Beim Ordnungsamt der Gemeinde Freiensteinau ist eine Anzeige gegen den Karnevalverein eingegangen. (Symbolfoto)
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Beim Ordnungsamt der Gemeinde Freiensteinau ist eine Anzeige gegen den Karnevalverein eingegangen. (Symbolfoto)

Demo von Querdenkern

Corona-Ausbruch in Freiensteinau zieht Shitstorms, Beleidigungen und Anzeige gegen Karnevalverein nach sich

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Zwei Dutzend aktive Corona-Fälle, eine Inzidenz von 480, Gerüchte um Feiern im Familienkreis und privat zu Fasching, Produktionsausfall, aber auch Shitstorms im Internet, eine anonyme Anzeige und eine Demo der „Querdenker“-Szene: So stellt sich die Gemeinde Freiensteinau da.

Freiensteinau - Am Dienstag meldet das Gesundheitsamt des Vogelsbergkreises eine Sieben-Tage-Inzidenz von 480. Gestern werden sieben weitere Infektionen bestätigt. Als Ursache werden private Veranstaltungen vermutet: eine aus einem familiären Anlass, die andere offenbar eine ebenso privat organisierte Faschingsfeier. Genaues ist weder bekannt noch sind vom Vogelsbergkreis Aussagen dazu zu erhalten – aus Datenschutzgründen. Diese sind ebenso berechtigt und sinnvoll wie die Corona-Auflagen, die – ob fahrlässig oder vorsätzlich bleibt offen – mit den erwähnten Folgen für die Gesundheit einiger Menschen missachtet wurden.

Corona-Ausbruch in Freiensteinau zieht Gerüchte, Beleidigungen und Anzeigen nach sich

Doch nicht für alles ist das Corona-Virus verantwortlich. Für manche Konsequenzen sorgen verantwortungslos handelnde Menschen. Carsten Hofmann, Vorsitzender des KV Kikiriki Freiensteinau, klagt über Beleidigungen im Internet, denen sich der Karnevalverein ausgesetzt sehe. Dabei hat dieser offensichtlich nichts mit den erwähnten Feierlichkeiten zu tun. Im Gegenteil: Kikiriki hat auf alle Veranstaltungen verzichtet. „Wir haben uns bewusst dazu entschieden, in dieser Kampagne keinerlei Veranstaltungen durchzuführen, da wir uns der großen Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen bewusst sind“, betont Hofmann in einer Stellungnahme und verweist auf die finanziellen Nachteile. Bürgermeister Sascha Spielberger (parteilos) bestätigt diese Aussage: „Ich weiß, dass der Verein die Füße stillgehalten hat.“

Der Verein schon. Nicht aber jemand anders, der sich als Denunziant versucht. Beim Ordnungsamt der Gemeinde ist eine Anzeige gegen Kikiriki eingegangen. Wer hinter dieser steckt, ist nicht bekannt. Sie wurde anonym gestellt. Spielberger: „Ich finde es traurig, wenn dies anonym geschieht, weil es dann keinen Rückkanal gibt.“ Als „Beweis“ für die Anschuldigung seien auf der Facebook-Seite des Vereins gepostete Videos angeführt worden. Aber: „Dabei handelt es sich um Zusammenstellungen aus vergangenen Jahren.“

Die Karnevalisten sind nicht die einzigen Adressaten von Anfeindungen und Drohungen. Solche hätten auch die Ausrichter der privaten Feier erreicht, berichtet Spielberger, der ein solches Verhalten kritisiert. Er bedauert aber auch, dass durch die Schließung des Kindergartens und der Schule ab heute bis Mittwoch „erneut die Kleinsten und ihre Eltern leiden“ müssten, obwohl sie nichts dafür könnten.

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Ebenfalls betroffen von der Coronawelle im Blauen Eck ist der Medizintechnik-Hersteller Actimed. Dessen Chef Andreas Schwalb spricht von „sechs Fällen und einigen Mitarbeitern in Quarantäne. Wir haben die betreffende Abteilung am Donnerstag vorsorglich stillgelegt, am Montag wurden nach Absprache mit dem Gesundheitsamt Tests bei 30 Mitarbeitern vorgenommen – alle waren negativ.“ Er sei froh, dass schon vorher „alles, was geht“ zur Vorbeugung unternommen worden sei: „Das ist wohl der Grund, weshalb wir alles schnell im Griff hatten.“

Am Sonntag fand eine Versammlung der „Querdenker“-Szene „mit Autokorso von Fulda nach Freiensteinau“ statt – samt Abschlusskundgebung am Feuerwehrhaus. Die Teilnehmerzahl habe im „unteren zweistelligen Bereich gelegen“, teilt die Polizei mit.

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