stattfinden können.

Von Alfred Hahner

Die Lauterbacher Stadtverordneten eröffneten am Mittwochabend in einer feierlichen Sitzung im Großen Saal die wertvollste Immobilie der Stadt.

Mit dem geflügelten Wort „Rom wurde nicht an einem Tag erbaut“ eröffnete Stadtverordnetenvorsteherin Marlene Aschenbach die Sitzung und hieß neben den Stadtverordneten zahlreiche Bürger der Stadt und einige Ehrengäste willkommen, darunter den Bundestagsabgeordneten Michael Brand, die Landtagsabgeordneten Eva Goldbach, Michael Ruhl und den ehemaligen Abgeordneten Kurt Wiegel, Landrat Manfred Görig und den 1.Kreisbeigeordneten Dr. Jens Mischak. Ferner begrüßte sie zahlreiche Ehrenträger der Stadt sowie die beiden Ehrenbürger Kurt Habicht und Prof. Dr. Karl-August Helfenbein und Dr. Philipp Geiß, den Festredner mit seiner Gattin sowie eine Reihe von Zuschussgebern, ohne die das Projekt nicht hätte verwirklicht werden können, sowie die beteiligten Firmen und Unternehmen und die Architekten Stephan Mölig und Christian Diegelmann vom Büro Neuraum.

Führungen durch die neue Stadthalle

„Heute haben wir eine besondere und sehr erfreuliche Tagesordnung in der im neuen Glanz erstrahlten Adolf-Spieß-Halle”, stellte Aschenbach fest. „Den feierlichen Rahmen möchten wir nutzen, uns bei allen zu bedanken, die dieses Projekt unterstützt haben. Dazu gehören auch zahlreiche Bürger, die in dieser Sitzung für ihr gesellschaftliches und ehrenamtliches Engagement geehrt werden”.

Für die von Grund auf sanierte Stadthalle wüscht sie sich viele schöne Veranstaltungen für jung und alt, für die Kultur und den Sport. Jeder möge die Halle so nutzen, als wäre sie sein Eigentum, wünscht sich Marlene Aschenbach. Im Anschluss an den offiziellen Teil wurden alle Anwesenden zu einem kleinen Umtrunk eingeladen. Architekt Diegelmann unternahm dann für Interessierte Führungen durch die neue Stadthalle.

Zusage für das Projekt im Februar 2016

„Als wir 2015 mit den ersten Planungen für die Sanierung der Adolf-Spieß-Halle begannen, wussten wir noch nicht, auf welch schwieriges Unterfangen wir uns eingelassen haben“, erklärte Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller in seiner Rede. Entwurf und Projektskizze wurden im November 2015 für das Bundesprogramm angemeldet und die Zusage erhielt die Stadt im Februar 2016 und die Zusage für den Förderbescheid mit einer Fördermenge von 2,226 Millionen Euro der Gesamtkosten kam am 23.11.2016. Wenn wir heute unsere „Gud Stubb“ wieder in Betrieb nehmen, haben wir ein neues Schmuckstück in unserer Stadt, das unseren Bürgern und Gästen noch viel Freude bereiten wird.

Den Grundstein für diese Halle haben Bürger der Stadt 1908, also vor 122 Jahren selbst gelegt, wobei der TV Lauterbach von 1862, aber auch viele Bürger in den Jahren 1906 bis 1908, die Adolf-Spieß-Halle als Turnhalle erbauten. Der Bürgermeister ging auf die wechselvolle Geschichte der Halle ein.

Sporthalle des TV Lauterbach

Sie diente als Lazarett im 1. Weltkrieg, im 2. Weltkrieg als Getreidelager und nach 1945 als Notaufnahmelager für Flüchtlinge aus dem Osten und in jüngster Zeit kurzfristig als Sammelstelle für Bekleidung im Rahmen der Zuweisung von Flüchtlingen. Bis zum Beginn der Sanierungsmaßnahmen diente die Halle als Sporthalle des TV Lauterbach und zeitweise der Lauterbacher Schulen, aber auch dem Karneval und vieler Feste, die in dieser Halle stattfanden, wozu auch die Gaststätte und die Kegelbahn gehörten.

Aber auch immer wieder gab es Reparaturen und in den 60er Jahren zeichnete sich ab, dass die Halle auf Dauer ohne öffentliche Unterstützung nicht mehr betrieben werden konnte. So wurde die Halle 1962 der Stadt Lauterbach übereignet bei gleichzeitigem Nießbrauchrecht für den Verein. Zwischen der Stadt und dem Verein gab es regelmäßige Verhandlungen über die Neugestaltung mit dem Ziel, die Halle als zentraler Raum für das kulturelle Leben in der Stadt zu erhalten.

Alles da, aber etwas kleiner

Vollmöller dankte allen Gesprächspartnern und nicht zuletzt dem TV Lauterbach für die Zustimmung zum vereinbarten Weg. Und das gilt auch für das Förderprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen“ in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur. So gibt es in Lauterbach nicht nur heute alles, aber nur etwas kleiner, erklärte der Bürgermeister selbstbewusst.

