Der Kanu-Tourismus im Schlitzerland erfreut sich zunehmend großer Beliebtheit.
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Der Kanu-Tourismus im Schlitzerland erfreut sich zunehmend großer Beliebtheit.

Heiratsantrag zu Wasser

Boom im Schlitzerland: Der Kanu-Tourismus auf der Fulda wird immer beliebter – „wie auf dem Amazonas“

  • Bernd Götte
    vonBernd Götte
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Der Kanu-Tourismus im Schlitzerland hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Gerade in diesem Corona-Sommer, in dem viele Urlaub zu Hause machen, ist auf der Fulda viel los. 

Schlitz/Fulda - Eigentlich schade, dass die Anzahl der Kanus auf der Fulda begrenzt ist. Harald Hoßfeld aus Kämmerzell, Inhaber des Verleihs Kanutours Fulda, kann sich in diesem Sommer über Nachfrage nämlich nicht beklagen. „Manchmal kommen Leute spontan vorbei und wollen ein Boot ausleihen, dann sind diese aber schon alle unterwegs.“

Boom im Schlitzerland: Der Kanu-Tourismus auf der Fulda wird immer beliebter

Wie alle anderen Verleiher auch muss er nämlich bei der Naturschutzbehörde ein Kontingent beantragen, dass er dann zu Wasser lassen darf. Pro Tag dürfen 70 Boote pro Abschnitt auf der Fulda fahren. Hoßfeld hat Verständnis dafür, schließlich gehe es über weite Strecken durch Naturschutzgebiete, ein Alleinstellungsmerkmal der Fulda. 

Aber ein Geheimtipp ist die Fulda im Grunde nicht mehr. Aus dem ganzen Bundesgebiet hat Hoßfeld Kunden, die sich einmal als „Freizeitkapitäne“ erproben möchten.  100 Boote hat Hoßfeld auf Lager und zwei Haupteinstiegsstellen, in Rimbach und in Kämmerzell. Der nördlichste Einsatzpunkt sei in Bad Hersfeld. Einstiege befinden sich aber im Stundenabstand auf dem Fluss.

Die Kanu-Hauptstrecken auf der Fulda von Kämmerzell bis Rimbach und von Rimbach bis nach Kerspenhausen seien recht unterschiedlich. Bis Pfordt müssten Kanuten wegen dreier Mühlen auf der Strecke entsprechend oft das Boot auf dem Landweg herumtragen, ab Rimbach gebe es keine menschgemachten Hindernisse mehr.

Dafür seien dort durch Renaturierungsmaßnahmen mehr Inseln und Sandbänke, die das Navigieren auf der Fulda erschwerten. Pfordt und Kerspenhausen sieht er aber auch deshalb als geeignete Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten, weil es dort eine gute Gastronomie gebe. 

Heiratsantrag im Kanu auf der Fulda

Die Coronazeit war für den Verleiher ein Auf und Ab der Gefühle. Zunächst sagten viele Gruppen ab, die schon längerfristig gebucht hatten. Das seien vor allem Firmenausflüge oder Freundeskreise gewesen, die langfristig geplant hätten. Für Hoßfeld erst einmal ein harter Schlag, hatte er sich doch kurz vorher 16 neue Boote zugelegt.

Jetzt, zum Ende der Saison, kann er sich in finanzieller Hinsicht bequem zurücklehnen, was den Arbeitsaufwand angeht allerdings nicht. „Wir gehören zu den Gewinnern der Saison 2020“, erklärt er.  Jetzt kommen vor allem viele Einzeltouristen, die sich relativ spontan für eine Paddeltour entscheiden würden.

Bei der Paddeltour fühlt man sich tatsächlich teilweise wie ein Forschungsreisender auf dem Amazonas, aber hier wie dort muss man gut aufpassen. Schnell ist das Gleichgewicht verloren und man landet in dem glücklicherweise recht sauberen Fuldawasser

So wurde auch schon manche Partnerschaft auf die Probe gestellt. Ehefrauen sollen auch Stunden nach dem Ende der Fahrt nicht mehr mit ihrem Gatten geredet haben, sei es, dass sie nass geworden sind, oder sei es, dass der Gemahl allzu viel an dem Paddeln der Gattin auszusetzen hatte. 

Und sogar ein Heiratsantrag ist am Ende einer solchen Tour auf der Fulda schon gemacht worden.  Auf die Frage, ob der Bräutigam, den Antrag auch gemacht hätte, wenn seine Auserwählte während der Fahrt unleidlich geworden wäre, habe dieser nur dann geschwiegen und gegrinst. 

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