Menschen, die als geheilt entlassen wurden, bedanken sich bei ihren Ärzten und dem Pflegepersonal. / Foto: privat

Corona-Krise in Südindien: „Schlimmer als die Flutkatastrophen”

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

KERALA (INDIEN)/VOGELSBERG - Ein Jahr lang war Joshy John als weltwärts-Praktikant in Alsfeld. Seit einigen Monaten bereits ist der junge Inder wieder zurück in seiner Heimat East Kerala; mit der Diözese East Kerala in Südindien sind die Dekanate Büdinger Land und Vogelsberg in einer Kirchenpartnerschaft verbunden.

Von Traudi Schlitt

Auch die Region Kerala wurde von dem Corona-Virus nicht verschont – die Nachrichtenlage aus Indien ist nicht weniger besorgniserregend als aus vielen anderen Teilen der Welt. Kerala ist eine der am meisten von Covid 19 betroffenen indischen Regionen, wie Joshy John vor wenige Tagen berichtete.

„Es ist weltweit eine dramatische Situation – die Menschen leiden überall, auch in Kerala“, so John in einer E-Mail, die das Evangelische Dekanat Vogelsberg erreichte. „Derzeit haben wir 378 Infizierte, mehr als 110.000 Menschen werden in häuslicher Quarantäne oder Quarantäneeinrichtungen überwacht und bisher sind drei Tote zu beklagen.“

Dreiwöchiger Lock Down

Der erste Covid-19-Erkrankte wurde am 30. Januar bekannt, Woche für Woche steigen die Zahlen, nicht zuletzt durch Einreisende aus China oder Italien, wie John berichtet. Anfang März wurde die Bedrohung durch Covid 19 zur Staatsangelegenheit erklärt und strenge Maßnahmen eingeleitet, insbesondere an den Flughäfen und Grenzen.

So müssen Menschen mit Symptomen direkt vom Flughafen in Quarantänestationen, Rückreisende ohne Symptome müssen sich in eine 14-tätige häusliche Quarantäne begeben. Als ein Grund, warum sich gerade in Kerala das Virus stärker als in anderen Regionen ausbreiten konnte, gibt John Falschinformation von Rückkehrern an, auch hätten sich Personen nicht an die Quarantäne und die Kontaktsperre gehalten. Am 22. März verhängte der Staat über ganz Indien einen dreiwöchigen Lock Down.

Täglicher Überlebenskampf

„Dieser hat sich besonders auf die Armen und die Mittelschicht ausgewirkt“, so John: Insbesondere Tagelöhner bekommen nun keine Arbeit und kein Geld mehr, sodass sie und ihre Familien Hunger leiden. „Auch unsere Diözese ist in einer kritischen Situation“, berichtet der engagierte junge Mann, „da sie versucht, ihren Mitgliedern beim täglichen Überlebenskampf beizustehen; allerdings sind die meisten Kirchen ebenfalls arm.“

John berichte von vielen Menschen in seiner Region, die auf den Tee-Plantagen oder als Tagelöhner arbeiten, und nun ohne Einkommen sind. So gut es geht, versucht die Kirche, Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen und medizinische Hilfe bereitzustellen – insbesondere für chronisch kranke Menschen.

Kirche fühlt sich verantwortlich

Da die Kirchen jedoch auch geschlossen sind, ist es für die Geistlichen schwierig, Kontakt zu den Gemeindegliedern zu halten – und ein Einkommen haben sie daher auch nicht. „Für uns ist das viel schlimmer als die Flutkatastrophen im letzten und vorletzten Jahr“, resümiert John, „da fast alle Menschen von dem Ausbruch des Virus betroffen sind. Unsere Kirche fühlt sich für sie verantwortlich und ich bete, dass wir und alle Menschen auf der Welt diese Katastrophe gut überstehen.“

  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren