Bundeswehrsoldaten bekommen Anweisungen für ein Manöver.
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Oberst d.R. Willi Dechert (rechts) bei einem Manöver im Vogelsberg. Hier bei der Einweisung von Transport-Hubschrauberpiloten auf dem Flugplatz Wernges bei Lauterbach.

Bundeswehr hilft

Hebloser Willi Dechert: „Einen kleinen Beitrag zur Bewältigung der Corona-Pandemie geleistet“

Auch nach Beendigung seines Dienstes als Berufssoldat der Bundeswehr, hält sich der Hebloser Oberst der Reserve Willi Dechert nach wie vor an die Passage der damaligen Eidesformel: „..der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen..“, und leistet regelmäßig Wehrübungen ab.

Heblos - So hatte er auch dieses Jahr Anfang März eine siebenwöchige Wehrübung in der Generalstabsabteilung 3 im Stab der 10. Panzerdivision (PzDiv) in Veitshöchheim eingeplant. Dechert ist dort mob-beordert und vertritt den Abteilungsleiter.

Mit seinem Dienstantritt kam auch die Corona-Pandemie und damit die Unterstützung der Bundeswehr gemäß Artikel 35 des Grundgesetzes. Auf Abstützung bereits bestehender Führungsstrukturen wurde eine eigens dafür vorgesehene Führungs- und Organisationsstruktur aufgebaut.

Vier regionale Führungsstäbe

Bislang orientierte sich die Führungsstruktur der Bundeswehr für die Amtshilfe im Katastrophenfall an den Bundesländern, die für den Katastrophenschutz zuständig sind: In der Regel sind bisher die so genannten Landeskommandos die Ansprechpartner, übergeordnet das Kommando Territoriale Aufgaben in Berlin, das wiederum dem Inspekteur der Streitkräftebasis (SKB) als Nationalem Territorialen Befehlshaber untersteht.

Da die gesamte Bundesrepublik Deutschland von der Covid-19 betroffen ist wurde mit der Bildung von vier regionalen Führungsstäben eine neue durchhaltefähige Führungsorganisation aufgebaut.

Damit soll die Truppe schneller auf Bitten um Amtshilfe aus den Bundesländern reagieren können.

Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts umsetzen

Unterhalb des Kommandos Territoriale Aufgaben ist die 10. PzDiv als regionaler Führungsstab Süd zuständig für die Länder Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Thüringen und Sachsen. Für das Bundesland Hessen ist die 1. PzDiv in Oldenburg zuständig. Oberst Dechert war während seiner siebenwöchigen Wehrübung zunächst mit dem Aufbau des regionalen Führungsstabes der 10. PzDiv beauftragt und dann als dessen Leiter eingesetzt.

Hauptaufgabe war dabei die Amtshilfeanträge nach Artikel 35 GG zu bearbeiten und dann als Auftrag nach dem Regional-Prinzip an die Truppe weiterzuleiten. Des Weiteren galt es Befehle, Weisungen und Leitlinien der vorgesetzten Kommandobehörden sowie die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts für individuelle Schutzmaßnahmen umzusetzen.

Schichtbetrieb für die Soldaten

Aber nicht nur die Amtshilfeanträge galt es zu bearbeiten, auch für die Auslandseinsätze gab es durch die Corona-Pandemie neue Abläufe und Maßnahmen zu organisieren, die teilweise für jedes Einsatzgebiet verschieden waren. So zum Beispiel wurden die jeweiligen Kontingente vor dem Abflug in Hotels nahe des Flughafens zu einer 14-tägigen Quarantäne untergebracht oder die Maßnahme erfolgte nach der Verlegung direkt im Einsatzland um zu verhindern, dass das Virus in ein fremdes Land eingeschleppt wird. Bei Rückkehr geschah dies durch eine häusliche Quarantäne.

Umgestellt werden in Deutschland auch die Einberufungstermine für die Allgemeine Grundausbildung. „All dieses umzusetzen und trotzdem die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr sicherzustellen ist Aufgabe eines regionalen Führungsstabes“, betonte Oberst Dechert in einem Telefoninterview. In dem Führungsstab seien jeweils zehn Soldaten sieben Tage die Woche und 24 Stunden täglich im Sichtbetrieb einsatzbereit gewesen.

Unterstützung per Covid-19-Teststrecken

Zu den Einsätzen selbst war zu hören, dass als einer der erste, die Versorgung der LKW-Fahrer auf der Bundesautobahn A 4 bei einem 60 Kilometer langem Stau in Richtung Polen gewesen sei. Inzwischen seien Covid-19-Teststrecken beziehungsweise Stationen errichtet und mit Personal und Material unterstützt worden.

Als „Helfende Hände der Bundeswehr“ unterstütze man auch in Alten- und Pflegeheimen. Dabei handele es sich nicht um die Arbeit an Patienten, sondern um Hilfeleistungen wie Essensausgabe, Bettenmachen oder Betreuung der Patienten unter Anleitung des Fachpersonals. Gleiches geschehe auch in den Erstaufnahmelagern.

Grundsätzlich erfolge die Amtshilfe allerdings nur, wenn das zivile Personal nicht ausreiche.

Bis zu 15.000 Soldaten in Bereitschaft

Im Einsatz sei die Bundeswehr bei logistischen Aufgaben, wie dem Transport von benötigten Materialien und der Einlagerung von medizischem Hochwertmaterial in Kasernen.

Mit Stand 28. April seien insgesamt bei den vier regionalen Führungsstäben 445 Amtshilfe-Anträge eingegangen und 210 genehmigt worden. 115 liefen derzeit, 40 seien in Planung und 55 abgeschlossen. Im Einsatz sind derzeit 1500 Soldaten und bis zu 15.000 Soldaten sind in Bereitschaft.

Als Novum bezeichnete Oberst Dechert, die elektronische Lagekarte in Veitshöchheim, die erstmals bei der Darstellung einer Hilfeleistung zum Einsatz kam.

Erster Einsatz in einer Pandemie

Von unten aufwachsend sei sie ein neues Führungs- und Informationssystem zur Lagedarstellung. Das Lagezentrum selbst habe bisher hochrangige Besucher aus der Bundeswehr, wie den Generalinspekteur der Bundeswehr, den Inspekteur des Heeres und den Nationalen Territorialen Befehlshaber/Inspekteur der Streitkräftebasis, die sich im Rahmen ihrer Dienstaufsicht über die Abläufe im Regionalen informiert haben, gehabt. Aus der Politik informierten sich der Staatssekretär aus dem Verteidigungsministerium und lokale Politiker über die Arbeit der neuen Führungs- und Organisationsstruktur.

Willi Dechert zeigte sich abschließend erfreut, einen kleinen Beitrag zur Krisenbewältigung geleistet zu haben: „Der Einsatz war sehr spannend, da wir bisher keinerlei Erfahrung mit einer Pandemie hatten“. Bei Hochwassereinsätzen sei die sogenannte Scheitelwelle voraussehbar, bei einer Pandemie aber nicht. / Dieter Graulich

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