Das Stammtisch-Thema der AWO im Januar wurde wieder gerne angenommen.

Christian Gerninghaus referierte über verantwortungsbewussten Umgang mit Medikamenten

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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SCHLITZ - "1000 Pillen für den Opa". Unter dieses Motto hatte Dr. Christian Gerninghaus sein Referat bei der Arbeiterwohlfahrt Schlitz im Hotel Vorderburg gestellt. Ein pfiffiger Titel für ein sehr ernstzunehmendes Thema.

Natürlich ist auch Oma oder besser wir alle gemeint, wenn es um den richtigen, gesundheitserhaltenden beziehungsweise - fördernden Umgang mit Medikamenten geht.

Das folgende Themenspektrum zeigt, welche Punkte besonders angesprochen wurden.

Nutzen-Risiko von Arzneimitteln, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, Polypharmazie, Arzneimittel im Alter und als besonderes Angebot das "Arzneimittel-Zertifikat".

Dr. Gerninghaus ging sehr detailliert auf die einzelnen Fragestellungen ein.

So sei der Beipackzettel für die Patienten bisweilen "nicht so wichtig," trotzdem empfiehlt er, die Hinweise auf selbigem zu beachten.

Der bestgemeinte Rat des Arztes und Apothekers und die Hinweise auf dem Beipackzettel seien nutzlos, wenn der Patient sich nicht daran hält bzw. orientiert.

An dieser Stelle zitierte Dr. Gerninghaus G. Kuschinsky (1904-1992) einen deutschen Arzt und Pharmakologen. Unter seiner Leitung wurde das Pharmakologische Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, das Zentrum der Pharmakologie in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, gegründet worden. "Wenn behauptet wird, dass eine Substanz keine Nebenwirkungen zeigt, so besteht der dringende Verdacht, dass sie auch keine Hauptwirkung hat."

Sehr interessant waren die Hinweise zu den Wechselwirkungen. Wer beispielsweise Marcumar, einen Blutverdünner einnimmt und zusätzlich Aspirin zuführt, weil ihn der Kopfschmerz plagt, geht oft ein sehr hohes, mitunter lebensgefährliches Gesundheitsrisiko ein. Hier merkte man, dass die Zuhörer durchaus sensibilisiert waren. Nicht wenige von ihnen sind wegen ihres Alters auf Medikamente angewiesen. Ebenso benötigen viele Patienten mehrere Medikamente gleichzeitig. Man spricht von Polypharmazie oder Multipharmazie. Das trifft zum Beispiel zu, wenn Diabetes und Bluthochdruck gleichzeitig behandelt werden müssen. Oder die Gabe von einem Medikament ist notwendig, um die Nebenwirkungen eines anderen abzuschwächen. Beispiel: Gabe von Magensäureblockern bei längerer Gabe von Corticoiden (Cortison). Cortison ist ein (natürliches) Hormon, das in der Nebennierenrinde gebildet wird. Es bewirkt den Abbau körpereigener Reserven an Eiweiß und Zucker (Glykogen) und stellt diese für die Energiegewinnung des Körpers zur Verfügung. Alles Dinge, die man im täglichen Informationsfluss selten bis gar nicht konsumiert. Es sei denn, man ist als Patient betroffen. Im Zweifelsfall hilft der Arzt oder Apotheker weiter. Im Alter, so Dr. Gerninghaus nimmt die Medikamentierung häufig zu. Neben dem verantwortungsbewussten Umgang mit den Medikamenten ist die Flüssigkeitszufuhr für das Wohlbefinden ein besonders wichtiger Faktor, der beachtet werden muss.

Dem Ausspruch von Paracelsus (1493-1541), Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph, wonach "Die Dosis das Gift macht" ist letztlich nicht allzu viel hinzuzufügen. hbo

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