Seit 1890 in Familienbesitz: „Zur Linde” in Queck (links). Im Moment nur für Übernachtungsgäste geöffnet: „Zum Auerhahn” in Schlitz.
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Seit 1890 in Familienbesitz: „Zur Linde” in Queck (links). Im Moment nur für Übernachtungsgäste geöffnet: „Zum Auerhahn” in Schlitz.

„Zur Linde” und „Zum Auerhahn“

Folge der Corona-Auflagen? Zapfhähne bleiben in zwei Traditionsgaststätten in Schlitz trocken – vorerst

  • Bernd Götte
    vonBernd Götte
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Zwei Traditionsgaststätten im Schlitzerland haben ihren Schankbetrieb eingestellt – jedenfalls vorerst. Keinen ein Ausschank gibt es aktuell im Gasthaus „Zur Linde” in Queck und im Gasthause „Zum Auerhahn” in Schlitz.

Schlitz - Viele Menschen aus Schlitz bekommen glänzende Augen, wenn sie von den vormittäglichen Treffen der Postboten beim Lenk oder den Gelagen der Jäger bei Sippels berichten. Jetzt sind diese beiden Namen, als Inhaberfamilien stellvertretend für den GasthofZum Auerhahn“ in der Schlitzer Untergasse und dem Gasthof Zur Linde“ in der Hauptstraße in Queck, erstmal keine Anlaufstelle für gesellige Zecher. Beide haben ihre Gasträume auf unbestimmte Zeit geschlossen. 

Corona-Auflagen: Zwei Traditionsgaststätten in Schlitz stoppen Schankbetrieb

„Die Corona-Auflagen einzuhalten, war für uns sehr schwierig“, gibt Boris Sippel, Chef von der „Linde”, freimütig zu. Seit 1890 im Familienbesitz, war die „Linde“ Dreh- und Angelpunkt nicht nur im Quecker Kulturleben. Jetzt hat sich Boris Sippel Gedanken über die weitere Zukunft des Betriebes gemacht, aber letztlich entschieden, sein Geschäft außer Haus weiterzubetreiben und die Gasträume zu schließen.

Der Lieferservice für den Kindergarten und für Senioren soll weiterlaufen. Letzteres würde Sippel auch gerne noch ausbauen. Auch am Partyservice will er dranbleiben. „Schlanker und auswärts“ könnte man sein neues Konzept umschreiben, auch wenn er den Schankbetrieb in Queck noch nicht völlig aufgegeben hat.

Sippel kann sich vorstellen, mit Konzerten und anderen Kulturevents Leute in die „Linde” zu bringen. Durch sein Festival „Queckmeck“ hatte er in den vergangenen Jahren auch Kontakte zu überregional bekannten Künstlern knüpfen können. Dann könnte die Linde wieder Treffpunkt für alle werden.

Jetzt heißt es für Sippel aber zunächst einmal sparen. Er selbst arbeitet derzeit auf dem Hofgut Sassen, die Kosten für Versicherungen, Gema und auch für Personal fallen derzeit bei ihm nicht an. Gerade Personal sei auch schwer zu finden, bestätigt Ralph Lenk vom Gasthof Zum Auerhahn“ in der Untergasse in Schlitz.

Schon im 18. Jahrhundert haben dort Bauern aus der Umgebung das eine oder andere „Kännchen” Schnaps gekippt, und dann allmählich zu einer regulären Schankwirtschaft umgewandelt. Seit 1978 ist der „Auerhahn“ im Besitz der Familie Lenk und unter dem Familiennamen auch weit bekannt. 

Ralph Lenk ist im Moment froh über seine Hausgäste, mit denen er im Pensionsbetrieb noch Geld verdienen kann. „Aber sobald ich die Tür aufmache, brauche ich eine Arbeitskraft in der Küche und eine Bedienung“, erläutert Lenk. Und bei den gestiegenen Personalkosten fürchtet er, dabei draufzulegen, zumal er bei den strengen Auflagen seinen Betrieb nicht so weiterführen könne wie zuvor.

Dabei reibt er sich auch am Schlitzer Ordnungsamt, dass an seinem Raucherbereich, in dem sich normalerweise zehn Leute aufhalten können, Anstoß genommen habe. Dabei würden sich die zehn Leute, die an seinem Tresen Platz hätten, alle kennen. „Für mich ist das eine Gruppe.“ Lenk will jedenfalls am liebsten noch in diesem Jahr wieder aufmachen, eventuell schon im Oktober. 

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