Er dankte allen, die das Projekt ermöglicht haben, besonders auch für die Unterstützung durch den Bundestagsabgeordneten Michael Brand und den hessischen Abgeordneten Eva Goldbach und Kurt Wiegel. Über die Verzögerungen in Bezug auf den Bauzeitenplan sollte man hinwegsehen, denn die Bewahrung des Baudenkmals barg Hindernisse, die es zu beseitigen galt. Dazu gehört der Brandschutz. Der Weg und die Mühen haben sich jedenfalls gelohnt und Lauterbachs „Gud Stubb“ wird wieder mit Leben gefüllt, ist das Stadtoberhaupt überzeugt.

Keine verpachtete Gastronomie

Ein neues Nutzungskonzept, das Architekt Stephan Mölig entwickelt hat, sieht keine verpachtete Gastronomie vor und auch die Erschließung des Außengeländes über den Balkon und den Zugang über das Foyer im Erdgeschoss war seine Idee, stellte Vollmöller fest. Er dankte Stephan Mölig und Christian Diegelmann für die Bauleitung und gute Zusammenarbeit und bezog auch Bauamtsleiter Jörg Saller und Julia Hedtrich, aber auch alle beteiligten Handwerker und Firmen mit ein und dankte ihnen für ihre qualifizierten Arbeiten. Dank galt auch den Stadtverordneten, die am Ende dem demokratischen Prozess mit großer Mehrheit grünes Licht gegeben haben. Und die Zukunft, so das Stadtoberhaupt, hat schon begonnen, denn für das laufende Jahr sind schon 20 Veranstaltungen fest gebucht.

Die Architekten Stephan Mölig und Christian Diegelmann nahmen dann die Besucher mit auf eine Zeitreise in Wort und Bild, die den Zeitraum der Planung und die Bauzeit umfassten, wobei Mölig immer wieder den HSV, aber auch andere Ereignisse in aller Welt mit einbezog. Alte Teile der Halle zu bewahren und neue Aspekte hinzuzufügen waren das Ziel und Engagement in der Bauzeit, wo Mölig auch sonntags oft in der Halle war und verschiedene Farben ausprobierte und Überlegungen anstellte, wie man dies und das noch besser machen könnte.

Steuerung der Gebäudetechnik vom Rathaus aus

Die Zeit war geprägt von Leidenschaft und Emotionen und es gab auch immer wieder Überraschungen, zum Beispiel, dass der Boden Wellen schlug, was mit der Temperatur zu tun hatte. Aber auch die Sinnlichkeit spielte eine Rolle, die sich in der Farbgebung und Licht widerspiegeln sollte, was den Architekten auch gelungen ist. Am Ende übergab er dem Bürgermeister den obligaten „goldenen Schlüssel“ für die Halle und Bauamtsleiter Jörg Saller den Schlüssel für die Zukunft in Form eines Tablets, über das die komplette Gebäudetechnik vom Rathaus aus gesteuert werden kann.

In der Festrede von Dr. Philipp Geiß kamen viele Erinnerungen aus seiner Jugendzeit, wie sportliche Aktivitäten, Fremdensitzungen des TUMABA, Lumpenbälle und andere lustige Veranstaltungen, vor. Das Konzept von Stephan Mölig passt und er dankte ihm dafür. Heute ist er im Medienbereich unterwegs und hat schon viel von der Welt gesehen. Dann kam er auf den Namensgeber der Halle zu sprechen. Adolf Spieß wurde am 3.2.1810 in Lauterbach geboren als Sohn von Johann Baltasar Spieß, der aber später nach Offenbach verzog, wo sein Sohn aufwuchs und eine Privatschule besuchte.

„Ich bin in Lauterbach verliebt“

Zum Schulalltag gehörten auch Leibesübungen und dabei wurde der junge Adolf von seinem Vater geprägt, wobei die ganzheitliche Erziehung eine wichtige Rolle spielte. Er studierte Theologie, wurde Pädagoge und emigrierte mit 23 Jahren in die Schweiz nach Zürich und Bern. 1848 kehrte er in seine hessische Heimat zurück und führte das Schulturnen als gleichwertiges Schulfach in Deutschland ein und förderte auch das Mädchenturnen. In der Schweiz ist Adolf Spieß präsenter als in Deutschland, stellte Geiß fest.

Wer mehr über den Namensgeber wissen möchte, der findet es in einem Büchlein der Lauterbacher Sammlungen unter „Adolph Spieß und seine Bedeutung“. Das Werk ist gelungen, stellte der Bundestagsabgeordnete Michael Brand fest. Er dankte dem Architektenteam für die ausgezeichnete Arbeit auch im Namen von Eva Goldbach und Michael Ruhl und meinte, die Bereitstellung der Mittel war wie ein Sechser im Lotto und er bekannte: „Ich bin in Lauterbach verliebt und Sie können stolz sein auf diesen besonderen Tag”. Er überreichte ein Foto mit dem Bild des Stadtpatrons Simplizius, das in dem fensterlosen Raum unterm Dach seinen Platz finden könnte.

Im Anschluss wurden Kommunalpolitikerinnen und -politiker sowie ehrenamtlich tägige Bürgerinnen und Bürger mit Landesehrenbriefen geehrt, die Landrat Manfred Görig überreichte und mit silbernen Ehrennadeln der Stadt auszeichnete.

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