Mit einem Transparent „Klimaschutz ist kein Verbrechen“ protestieren Demonstranten bei Homberg/Ohm am Wochenende gegen die Rodung im Dannenröder Wald.
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Mit einem Transparent „Klimaschutz ist kein Verbrechen“ protestieren Demonstranten bei Homberg/Ohm am Wochenende gegen die Rodung im Dannenröder Wald.

Konflikt um Dannenröder Forst

Dannenröder Forst: Rodungen für A49 gehen weiter – Polizeieinsatz am Maulbacher Wald   

Der Konflikt um den Ausbau der Autobahn 49 in Nord- und Mittelhessen hat sich am Montag im Maulbacher Wald fortgesetzt. Dort habe die Räumung des Waldstücks bei Homberg (Ohm) durch die Polizei begonnen, sagte eine Sprecherin des Wald-Statt-Asphalt-Bündnisses. 

Update 5. Oktober, 12.20 Uhr: Polizei Aktivisten hätten das Waldstück besetzt, zudem gebe es eine Mahnwache außerhalb. Auch die Polizei bestätigte einen Einsatz wegen anstehender Rodungsarbeiten. Laut den Aktivisten holte die Polizei im Maulbacher Wald einen Autobahngegner von einem Gestell, einem sogenannten Tripod. Zudem hatte es am Morgen auch eine einstündige Sitzblockade einer Süßwaren-Fabrik in Stadtallendorf gegeben.

Außerdem werde am Dannenröder Forst eine Baumaschine blockiert. Vergangene Woche hatten die Rodungsarbeiten begonnen, die den Ausbau der umstrittenen A49 ermöglichen sollen. Aktivisten wollen die Arbeiten stoppen und haben Teile des Dannenröder Forstes, des Herrenwalds und des Maulbacher Walds besetzt. Die Polizei hatte daher in der vergangenen Woche begonnen, besetzte Waldstücke zu räumen.

Am Wochenende hatten die Arbeiten pausiert. Stattdessen hatte es eine große Demonstration am Dannenröder Forst bei Homberg/Ohm gegeben. Die Aktivisten hatten erneut Besetzungen und Aktionen angekündigt, sobald die Arbeiten weitergehen. Die A49 soll nach dem Lückenschluss Kassel und Gießen direkter miteinander verbinden.

Update 1. Oktober, 10.30 Uhr: Die Klimaschutzaktivistin Carola Rackete forderte den Hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir auf, „einzusehen, dass er das Projekt nicht umsetzen wird“. Wegen der geplanten Autobahn 49 in Mittelhessen wird es im Herrenwald ernst: Die ersten Bäume sind gefallen und sowohl Umweltaktivisten als auch Polizei bringen sich in Stellung.

Klimaaktivistin Carola Rackete

Polizei und Umweltschützer stellen sich auf einen weiteren Protesttag gegen die ersten Rodungen für den umstrittenen Ausbau der Autobahn 49 ein. Zahlreiche Einsatzkräften waren nach Beobachterangaben auch am Freitagmorgen wieder vor Ort am Herrenwald bei Stadtallendorf in Mittelhessen. Aktivisten berichteten am Freitagmorgen, dass Mitstreiter erneut in Bäume geklettert seien, um die Rodungsarbeiten zu verhindern.

„Wir gehen davon aus, dass es im Laufe des Vormittags mit den Arbeiten weitergeht“, sagte ein Sprecher der Polizei. In der Nacht sei es weitestgehend ruhig geblieben. Nun bereite man sich auf die Begleitung der weiteren Baumfällarbeiten und eine mögliche Räumung vor.

Carola Rackete demonstriert im Herrenwald gegen Ausbau der A49 - „Kostenloser ÖPNV und Ausbau der Schiene“

Update vom 1. Oktober, 19.30 Uhr: Die Polizei hat sich am ersten Tag der Rodungen für den Weiterbau der Autobahn 49 zufrieden mit dem Großeinsatz rund um den mittelhessischen Herrenwald gezeigt. „Weil genau das Ziel erreicht worden ist, dass niemand verletzt wurde“, sagte eine Sprecherin am Donnerstagabend. Der Protest der Ausbaugegner sei friedlich verlaufen. Es habe passiven Widerstand wie Blockaden gegeben, aber keine Angriffe. Die Beamten nahmen sechs Aktivisten fest, bei 70 Personen wurden die Personalien festgestellt. Laut der Polizei seien auch mehrere Platzverweise ausgesprochen worden.

