Wann wird es wieder solche schönen Winteridyllen geben? Foto: srh

Alte Bauernregeln: Stimmen sie noch?

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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schlitz - Bedingt durch den warmen Winter, ist es durchaus angebracht, einmal alte Bauernregeln für den Monat Februar neu zu veröffentlichen.

"Zu Lichtmess (2.) noch das halbe Futter – dann fehlt's dir nicht an Milch und Butter" sagt der Bauernspruch zum Monatsanfang und zeigt an, dass man jetzt, da der größte Teil des Winters wohl überstanden ist, bei noch guten Vorräten beruhigt in die Zukunft blicken kann.

Auch der Wunsch, dass die Macht des Winters nun endlich weichen möge, kommt in dem Bauernspruch: "St. Blasius (3.) stößt dem Winter die Hörner ab" sehr griffig zum Ausdruck und der Spruch passt gut in die Zeit, denn der Februar heißt ja auch "Hornung", weil sich das Vieh in diesem Monat hörnt.

Tatsächlich lässt die Witterung zum Monatsanfang darauf schließen, dass sich der Winter im Rückzug befindet. So ist es vorzugsweise mild und aufkommende Niederschläge zeigen sich in den Niederungen eher als Regen denn als Schnee.

Doch schon wenige Tage später meldet sich die Kälte zurück und die Niederschläge gehen verbreitet in Schnee über. Die Bauernregel: "St. Dorothee (6.) bringt recht oft Schnee" kündigt dies auch rechtzeitig an und zu Beginn des zweiten Monatsdrittel stellt sich dann der "Spätwinter" in Mitteleuropa ein.

Bei Übergang zu trockenkaltem Frostwetter ist es schwachwindig und überwiegend niederschlagsfrei. "Vor Valentin (14.) friert's Rad samt Mühlbach wieder ein" sagt hierzu der Bauernspruch. Der Dauerfrost hält sich bis in die Niederungen, dort tritt örtlich auch Frühnebel auf, während die Höhenlagen überwiegend nebelfrei und sonnig sind.

Diese Kälteperiode dauert gerne länger an, auch wenn es zwischendurch mildere Tage mit erhöhter Niederschlagsneigung gibt.

Dieser fällt dann in den Niederungen als Schneeregen, in mittleren Lagen und in den Höhenlagen dagegen als Schnee und in manchen Jahren werden zu dieser Zeit überhaupt die intensivsten Schneefälle beobachtet.

Bleibt dann die geschlossene Schneedecke längere Zeit liegen, stellen sich in dieser Witterungsperiode nochmals die tiefsten Temperaturen des Jahres ein. Dem Landwirt kommt eine solche Witterung sehr gelegen, wie es zum Beispiel der Bauernspruch: "Kalter Februar – fruchtbar wird das ganze Jahr" hoffnungsfroh verkündet, oder im gleichen Sinne: "Viel und langer Schnee – gibt viel Frucht und Klee" sowie "Die weiße Gans (= Schnee) im Februar – bringt Segen für das ganze Jahr" und schließlich: "Nimmt sich der Hornung Schnee und Eis – verdient der nächste Mai den Preis".

Diese Sprüche, in Jahrhunderten aus der Erfahrung und Naturverbundenheit der Landbevölkerung entstanden, werden durch die moderne agrarmeteorologische Forschung bestätigt: es ist gut, wenn die winterliche Vegetationsruhe nicht zu früh beendet wird und letztmals sind zu dieser Zeit durch eine anhaltende Frostperiode ausgelöste Kältereize für eine gute Pflanzenentwicklung im kommenden Frühjahr von großer Bedeutung.

Früher sagte man auch: "Im Hornung hat's der Bauer lieber, wenn ihm der Wolf durch's Fenster schaut als die Sonne" oder: "Im Hornung lieber der Wolf auf dem Mist als die Mücken".

In manchen Jahren hält sich die spätwinterliche Frostperiode außerordentlich hartnäckig, worauf dann der Bauernspruch: "Ist's bis St. Peter (22.) kalt – hat der Winter arg Gewalt" recht lapidar hinweist. Normalerweise tritt aber bald nach Überschreiten des letzten Monatsdrittels Frostabschwächung ein, angekündigt durch die Bauernregel: "St. Matheis (24.) wirft 'nen heißen Stein ins Eis."

Bei milderen Temperaturen ist es dann veränderlich, feucht – trübe und windig. Es besteht Neigung zu Niederschlägen, die sich in den Niederungen als Regen/Schneeregen einstellen.

Hier tritt nur noch selten Nachtfrost auf und bei diesem Matsch- und Schmuddelwetter wünscht sich nun jeder den Frühling sehnlichst herbei. Dieser kündigt sich auch zaghaft an mit dem Stäuben (Blühen) des Haselstrauches.

Da und dort zeigt der Winterling seine gelben Blüten und in geschützten Lagen blühen vielleicht schon die ersten Schneeglöckchen. "Ende Februar sind die Lerchen wieder da" prophezeit der Bauernspruch und ein anderer stellt fest: "Alexander (26.) und Leander (27.) riechen Märzluft miteinander!" (Text erschienen am 8. Februar 1992 in der "Brieftaube"). / srh

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