In Hutzdorf hat der Ortsbeirat bereits eine Fläche für Rasengräber hergerichtet. / Foto: Hans-Peter Saurwein

Bestattungskultur im Wandel

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlitz - Mit dem Wandel in der Familienstruktur geht auch ein Wandel in der Bestattungskultur einher. Mehrere Generationen einer Familie unter einem Dach, das gibt es heute kaum noch.

Oft ist die Verwandtschaft quer durch die Republik verteilt, weil viele dort wohnen, wo sie arbeiten. Dies stört zu Lebzeiten nicht. Auf die Form der Bestattung wirkt es sich allerdings aus. Immer mehr suchen nach alternativen Bestattungsformen.

"Viele unserer Mitbürger machen sich schon zu Lebzeiten Gedanken über die Grabpflege", erzählt der Schlitzer Pfarrer Siegfried Schmidt und gibt dabei zu bedenken, dass nicht jeder, der nach einer anderen Bestattungsform sucht, im Wald beigesetzt werden will.

Dies zeigt auch, dass die Suche nach alternativen Bestattungsformen kein Modetrend ist. "Wer soll denn mal später mein Grab pflegen?" ist die zentrale Frage, die sich viele stellen. Auch für die Kommunen ist die jetzige Bestattung mit Grabstein und Umfriedung immer mehr mit einem hohen Verwaltungsaufwand verbunden. Nach einer Liegezeit von 25 oder 30 Jahren müssen Angehörige gesucht werden, die die Kosten der Grabräumung übernehmen.

Rasengräber bald möglich

In der Stadtverordnetenversammlung im vergangenen November gab es diesbezüglich bereits eine Anfrage der CDU-Fraktion, die nach ausgewiesenen Flächen für Rasenbestattungen fragte. Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer teilte mit, dass in Fraurombach, Hartershausen und Hutzdorf Interesse an solchen Flächen bestehe. In Hutzdorf sei dafür eine Erweiterung des Friedhofes notwendig, in den beiden anderen Stadtteilen könne problemlos eine Fläche innerhalb des bestehenden Friedhofes dafür angelegt werden.

In Hutzdorf hat der Ortsbeirat in den letzten Wochen die Initiative ergriffen und in Absprache mit der Stadtverwaltung ein als Bestattungsfläche ausgewiesenes Stück Land am hinteren Ausgang des Friedhofs für Rasenbestattungen in Eigenleistung hergerichtet. Das Land wurde eingezäunt und mit einer Hecke und Bäumen bepflanzt. Es soll noch eine Zugangstür eingebaut und eine Ruhebank aufgestellt werden.

"Das große Engagement und die Schnelligkeit der Ausführung zeigen, dass dieses Thema den Leuten sehr wichtig ist", erklärt Ortsvorsteher Frank Döring. "Dank einer großzügigen Spende und vielen Helfern wird die Stadtkasse kaum belastet. Wir warten jetzt nur noch auf die entsprechende Änderung der Friedhofssatzung, damit erste Bestattungen durchgeführt werden können.

Auch in Fraurombach ist alles soweit klar. "Wir haben die entsprechende Fläche innerhalb unseres Friedhofes, das ist kein Problem", so Ortsvorsteher Alexander Altstadt. Nur Urnen- oder auch Sargbeisetzungen auf Rasenflächen

Das wird wohl der größte Diskussionspunkt bei den Rasenbestattungen werden: Dürfen nur Urnen auf den Rasenflächen eingelassen werden, oder wird auch eine Sargbestattung zugelassen? "Die Leute wünschen sich Vielfalt", so Frank Döring. "Aus kirchlicher Sicht spricht nichts gegen beide Bestattungsformen", ergänzt Pfarrer Siegfried Schmidt.

Bei Sargbestattungen, führen Kritiker das Argument auf, verdichte sich nach einiger Zeit der Boden und Erde müsse nachgefüllt werden. Auf einer Rasenfläche entstehen so immer wieder neue Lücken, die nachgesät werden müssen und die Rasenpflege erschweren.

Gestattet man nur Gedenkplatten, die in den Boden eingelassen werden, oder auch Gedenksteine? Erstellt man nur einen zentralen Gedenkstein, auf dem die Namen aller Bestatteten aufgeführt sind?

Die Möglichkeiten bei der Rasenbestattung sind so vielfältig wie die Wünsche derer, die dort beigesetzt werden wollen.

Wie die kommunalpolitischen Gremien letztendlich unter Berücksichtigung der geologischen Gegebenheiten des jeweiligen Platzes auch entscheiden, es wird bald eine neue – pflegearme – Bestattungsform im Schlitzerland geben.

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