Ein Hubschrauber im Landeanflug.
+
Ein Hubschrauber der Bundeswehr landet auf der unter Naturschutz stehenden Insel im Reichloser Teich. 

Zeugin meldet Vorfall

Bundeswehr-Hubschrauber landet auf geschützter Insel im Vogelsberg - Nabu erstattet Anzeige

  • Walter Kreuzer
    VonWalter Kreuzer
    schließen

Dass Hubschrauber der Bundeswehr im Vogelsberg unterwegs sind, kommt vor. Was sich jedoch die Besatzung in Reichlos erlaubte, erregt die Gemüter nicht nur von Naturschützern: Sie veranstalteten Landeübungen auf einer kleinen Insel im Reichloser Teich.

Reichlos - Einer aufmerksamen Zeugin aus dem Freiensteinauer Ortsteil im Vogelsbergkreis ist es zu verdanken, dass der Vorfall bekannt wurde – und es ein Foto von den Landeversuchen gibt. „Der Hubschrauber ist gelandet. Es folgte eine Drehung um 180 Grad und eine zweite Landung. Danach ist er weggeflogen. Die Soldaten wussten wohl, dass es keine gute Idee ist, was sie da machen, und wollten schnell weg“, schildert Nico Flügel, der bei der Nabu-Stiftung Hessisches Naturerbe für die Vogelsbergteiche zuständig ist, die Aktion.

Diese hat sich am 22. April gegen 13 Uhr ereignet. Ort des Geschehens ist eine „kleine Brutinsel nahe dem Ablassbauwerk. Die Insel wurde vor einigen Jahren angelegt, damit der Fuchs die Gelege nicht ausräumen kann“, erläutert Flügel. Sie ist nur etwa acht bis zehn Meter lang und etwas schmaler. (Lesen Sie hier: Wegen Aueweiher-Sanierung in Fulda: Naturschützer sorgen sich um Brutvögel)

Vogelsberg: Bundeswehr-Hubschrauber landet auf geschützter Insel für Brutvögel

Der Reichloser Weiher befindet sich im Eigentum der Nabu-Stiftung und steht unter Naturschutz. Um insbesondere die Brutvögel nicht zu stören, darf in dem Gewässer auch nicht gebadet werden. Ob durch den Hubschrauber Schaden angerichtet wurde, lässt sich nicht sagen.

„Ich habe dort im Frühjahr Graugänse mit Jungen gesehen. Auf der Insel lagen einige kaputte Eier. Es ist aber nicht sicher, ob diese vom Hubschrauber zerstört wurden oder eventuell ein Rabe das Nest geplündert hat“, sagt Flügel und ergänzt: „Es war aber eine Störung, die vermeidbar gewesen wäre.“

Für die Stiftung als Eigentümerin der Vogelsbergteiche – dazu gehören neben dem Reichloser auch der Ober-Mooser Teich und der Rothenbachteich zwischen Ober-Moos und Bermuthshain – hat Flügel Anzeige erstattet. Das Ergebnis befriedigt weder Flügel noch die in der Region aktiven Nabu-Mitglieder.

„Es hat eine ganze Weile gedauert, ehe es eine Nachricht gab. Vor wenigen Wochen wurde uns mitgeteilt, dass kein konkreter Pilot habe ermittelt werden können. Ich denke aber, dass Flugbewegungen aufgezeichnet werden. Etwa von der Flugsicherung“, sagt Flügel.

Er nennt ein Online-Aktenzeichen unter der die Anzeige registriert worden sei. Rechtliche Schritte haben Tierschützer auch in Ulm eingeleitet - gegen einen Schweinebetrieb*, berichtet echo24.de. Laut RUHR24.de hatte eine Tierschutzorganisation im Kreis Unna mit ähnlichem Vorgehen Erfolg*.

Der Hubschrauber

In einer ersten Fassung des Artikels war der Hubschrauber als Typ EC 135 bezeichnet worden. Der Schulungshubschrauber Eurocopter EC 135 wird seit September 2020 am Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum in Bückeburg eingesetzt. Die Flugschüler für Hubschrauberführer lernen, einen Helikopter nach Sichtflugregeln zu beherrschen.

Nach der Veröffentlichung meldete sich sich Oberst Bodo Schütte, Kommandeur des Internationalen Hubschrauberausbildungszentrums der Bundeswehr in Bückeburg, zum dem Vorfall zu Wort. Er erklärt: „Meine Besatzungen aus Bückeburg haben nichts mit diesem unerfreulichen Vorgang zu tun.“

Die Maschinen in Bückeburg, so Schütte, seien „nicht mit Winden ausgestattet“. Eine solche ist bei starker Vergrößerung auf dem Foto aus Reichlos zu erkennen. Der Oberst geht davon aus, dass es sich um eine H 145 handelt, die ebenfalls von Airbus hergestellt wird. An besagtem 22. April habe bei seiner Einheit kein Flugdienst stattgefunden. (kw)

Das Polizeipräsidium Osthessen teilte auf eine Anfrage lediglich mit: „Der von Ihnen beschriebene Sachverhalt ist der Polizeidirektion Vogelsberg bislang nicht bekannt geworden, sodass ich Sie mit Ihren Fragestellungen an die Bundeswehr verweisen muss.“

Video: Geschützte Tierart in Marl bei Durchforstungsaktion missachtet?

Bei dieser hat Flügel selbst recherchiert und landete am Stützpunkt Bückeburg, aber ohne Ergebnis: „Es gibt viele Hubschrauber von diesem Typ. Leider ist die Kennung nicht zu erkennen. Der Tower in Bückeburg sagte, die Piloten würden in der Ausbildung und in ihren Briefings darauf hingewiesen, dass solche Aktionen verboten sind. Wir wollen einfach, dass das nicht mehr passiert. Die Anzeige soll Nachahmer abhalten.“ *echo24.de und RUHR24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren