Annika Keidel und Jana Günther präsentieren den Prototyp des „Archivs des Merkwürdigen“, einen roten Holzschrank, der auch Musik macht.
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Annika Keidel und Jana Günther präsentieren den Prototyp des „Archivs des Merkwürdigen“, einen roten Holzschrank, der auch Musik macht.

Kulturerlebnisse in Corona-Zeiten

„Das Archiv des Merkwürdigen“: Kunstprojekt von Annika Keidel und Jana Günther in Schlitz

  • Bernd Götte
    vonBernd Götte
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Kunst ist derzeit nur schwer erreichbar. Da liegt es nahe, dass die Kunst ins Haus oder zumindest in den Vorgarten kommt. Ein Projekt der Schlitzer Künstlerinnen Annika Keidel und Jana Günther macht es möglich. 

Schlitz - Ein roter, sprechender Schrank taucht plötzlich vor der eigenen Haustür auf und fragt nach merkwürdigen Geschichten. Wenn man sich dem Schrank nähert, ertönt zauberhafte Musik, die an Tschaikowskys Ballettstück „Die Zuckerfee“ erinnert. Der Archivschrank des Projektes „Das Archiv des Merkwürdigen“, macht Kulturerlebnisse auch in Zeiten der Corona-Pandemie für Familien möglich. Ein zugegeben etwas sperriges Format, aber die Initiatorinnen Annika Keidel und Jana Günther erleben gerade, dass es in Schlitz funktioniert. (Lesen Sie hier: Geflügelpest bei totem Silberreiher im Vogelsberg nachgewiesen - Stallpflicht ab Freitag).

Zwei Familien aus Schlitz und Hutzdorf machen bei dem Projekt schon mit, wie die beiden Künstlerinnen erklären. „Wir haben zunächst in unserem kulturellen Umfeld geguckt, wer dafür vielleicht infrage kommt“, berichtet Keidel. Bei dem „Archiv des Merkwürdigen“ geht es darum, Dinge, die Menschen im Wortsinne des Merkens würdig sind, aufzuzeichnen und diese in künstlerisch überarbeiteter Form an die Außenwelt weiterzugeben. Dabei kann es auch über das staunen über ganz alltägliche dinge gehen. Annika Keidel verdeutlicht dies anhand der Fragen eines dreijährigen Jungen, der sich wunderte, warum die Sterne nur bei Nacht leuchten. Dazu hat das Kind ein Bild gemalt, das jetzt las „Leihgabe“ einen Platz im „Archiv des Merkwürdigen“ findet.

Schlitz: Kulturerlebnisse in Corona-Zeiten - Kunstprojekt von Annika Keidel und Jana Günther

Mit ihrem fahrbaren Archivschrank stellen sich die Künstlerinnen vor die Haustür von Bürgern, und oft verstecken sie sich zunächst, um die Reaktionen der Menschen abzuwarten. Dann werden die Leute befragt, ob sie etwas Merkwürdiges beizutragen hätten. „Wir wollen den Blick für Alltagssituationen schärfen. Im Grunde ist alles merkwürdig“, erläutert Keidel. Durch den Schrank sollen die Beteiligten in eine eigene Welt entführt werden, ergänzt Günther, die märchenhafte Darbietung mit einem roten, mit nostalgisch anmutenden Gegenständen in den Regalen trage dazu bei. Das Spannende sei, dass die Künstlerinnen vorher nicht wissen, was ihnen an den jeweiligen Stationen erzählt werde.

Das gesammelte Material wird dann von Keidel und Günther noch einmal künstlerisch umgeformt, sei es in Form eines Kurzfilmes, Hörspiels oder auch Buches. Die Familien werden während dieses Prozesses stets auf dem Laufenden gehalten, was mit ihren „leihgaben2 geschieht. Dann wird dieses bearbeitete Archivstück mit einem kleinen Archivschrank an die jeweilige Familie zurückgegeben, die diesen dann auf ihrem Grundstück aufstellen kann. Und dies nicht für sich alleine, sondern Passanten sollen die Kunstschnipsel ebenfalls bewundern können. Wer sich die kleinen Archivschränke und deren Inhalte online oder live ab Mitte April in Schlitz ansehen will, kann sich unter archiv-des-merkwuerdigen.jimdosite.com melden.

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