Kein Stillstand: Die kriminellen Hintermänner arbeiten weiter an Emotet. Foto: Silas Stein/dpa/dpa-tmn
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Ein 22 Jahre alter Hacker aus dem Vogelsberg steht jetzt vor Gericht. Auf seiner „Ausspähliste" stand unter anderem Angela Merkel.

Angeklagter hat gestanden

Online-Angriff aus dem Kinderzimmer auf Merkel und Böhmermann - Bewährungsstrafe für Hacker aus Alsfeld

Der Fall hatte bundesweit hohe Wellen geschlagen: In Alsfeld stand am Mittwoch ein 22 Jahre alter Hacker aus dem Vogelsberg vor Gericht - wegen eines Online-Angriffs auf mehr als 1000 Prominente und Politiker. Der junge Mann kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

Update, 23. September, 17.42 Uhr: Der junger Hacker, der massenhaft sensible Daten von Prominenten und Politikern gesammelt und veröffentlicht hatte, ist zu einer Jugendstrafe von neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Das Urteil sei rechtskräftig, teilte das Amtsgericht Alsfeld am Mittwoch nach Ende der nicht-öffentlichen Verhandlung mit. Der 22-Jährige aus Homberg (Ohm) habe die Vorwürfe vor dem Jugendschöffengericht eingeräumt. Die Bewährungszeit liege bei zwei Jahren. Verurteilt wurde er unter anderem wegen Ausspähens von Daten und Datenhehlerei, aber auch wegen versuchter Erpressung.

Hacker vor Gericht: Mehr als 1000 Politiker und Prominente betroffen

Ursprungsmeldung: Der Prozess gegen einen Hacker aus dem Vogelsberg wegen eines Online-Angriffs auf über 1000 Prominente und Politiker hat mit einer Aussage des Angeklagten begonnen. Der 22-Jährige habe die Taten in vollem Umfang gestanden und äußere sich dazu, sagte Oberstaatsanwalt Benjamin Krause von der Frankfurter Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) am Mittwoch in Alsfeld. Der Angeklagte muss sich dort vor dem Jugendschöffengericht unter anderem wegen des Ausspähens und der Veröffentlichung privater Daten verantworten.

Der Prozess findet ohne Presse und Zuschauer statt, weil der Angeklagte zum Tatzeitpunkt als Jugendlicher beziehungsweise Heranwachsender galt. Der Prozess sei besonders, auch wegen der großen Zahl Betroffener, erklärte Krause. Nachdem im Vorfeld der Verhandlung von 1000 Opfern die Rede war, geht die Staatsanwaltschaft nun von 1500 Geschädigten aus. Ob es am Mittwoch ein Urteil gibt, war zunächst unklar. Eine Fortsetzung der Verhandlung ist für den 30. September terminiert.

Prozess gegen Hacker aus dem Vogelsberg ohne Zuschauer

Zum Prozessauftakt wurde klar: Großes technisches Wissen hatte der junge Mann offenbar nicht. „Es war offensichtlich so, dass der Angeklagte keine besonderen technischen Kenntnisse hatte und angewendet hat“, sagte Oberstaatsanwalt Krause.

Der Fall hatte Anfang 2019 bundesweit für Aufsehen gesorgt. Laut Ermittlern war der Angeklagte damals Schüler und lebte bei seinen Eltern. Aus Ärger über öffentliche Äußerungen seiner Opfer - darunter Bundestagsabgeordnete - habe er angefangen, private Daten wie Adressen, Telefon- und Kreditkartennummern von diesen zu sammeln.

Der Prozess gegen einen mutmaßlichen Hacker wegen eines Online-Angriffs auf 1000 Prominente und Politiker beginnt ohne großes Publikum.

Merkel, Habeck und Böhmermann auf „Ausspähliste“

Betroffen war unter anderem Grünen-Parteichef Robert Habeck. Auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war ein Datensatz aufgetaucht - unter anderem mit einer Faxnummer. Ebenfalls auf der „Ausspähliste“ des heute 22-Jährigen: TV-Moderator Jan Böhmermann.

Dabei verschaffte sich der Hacker laut Anklage Zugang zu Online-Profilen und kaufte gestohlene Daten im Netz. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichte er die Daten schrittweise in einer Art „Adventskalender“. Er soll auch versucht haben, Opfer mit der Veröffentlichung zu erpressen. (dpa)

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