Der Bürgermeister von Freiensteinau, Sascha Spielberger, ist besorgt, dass Leute die Geschäfte meiden.
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Der Bürgermeister von Freiensteinau, Sascha Spielberger, ist besorgt, dass Leute die Geschäfte meiden.

Vogelsberg-Gemeinde

Nach Corona-Ausbruch meldet sich Bürgermeister von Freiensteinau zu Wort: „Leute meiden die Geschäfte“

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Freiensteinau ist in den Schlagzeilen. Die Sieben-Tages-Inzidenz hat horrende Ausmaße angenommen. Bürgermeister Sascha Spielberger (parteilos) sorgt sich aber nicht um diese Größe, die in der Corona-Pandemie für Aufmerksamkeit sorgt.

Freiensteinau - Spielberger ist weit davon entfernt, das Coronavirus oder die von diesem ausgelöste Krankheit zu verharmlosen. Allerdings ärgert ihn, dass in manchen Medien die Sieben-Tage-Inzidenz von Freiensteinau zu sehr in den Vordergrund gestellt werde. Der Vogelsbergkreis hat sie kürzlich im Zusammenhang mit einem Covid-19-Ausbruch für das Blaue Eck auf 480 beziffert. Am Montag dieser Woche lag sie sogar bei 630, gestern Mittag bei 450, wie das Gesundheitsamt auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte.

„Mir ist von keiner Gemeinde bekannt, dass die – auf 100.000 Einwohner berechnete – Inzidenzzahlen auf diese runtergerechnet werden. Das ist irreführend. Eine infizierte Person löst bei unserer Einwohnerzahl von 3100 eine Inzidenz von 30 Punkten aus. Wir haben hier große Familien, die zum Glück auch generationenübergreifend in einem Haushalt leben. Da sind schnell solche Zahlen erreicht.“

Bürgermeister von Freiensteinau meldet sich nach Corona-Ausbruch zu Wort: „Leute meiden die Geschäfte“

Trotz der statistisch hohen Inzidenz hätten die Behörden „keineswegs die Kontrolle über die Corona-Pandemie verloren. Wir haben aber ein Hintergrundrauschen, das wir nicht wegkriegen. Es kommt immer wieder einmal zu Infektionen. Daher darf die Pandemie nicht auf die leichte Schulter genommen werden.“

Apropos Kontrolle: In der Vogelsberg-Gemeinde betreut das Gesundheitsamt aktuell 30 aktive Covid-19-Fälle. Die Betroffenen „sowie weitere 21 Personen aus deren Hausständen“ befinden sich laut Kreisverwaltung in Quarantäne, „ferner sind neun enge Kontaktpersonen abgesondert“. Weiter heißt es: „Bei einem Großteil der Fälle ist von einem epidemiologischen Zusammenhang zu den Ausbruchsgeschehen auszugehen.“

Video: Das Corona-Update für Hessen (3. März)

Was die Überwachung der Quarantäne angeht, hat die Gemeinde ihre Mithilfe angeboten. Spielberger: „Wir haben die Leute darauf hingewiesen, dass sie zu Hause bleiben müssen. Das ist aber kein Riesenthema. Die Betroffenen gehen offen mit der Infektion um. Würden sie sich im Dorf blicken lassen, würde hier gleich das Telefon klingeln.“ In den vergangenen Tagen seien einige Fälle aufgetreten, weil sich „relativ viele Personen aus den betroffenen Familien testen ließen“.

Sorgen bereitet dem Rathauschef, dass aus Angst der örtliche Einzelhandel gemieden werde: „Ich bin über diese Hotspot-Diskussion nicht glücklich, weil sich manche Leute nicht in die Läden trauen.“

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