Mit Appell für Frieden: Gudrun Pausewang hält Lesung ab

  • VonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlitz - Es ist schon erstaunlich und bemerkenswert, mit welch kräftiger Stimme und Ausdauer die bekannte Autorin von circa 100 Werken und Ehrenbürgerin unserer Stadt, Gudrun Pausewang, einen Lesabend gestaltet. Seit 1958 ist sie schriftstellerisch tätig, eine Pause gönnt sie sich kaum.

Von unserer Mitarbeiterin Sigi Stock Man sah es Gudrun Pausewang am Dienstagabend förmlich an, dass sie sehr gerne der Einladung der LandFrauen des Schlitzerland zwecks einer Lesung gefolgt war. Der Saal des evangelischen Gemeindehauses war vollends besetzt. Darunter erfreulicher Weise auch einige Herren. Bereits noch vor der Lesung nahmen einige BesucherInnen die Gelegenheit war, und ließen sich das vorletzte Werk „Der einhändige Briefträger“ und auch das Neueste „Heldengedenken?“ von ihr signieren. Aus einer angedachten Lesestunde wurde liebevoll mehr. Sehr ausführlich sprach die Autorin über ihr sehr bewegtes Leben. Angefangen von ihrer Geburt im Jahre 1928 in Ostböhmen, weiter über ihre Schulzeit, den Tod des Vaters, die Flucht. Schon als Sechsjährige hatte sie den Wunsch Schriftstellerin zu werden. In Wiesbaden ging sie weiter zur Schule und absolvierte 1948 dort das Abitur.

Danach studierte sie am Pädagogischen Institut in Weilburg an der Lahn und unterrichtete dann als Grund- und Hauptschullehrerin. Sie lehrte an den Schulen in Venezuela und in Chile, es schlossen sich Aufenthalte in Mittel-, Süd- und Nordamerika an. Ende 1963 ging es zurück nach Deutschland zwecks eines Germanistikstudiums. Sie wurde Lehrerin an einer Grundschule.

Seit 1972 lebt sie in unserer Burgenstadt und sie fühlt sich hier, laut ihrer Aussage, sehr wohl. Die ersten zehn Jahre schrieb sie ausschließlich Bücher für Erwachsene, dann erst folgten Kinder- und Jugendbücher. Das bekannteste „Die Wolke“ wurde sogar verfilmt. In ihren Büchern fließen die eigenen Erfahrungen vom Krieg, der Flucht und die Armut mit ein. Auch in den Kinder –und Jugendbüchern ist dies immer wieder eine Botschaft. Gudrun Pausewang engagiert sich in ihren Büchern für Frieden und Umwelt. Ihre „Kriegsbücher“ enden ohne „Happy End“ auch nicht die für Kinder und Jugendliche. Lesung fiel spontan länger aus Alle Besucher und Besucherinnen der Lesung „hingen“ förmlich an ihren Lippen, es war Mucksmäuschenstill. Statt eines Kapitels wie vorgesehen, las die Buchautorin noch das zweite Kapitel aus „Der einhändige Briefträger“: Es ist Spätsommer 1944. Tag für Tag läuft der siebzehnjährige Briefträger Johann Portner durch die sieben Dörfer seines Zustellbezirks, um die Post auszutragen. Die bangenden Mütter, Ehefrauen und Kinder erwarteten ihn sehnsüchtig. Endlich ein Lebenszeichen von Sohn, Mann oder Vater! Und langsam, ganz langsam keimt die Hoffnung auf ein Ende des Krieges. Auch Johann blickt der Zukunft freudig entgegen. Er ahnt nicht, was das Schicksal für ihn bereit hält...! Großer Applaus brandete nach Beendigung ihrer Lesung auf, die Realität des Tages hatte jeden wieder. Wie doch so manches Kapitel aus dem Buch der momentanen Flüchtlingssituation auf unserer Welt gleicht. Die erste Vorsitzende des LandFrauenvereins Schlitzerland Margit Diener dankte Gudrun Pausewang für ihre Bereitschaft zur Lesung, für diesen wunderbaren Abend im Gemeindehaus. Sie schloss mit den letzten Zeilen aus ihrem Vorwort, eine eindringliche Mahnung für den Frieden: Helft mit, Kriege zu verhindern. Kriege sind menschenunwürdig. Wir Menschen sind fähig, Gewalt zu verhindern und Konflikte auf friedliche Weise zu lösen. Beweist das! Und sorgt dafür, das eure Kinder und Enkel, die ihr einmal haben werdet, ebenfalls nur Frieden kennen!

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