Ein Hubschrauber im Landeanflug.
+
Ein Hubschrauber der Bundeswehr landet auf der unter Naturschutz stehenden Insel im Reichloser Teich.

Nabu erstattet Anzeige

Hubschrauber-Manöver auf geschützter Insel im Vogelsberg: Jetzt reagiert die Bundeswehr

  • Walter Kreuzer
    VonWalter Kreuzer
    schließen

Langsam lichtet sich das Dunkel um die Landung eines Bundeswehr-Hubschraubers auf der kleinen Brutinsel im Reichloser Teich etwas. Aufgeklärt ist der Fall aber auch dreieinhalb Monate nach dem Ereignis nicht – zumindest nicht für die Öffentlichkeit.

Reichlos - Eine aufmerksame Zeugin aus dem Freiensteinauer Ortsteil Reichlos im Vogelsbergkreis hatte am 22. April gegen 13 Uhr die wiederholte Landung eines Hubschraubers der Bundeswehr auf einer kleinen Brutinsel im unter Naturschutz stehenden Reichloser Teich fotografiert. Sie hat den Vorfall der Nabu-Stiftung Hessisches Naturerbe gemeldet, der Eigentümerin des Geländes. Deren Vertreter Nico Flügel hat online Strafanzeige erstattet.

Nach unserem Artikel kam Bewegung in die Sache. Letztlich handelte es sich bei dem Heli nicht, wie berichtet, um eine Maschine des Typs EC 135, der als Schulungshubschrauber eingesetzt wird. Darauf wies der Kommandant des Internationalen Hubschrauberausbildungszentrums der Bundeswehr in Bückeburg, Oberst Bodo Schütte, hin. Seine Vermutung, es könne sich um den Typ H145 vom selben Hersteller handeln, erwies sich als richtig.

Hubschrauber-Manöver auf Insel im Vogelsberg: Das sagt die Bundeswehr

Inzwischen ist bekannt, zu welcher Einheit der H145M gehört: Die Maschine wird nicht vom Heer, sondern von der Luftwaffe eingesetzt. Ein Sprecher bestätigte nun nicht nur den Typ, der für Laien auf der aus großer Entfernung gefertigten Aufnahme schwer zu erkennen ist, sondern nannte auch die Einheit: „Es handelt sich um einen Hubschrauber der Luftwaffe vom Typ H145M, der zum Hubschraubergeschwader 654 in Laupheim gehört.“

Die in der baden-württembergischen Stadt stationierte Maschine habe sich „an diesem Tag auf einem Trainingsflug“ befunden. „Unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls durch eine andere Dienststelle der Bundeswehr“, nach unserem Artikel Ende Juli, seien „vor Ort entsprechende Ermittlungen eingeleitet worden, die jedoch derzeit noch nicht abgeschlossen sind“. Daher könne er sich „aktuell nicht weitergehend zu diesem Vorgang äußern“.

Abschließend „versichert“ der Luftwaffensprecher, „dass der Luftwaffe die Belange des Naturschutzes wichtig sind und dass diese von unseren Soldatinnen und Soldaten in Gänze respektiert und geachtet werden.“

In die Aufklärung des Vorfalls sind die Polizei Osthessen sowie die Untere Naturschutzbehörde beim Vogelsbergkreis involviert. Im Präsidium wurde „eine Ordnungswidrigkeitenanzeige nach dem Bundesnaturschutzgesetz gefertigt und im Mai an die Untere Naturschutzbehörde des Vogelsbergkreises, als zuständige Verfolgungsbehörde, weitergeleitet“, heißt es. Und weiter: „Der Verfahrensausgang ist hier nicht bekannt.“

Video: Geschützte Tierart in Marl bei Durchforstungsaktion missachtet?

Das müsste im Landratsamt anders sein. Gegenüber unserer Zeitung gibt es dazu allerdings keine Aussage. Bestätigt wird lediglich der Eingang der Anzeige des Nabu über die Polizeidirektion Vogelsberg. „Aufgrund des noch laufenden Verfahrens kann dazu nicht weiter Stellung genommen werden“, heißt es weiter.

Sollte die Hubschrauberbesatzung ermittelt werden, dann droht ihr vermutlich ein Bußgeld. Dessen Höhe kann, so heißt es vom Vogelsbergkreis, „laut hessischem Ausführungsgesetz zum Bundesnaturschutzgesetz in einer Höhe bis zu 100.000 Euro festgesetzt werden“. Allerdings gebe es „noch keinen Bußgeldkatalog. In einem Vorentwurf eines Erlasses ist in solchen Fällen eine Bußgeldhöhe von 150 Euro vorgesehen.“

Das könnte Sie auch interessieren