Das Interesse an der Corona-Impfung hat im Impfzentrum im Vogelsberg zuletzt merklich nachgelassen.
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Das Interesse an der Corona-Impfung hat im Impfzentrum im Vogelsberg zuletzt merklich nachgelassen.

Erst fehlte Vakzin, dann Leute

Corona-Impfzentrum im Vogelsberg schließt am 30. September - 1000 Impfungen pro Tag nie erreicht

Der letzte Tag im Corona-Impfzentrum im Vogelsberg wird der 30. September 2021 sein. Dann schließt es. Die 1000 Impfungen, für die Hessenhalle in Alsfeld ausgelegt sein musste, wurden an keinem einzigen Nutzungstag erreicht.

Alsfeld - Es ist ein ernüchterndes Bild, das sich in der Hessenhalle in Alsfeld im Vogelsbergkreis bietet. Zwei Leute stehen an der Anmeldung, drei sitzen im Wartebereich, vor den Impfkabinen ist gerade gar niemand zu sehen. „Alles sehr überschaubar“, wird Dr. Erich Wranze-Bielefeld in einer Pressemitteilung des Vogelsbergkreises zitiert.

Wranze-Bielefeld schaut von der Empore aus auf „sein“ Corona-Impfzentrum. In seinem Blick liegt Wehmut – zum einen, weil die Tage des Impfzentrums gezählt sind, zum anderen, weil auch an diesem Tag wieder nur ganz wenige den Weg in die Hessenhalle finden, um sich die Schutzimpfung gegen das Corona-Virus abzuholen.

Corona-Impfzentrum im Vogelsberg schließt - 1000 Impfungen pro Tag nie erreicht

Das war einmal ganz anders. Es gab Phasen, in denen der Corona-Impfstoff denkbar knapp war. Jeder „Priorisierte“ wurde neidisch beäugt, weil er die rettende Spritze bekam. Es gab Phasen, da war richtig was los in der Halle im Vogelsberg, die Menschen saßen Schlange vor den Impfkabinen, Tag für Tag wurden mehrere Hundert Spitzen verimpft.

Und es gibt seit Juli die Phase, in der die Impfbereitschaft der Menschen merklich zurückgeht, obwohl jetzt endlich ausreichend Corona-Impfstoff zur Verfügung steht. Erich Wranze-Bielefeld hat diese Phasen hautnah miterlebt. Als ärztlicher Leiter hat er mit seinem Team die größte Impfaktion in der Geschichte der Bundesrepublik im Vogelsberg umgesetzt.

„Es war eine außergewöhnliche Situation und es war eine außergewöhnliche Zeit“, erinnert der Mediziner noch einmal an die vergangenen Monate. Von einer „noch nie dagewesenen Marathonaufgabe“ hatte Vogelsberg-Landrat Manfred Görig (SPD) bereits am Jahresanfang gesprochen, als er die neuen Mitarbeiter im Corona-Impfzentrum begrüßt hatte.

Wie Recht er damit haben sollte. Wobei: Der Ablauf im Zentrum im Vogelsberg klappte wie am Schnürchen, es waren die frustrierenden Wochen des Wartens, die an den Nerven zehrten. Erst dauerte es mehr als zwei Monate, bis überhaupt geöffnet werden durfte, dann fehlte der Corona-Impfstoff.

In nicht einmal drei Wochen hatte sich die Hessenhalle in Alsfeld im Vogelsberg in ein medizinisches Corona-Zentrum verwandelt.

Ein Sprinter, kein Lastwagen, fährt am zweiten Weihnachtstag, am 26. Dezember 2020, vor die Halle und bringt die ersten Dosen des begehrten Impfstoffs. „Es war lächerlich, es war so wenig“, erinnert sich Dr. Erich Wranze-Bielefeld. „Ein Karton, etwa 50 mal 50 Zentimeter groß, mehr wurde nicht ausgeladen. Und darin – umgeben von Trockeneis - ein kleines Häufchen Vakzin.“

Auf der anderen Seite: Es war auch ein beeindruckender Moment, erstmals die Glasfläschchen zu sehen. „Das ist das Zeug, das uns retten wird“, so der spontane Gedanke von Waldemar Kuhn, im Vogelsberg-Impfzentrum in der EDV tätig, in diesem Augenblick. Einen Tag später werden die ersten Vogelsberger gegen Corona geimpft. Im Altenheim. Mobile Teams fahren in den folgenden Wochen in die Pflegeeinrichtungen, um die alten Menschen und die Pflegekräfte zu impfen.

Gleichzeitig laufen im Impfzentrum in der Hessenhalle im Vogelsberg die ersten Corona-Sonderimpfungen – beispielsweise für ärztliches Personal und Pflegekräfte aus den Krankenhäusern oder für Mitarbeiter des Rettungsdienstes - an. Man hat Zeit, die Abläufe durchzuspielen und zu optimieren. Und so hat das lange Warten auf die Öffnung fast schon etwas Gutes an sich.

