Fotos: Bernd Götte

Circus Baldoni in der Zwangspause: Traditionsunternehmen wird von heimischen Landwirten unterstützt

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Pfordt - Freischaffende Künstler haben es derzeit besonders schwer – kein Publikum, keine Einnahmen. Auch der Circus Baldoni liegt derzeit in seinem Winterquartier in Pfordt auf Eis.

Von unserem Redaktionsmitglied Bernd Götte

Seit 18 Jahren hat der Circus Baldoni seinen „Heimathafen“ in Pfordt. Etwa 20 Beschäftigte und 70 Tiere hat das Familienunternehmen, das urkundlich bezeugt schon seit 1811 Menschen in nah und fern mit Kunststücken und Attraktionen begeistert. Die derzeitige Krise scheint existenziell, aber Prinzipal Harry Heilig gibt sich kämpferisch: „Wir haben zwei Weltkriege überstanden, dann schaffen wir das jetzt auch“. Seine Gattin Aloma blickt dagegen etwas wehmütig in die Frühlingssonne: „Jetzt ist so schönes Wetter, eigentlich müssten wir jetzt unterwegs sein“.

Viele Engagements abgesagt

Viele Engagements für das Frühjahr seien schon abgesagt worden, und noch keine Folgetermine vereinbart. Im Sommer werde dann das Problem sein, dass Plätze, die der Circus eigentlich schon früher von den Kommunen angefragt hätten, dann auch von anderen Veranstaltern beansprucht werden könnten. „Es wird schwer sein, entsprechende Ausweichstandorte zu finden“, glaubt Heilig.

Liquidität problematisch

Problematisch sei auch die Liquidität: Heilig ist noch nicht klar, wo und wann er die versprochenen Staatshilfen beantragen kann, und um später einen Platz anmieten zu können, verlangen Kommunen oft hohe Kautionen, die der Circus erst vorstrecken muss. „Wir wollen kein Sozialfall werden“, beteuert Heilig nicht ohne Selbstbewusstsein. Unterwegs ist Baldoni, dessen Name sich übrigens von einer italienischen Seiltänzerin ableitet, die um die vorletzte Jahrhundertwende in die Familie eingeheiratet hat, vor allem im hessischen Raum. An Nachwuchs fehlt es der Zirkusfamilie nicht.

Tiere dank vieler Landwirte gesichert

Und auch die Tiere sind dank der Hilfsbereitschaft vieler, besonders vieler Landwirte, gesichert. Die Vierbeiner, seien es die etwas schüchternen Rentiere, die selbstbewussten Pferde oder die gemütlichen Kamele, wirken jedenfalls wohlgenährt und recht entspannt.

Heilig berichtet, dass auch aus dem Schlitzerland Landwirte Kraftfutter und Heu gespendet haben, damit die zahlreichen Vierbeiner des Unternehmens nicht darben müssen. „Danke an die Leute gerade aus der nächsten Nachbarschaft, die uns jetzt in der Not helfen“, sagt Heilig und kündigt an, für diese Familien entsprechend Freikarten für kommende Vorführungen bereitzustellen.

Untätig sind die Zirkusleute nicht: sie nutzen die Zeit, um ihre Fahrzeuge und Gerätschaften noch mehr auf Vordermann zu bringen, als wie sie es während der Winterpause geschafft haben. Wenn es dann wie erhofft im Sommer wieder auf Achse geht, sollen alle Wagen glänzen.

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