Steffen Blum (rechts) gratuliert Olaf Dahlmann per Ellenbogen zum Wahlsieg in Wartenberg.
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Steffen Blum (rechts) gratuliert Olaf Dahlmann per Ellenbogen zum Wahlsieg.

Klare Sache in Lauterbach und Freiensteinau

„Eindeutiges Votum“ der Bürger in Wartenberg - Olaf Dahlmann kritisiert Video und appelliert an die CDU

  • Marcus Lotz
    vonMarcus Lotz
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Starkes Ergebnis für den alten und neuen Rathauschef: Dr. Olaf Dahlmann (SPD) hat bei den Bürgermeisterwahlen in Wartenberg 70,95 Prozent der Stimmen geholt. Der parteiunabhängige Gegenkandidat, Steffen Blum aus Bad Salzschlirf, kam entsprechend auf 29,05 Prozent.

Wartenberg - Zwei von vier Wahlbezirken sind bereits ausgezählt, als Olaf Dahlmann am Abend gegen 18.30 Uhr vor dem Wartenberg Oval eintrifft. Im großen Saal haben sich da schon bereits rund 70 Bürgerinnen und Bürger eingefunden. Auf den Stühlen, die wegen der Corona-Abstandsregeln deutlich auseinanderstehen, will zu diesem Zeitpunkt kaum einer sitzen. In gespannter Gesprächsatmosphäre stehen die Anwesenden vor der Leinwand – unter ihnen auch Steffen Blum mit Familie.

Just in dem Augenblick, in dem das Ergebnis des letzten Wahlbezirks erscheint, betritt Dahlmann den Saal. Die Anwesenden sind still, niemand jubelt – Dahlmann blickt gebannt auf die Ergebnistabelle, als könne er es noch nicht glauben. Dann löst sich die Stille und die Menschen applaudieren. Olaf Dahlmann hat die Wahl gewonnen – und zwar deutlich. 67,33 Prozent der Wahlberechtigten haben dem 43-Jährigen ihre Stimme gegeben. Der lenkt seinen Schritt zuallererst zu Blum – es wird sich mit den Ellbogen begrüßt, Blum gratuliert, Dahlmann dankt. Kurz sprechen sie miteinander, beide lachen. Der Wahlkampf endet, wie er von beiden geführt wurde – fair und respektvoll.

Bürgermeisterwahl in Wartenberg: Olaf Dahlmann dankt Bürgern für ihr „eindeutiges Votum“

Dann tritt Dahlmann vor die Anwesenden, in seiner Hand einen Zettel mit der Überschrift „Wahlsieg“. Eine Notiz für den Fall einer Niederlage hat er nicht dabei.

Wahlen in Lauterbach und Freiensteinau

Rainer-Hans Vollmöller (CDU) bleibt Bürgermeister in Lauterbach, Sascha Spielberger (parteilos) in Freiensteinau. Beide hatten keinen Gegenkandidaten.

Vollmöller holte 70,37 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 34,53 Prozent. Der 63 Jahre Rathauschef ist seit 24 Jahren in Lauterbach im Amt und trat jetzt zum ersten Mal ohne Gegenkandidaten an. Die besten Einzelergebnisse erzielte er am Sonntag in den Stadtteilen Allmenrod (89,1 Prozent), Sickendorf (85,7 Prozent) und Maar (75,9 Prozent). Die schlechtesten Ergebnisse holte Vollmöller in der Kernstadt-Bezirken Eichbergschule (63,3 Prozent) und Rathaus (63,9 Prozent).

In Freiensteinau wurde Sascha Spielberger mit 90,69 Prozent der Stimmen als Bürgermeister im Amt bestätigt, und das bei einer Wahlbeteiligung von immerhin bei 52,35 Prozent. Spielberger war vor sechs Jahren ins Amt gekommen. „Das ist für mich ein absolutes Traumergebnis“, sagte er am Wahlabend. „Mit mehr als 90 Prozent kann ich nicht alles falsch gemacht haben. Das ist ein großer Motivationsschub, um weiterzumachen und mit den Mandatsträgern und Bürgern die angestoßenen Projekte umzusetzen“, so der 44-Jährige. „Auch die Wahlbeteiligung ist sensationell, wenn man bedenkt, dass eigentlich keine große Spannung da war.“ (vn, tim)

Lesen Sie hier: Alle Ergebnisse des Wahlabends in Osthessen

„Das ist ein grandioses Wahlergebnis“, freut sich der Angersbacher und dankt gleich darauf seinem Mitbewerber Blum „für die Bereitschaft, zu kandidieren.“ Dahlmanns Dank gilt den Bürgerinnen und Bürgern für ihr „eindeutiges Votum“, außerdem seinen Unterstützerinnen und Unterstützern und der SPD-Fraktion. Als er zu seiner Familie kommt, wird seine Stimme brüchig. „Ich danke meinen vier Mädels, die in den letzten Monaten viele Launen ertragen mussten.“

Nach Sieg: Olaf Dahlmann übt Kritik - CDU solle sich Gedanken über Zusammenarbeit machen

Doch der Angersbacher übt an diesem Abend auch Kritik. „Es wurden in diesem Wahlkampf auch Vorwürfe gemacht, die nicht der Wahrheit entsprechen“, äußert Dahlmann und nennt als Beispiel ein Video der CDU. „Das hatte nichts mit einem fairem Wahlkampf zu tun.“

Vor diesem Hintergrund gelte es zukünftig, auszuloten, wie die Zusammenarbeit der Fraktionen in Zukunft gelingen solle. „Bei der SPD und den Freien Wählern habe ich da keine Bedenken. An die CDU hingegen richte ich den eindringlichen Appell, sich diesbezüglich Gedanken zu machen.“ Trotztem stehe die Freude über das Ergebnis im Vordergrund, so Dahlmann.

Wegen Corona: Keine Wahlparty in Wartenberg - Umarmungen für Dahlmann nur von der Familie

Daraufhin ergreift Bernd Wahl (Freie Wähler), der Vorsitzende der Gemeindevertretung, das Wort. „Bleiben Sie weiterhin Kapitän der Gemeinde und trotzen Sie jedem Sturm.“ Im Anschluss überreicht er zwei Blumensträuße an Dahlmanns Frau Ivonne und Blums Ehefrau Stefanie.

„Ohne Corona würde jetzt das große Drücken losgehen“, verkündet der wiedergewählte Bürgermeister. Doch wegen Corona gibt es an diesem Abend weder viele Umarmungen noch eine Wahlparty – gedrückt wird Dahlmann dann aber doch noch – von seiner Familie.

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