Corona im Vogelsberg: 1000 Impfungen pro Tag nie erreicht

Es dauert bis zum 9. Februar, dann öffnen sich die Türen der Hessenhalle. Endlich kann geimpft werden – wenn auch nur in überschaubarer Menge. Der Corona-Impfstoff fehlt. Jeden Monat wird mehr versprochen, jeden Monat gibt es Ankündigungen, dass die Zuteilung aufgestockt wird. „Im April haben wir extra noch einmal das Personal aufgestockt, um das Zentrum unter Volllast laufen zu lassen“, sagt Dr. Wranze-Bielefeld.

Doch die von Berlin versprochenen Impfstoffmengen treffen nicht ein., schreibt der Kreis. Die 1000 Corona-Impfungen, für die das Zentrum ausgelegt sein musste, werden nie erreicht, teilt der Landkreis mit.. „Wir hätten im normalen Tagesablauf sogar 1200 Menschen impfen können, wenn wir die Öffnungszeit ein wenig ausgeweitet hätten, sogar 1500 an nur einem Tag“, schildert Wranze-Bielefeld.

Immerhin: Im späten Frühjahr läuft es laut dem Vogelsbergkreis besser. Es gibt mehr Corona-Impfstoff. Die Priorisierung wird peu à peu aufgehoben. Im Impfzentrum ist richtig Betrieb, berichtet der Landkreis: Der 13. Juni ist der Rekord-Tag mit insgesamt 844 Impfungen (lesen Sie hier mehr im Newsticker: Corona im Vogelsberg - Inzidenz stagniert am Montag).

Das Corona-Impfzentrum im Vogelsberg - ein Rückblick:

23. November 2020: Gegen 11 Uhr trifft der Einsatzbefehl des Landes ein, ein Impfzentrum zu errichten, in dem täglich 1000 Impfungen möglich sein können. Bis zum 11. Dezember muss es stehen. Die Hessenhalle in Alsfeld wird ausgewählt.

26. November 2020: Nach nur drei Tagen steht die Planung. Herzstück des Zentrums sind die acht Impfkabinen.

10. Dezember 2020: Das Impfzentrum steht. Doch es ist noch kein Impfstoff da.

27. Dezember 2020: Der erste Vogelsberger bekommt seine Corona-Schutzimpfung – allerdings nicht im Impfzentrum, sondern im Altenheim.

19. Januar 2021: Der Impfstoff ist knapp. Das Impfzentrum darf noch nicht öffnen. Nur sechs regionale Zentren in Hessen dürfen starten. Der Vogelsberg wird dem regionalen Zentrum in Fulda zugeordnet. Über 80-Jährige in der Priorisierungsgruppe 1 können sich dort ihre Schutzimpfung geben lassen.

9. Februar 2021: Das Impfzentrum öffnet. Die erste Spitze bekommt eine 91-Jährige aus der Gemeinde Anrifttal.

28. Juli 2021: Nun steht fest, dass das Impfzentrum am 30. September 2021 schließen wird. Am 29. September um 15 Uhr wird die letzte Spitze verimpft werden.

30. September 2021: Der letzte Tag im Impfzentrum in Alsfeld, das wie alle anderen in Hessen schließen muss.

„Ich möchte dem gesamten Team ein großes Lob aussprechen, die Marathonaufgabe wurde bestens gelöst“, zieht Landrat Manfred Görig ein positives Fazit, was ihm auch viele Besucher des Corona-Impfzentrums immer wieder bestätigt haben. „Wir hatten an den entscheidenden Positionen Mitarbeiter, auf die man sich 100prozentig verlassen konnte“, ergänzt Wranze-Bielefeld.

Das Impfzentrum des Vogelsberges macht hessenweit Schlagzeilen. Etwa mit der Aktion „Impfspringer“, bei der man sich online direkt einen Termin in der Hessenhalle buchen kann. Die Aktion offenbart aber auch: Das Interesse an der Impfung lässt wie überall in Deutschland mehr und mehr nach. Sind es anfangs nur wenige, die ihren Impftermin schwänzen, nimmt die Zahl stetig zu.

Video: Das Impfzentrum in Fulda öffnet - Corona-Schutzimpfungen starten

Ende Juni/Anfang Juli ist endlich genügend Corona-Impfstoff da – aber nun fehlen die Leute im Impfzentrum im Vogelsberg. Das Team des Impfzentrums bietet eine Reihe von Sondertermine an, die gut angenommen werden. Zuletzt gibt es Termine in der Fläche, so wird in Schotten, in Schlitz, in Lauterbach, in Grebenhain und sogar auf dem Fealler Bauernmarkt geimpft.

In der Hessenhalle, im Corona-Impfzentrum im Vogelsberg, ist indes im September kaum noch etwas los. Etwa 100 Impfungen werden dort noch in den letzten Tagen vor der Schließung am 30. September durchgeführt. Die Stimmung ist gedrückt. Man hat den Rückbau schon fest im Blick. Bis 15. Oktober muss der erledigt sein.

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