Rodung für A49 beginnen im Herrenwald: Polizei reißt erste Plattform der Umweltaktivisten ab

Im Herrenwald starten die Rodungen für die Autobahn 49.
Im Herrenwald starten die Rodungen für die Autobahn 49. © Fuldamedia
Klimaaktivistin Carola Rackete im Herrenwald A49
Klimaaktivistin Carola Rackete © Fuldamedia
Im Herrenwald starten die Rodungen für die Autobahn 49.
Im Herrenwald starten die Rodungen für die Autobahn 49. © Fuldamedia
Im Herrenwald starten die Rodungen für die Autobahn 49.
Im Herrenwald starten die Rodungen für die Autobahn 49. © Fuldamedia
Im Herrenwald starten die Rodungen für die Autobahn 49.
Im Herrenwald starten die Rodungen für die Autobahn 49. © Fuldamedia
Im Herrenwald starten die Rodungen für die Autobahn 49.
Im Herrenwald starten die Rodungen für die Autobahn 49. © Fuldamedia
Im Herrenwald starten die Rodungen für die Autobahn 49.
Im Herrenwald starten die Rodungen für die Autobahn 49. © Fuldamedia
Im Herrenwald starten die Rodungen für die Autobahn 49.
Im Herrenwald starten die Rodungen für die Autobahn 49. © Fuldamedia

Mit Einbruch der Dunkelheit wollte die Polizei ihren Einsatz beenden, denn ab da könne die Sicherheit für die Kräfte und Maßnahmen nicht mehr gewährleistet werden. Die Sprecherin ging davon aus, dass die Rodungen und damit der Polizeieinsatz am Freitag fortgesetzt werden.

Carola Rackete: „Das ist ein Unding“ - Umweltaktivisten demonstrieren im Herrenwald gegen A49

Update vom 1. Oktober, 15.30 Uhr: Die Polizei hat mit der Räumung von Aktivisten-Baumhäusern und Plattformen begonnen, damit Rodungen für den Weiterbau der Autobahn 49 fortgesetzt werden können. Einsatzkräfte bauten am Donnerstagnachmittag im Herrenwald eine erste Plattform der Umweltschützer ab. Aktivisten harrten derweil in den Bäumen aus, einige kletterten bis in die Spitzen.

Update vom 1. Oktober, 15 Uhr: Aus Protest gegen die Waldrodung für den Weiterbau der Autobahn 49 in Mittelhessen haben sich Aktivisten am Donnerstag von einer Brücke über die A5 bei Alsfeld abgeseilt. Die Polizei sprach von mindestens zwei Aktivisten. Die Autobahn musste nach Angaben der Polizei teilweise in beiden Richtungen gesperrt werden, erst nach rund dreieinhalb Stunden hatten Spezialisten der Polizei die Aktion beendet. Der Verkehr habe sich in beiden Richtungen bis zu 20 Kilometer gestaut.

Mit der Blockade wolle man Solidarität mit dem Protest im Herrenwald bei Stadtallendorf zeigen, teilte ein Aktionsbündnis mit. In dem Waldstück hatten am Donnerstag erste Rodungsarbeiten für den umstrittenen Lückenschluss der A49 begonnen. Die Autobahn soll einmal Gießen und Kassel besser miteinander verbinden.

Polizei reißt erste Plattform im Herrenwald ab: Rodung für Autobahn 49 beginnt

Erstmeldung vom 1. Oktober: Stadtallendorf - Begleitet von einem Großaufgebot der Polizei und Protesten von Umweltschützern haben die ersten Rodungen von Bäumen begonnen, die für den Weiterbau der Autobahn 49 in Mittelhessen weichen müssen. Die Polizei sperrte das betroffene Areal im Herrenwald bei Stadtallendorf am Donnerstag ab. Vorgesehen sei, das Waldstück zu räumen, in denen Bäume gefällt werden sollen, sagte ein Polizeisprecher. Die ersten Rodungen waren am Vormittag vorübergehend unterbrochen worden, konnten laut Polizei dann aber weitergehen.

Aus Protest gegen die geplanten Rodungen im Herrenwald sowie in dem in der Nähe gelegenen Dannenröder Forst haben sich dort Aktivisten in Baumhäusern eingerichtet und Plattformen sowie Barrikaden errichtet. Bei der Räumung rechnet die Polizei mit einem wochenlangen Großeinsatz und massivem Widerstand der Aktivisten.

Jochen Wegmann, Sprecher der Polizei, sagte gegenüber unserer Zeitung: „Am 1. Oktober beginnt die Fällperiode.“ Die Baufirma habe deshalb mit ersten Maßnahmen begonnen. „Wir als Polizei vor Ort schützen diese Maßnahmen und haben das Gebiet, was heute gerodet werden soll, weiträumig umstellt.“ Es seien - Stand Donnerstagmorgen - circa 40 „Ausbaugegner“ im Wald, „mit denen wir uns im engen kommunikativen Austausch befinden“. Die Polizei sei mit einer „mittleren dreistelligen Zahl“ an Einsatzkräften vor Ort.

Rodungen für A49 im Herrenwald: Carola Rackete spricht von „Unding“

Die Projektgesellschaft Deges teilte mit, dass mit dem Start der Fällsaison am Donnerstag auch die Rodungsarbeiten für den geplanten Lückenschluss der A49 umgesetzt würden. Die rechtlichen Voraussetzungen für den Bau liegen vor, sagte ein Sprecher. „Auf dieser Basis haben wir heute im Herrenwald planmäßig mit den notwendigen Fällarbeiten begonnen.“ Die Arbeiten sollen der Deges zufolge in den nächsten Tagen und Wochen an verschiedenen Stellen entlang der geplanten Trasse fortgesetzt werden.

Die Polizei war am Donnerstag nach eigenen Angaben mit mehreren Aktivisten im Gespräch. „Ziel der Gespräche ist das freiwillige Verlassen des Waldes“, schrieben die Beamten auf Twitter. Einige Personen hätten daraufhin das Gebiet verlassen, sagte ein Polizeisprecher.

Viele Aktivisten wollen aber nicht weichen. Sie verschanzten sich in Baumhäusern, einige riefen Parolen in Richtung der Beamten. Eine Sprecherin der Initiative Wald statt Asphalt“ sprach von einem „Skandal“, dass Deutschland im Jahr 2020 alte Wälder und Schutzgebiete für eine Autobahn abholzen lasse, „deren Nutzen nicht bewiesen ist“.

Rodungen für A49 im Herrenwald: Großaufgebot der Polizei vor Ort

„Es ist ein Unding, dass die Bundesregierung hier einen alten Mischwald abholzen will, um eine Autobahn zu bauen“, sagt Klimaaktivistin Carola Rackete gegenüber unserer Zeitung. Sie meint: „Wir müssten ernsthaft und schnell eine Transportwende vorantreiben: eine Umstellung auf die Schiene.“ Das Projekt der A49 solle in den Akten verschwinden.

Video: Umweltaktivisten und Polizei bereiten sich auf die ersten Rodungen des Herrenwaldes vor

Laut Rackete hatten Pressevertreter Probleme damit, in den Wald gelassen zu werden. Dasselbe berichten auch unsere Reporter, die sich vor Ort befinden, und unter anderem Sabine Leidig, Bundestagsabgeordnete der Linke, auf Twitter. „Ob eine Berichterstattung möglich ist, macht mir Sorge“, sagt Rackete.

„Wir wollen erreichen, dass die Bundesregierung eine konsequente Verkehrswende umsetzt und den Bundesverkehrswegeplan umarbeitet“, erklärt Carola Rackete. Das Schienennetz solle ausgebaut und alte Schienen reaktiviert werden. In Innenstädten solle es einen kostenlosen und besseren ÖPNV geben und die dort Angestellten besser entlohnt werden. „Da brauchen wir ein komplettes Umdenken.“

Rodungen für A49 im Herrenwald: Greenpeace demonstriert in Wiesbaden

Die Klimaaktivistin Rackete wünsche sich, dass der Hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) in den Wald kommt und „einsehen wird, dass er diese Projekt nicht umsetzen kann“.

Vor dem hessischen Landtag wollte die Umweltorganisation Greenpeace am Donnerstag gegen die geplante Rodung protestieren. Vor dem Parlament solle ein sechs Meter langer Stamm aus dem Wald platziert werden, kündigte Greenpeace am Morgen an. „Der Baum aus dem Dannenröder Forst steht symbolisch für die Zerstörung der Natur im Kontext veralteter Verkehrspolitik“, teilte Alex Wenzel von Greenpeace Frankfurt mit.

Die A49 soll nach der Fertigstellung Kassel und Gießen miteinander verbinden. Umwelt- und Klimaschützer halten das Projekt für überholt, weil es einer Verkehrswende entgegenstehe. Die Befürworter erhoffen sich weniger Verkehrslärm in den umliegenden Dörfern, kürzere Wege für Pendler und eine direktere Anbindung ans Straßennetz für die Unternehmen. (dpa, lea)

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