Im Landgasthof Porta in Pfordt ist Wirt Heinz Riepl für Gäste gewappnet. Doch euphorisch ist er nicht.
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Im Landgasthof Porta in Pfordt ist Wirt Heinz Riepl für Gäste gewappnet. Doch euphorisch ist er nicht.

Regeln wurden gelockert

Corona im Vogelsberg: Außengastronomie und Campingplatz dürfen wieder öffnen - doch es gibt auch Kritik

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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  • Bernd Loskant
    Bernd Loskant
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Die Inzidenzzahlen sinken – in immer mehr Kommunen gelten die Regeln der Bundesnotbremse deshalb nicht mehr. Auch im Vogelsbergkreis ist seit Montag ein Stück Normalität zurück. Doch richtig glücklich sind nicht alle.

Schlitz/Nieder-Moos/Fulda - Es hätten schöne Bilder werden können: Schlitz, eine der hessischen Vorzeigekommunen, kehrt zur Normalität zurück. Menschen im Vogelsberg, die in großer Zahl nach sechs Monaten Abstinenz wieder fröhlich in der Sonne an einem Restauranttisch sitzen und ein Bier genießen, wieder in Hotels übernachten können und ins Fitnessstudio gehen.

Doch zumindest bei den meisten Gastronomen herrschte am Montag ganz Corona-Pandemie-mäßig „business as usual“, von Aufbruch war wenig zu spüren. Das lag natürlich am Wetter, das so kühl und nass war wie selten an einem 17. Mai und keinen Hund hinterm Ofen hervorlockte. Da der Montag aber auch klassischer Ruhetag vieler Wirte ist, sahen diese keinen Anlass für Sonderschichten – zumal die Öffnungsbedingungen nicht gerade Anlass zu Euphorie geben. (Lesen Sie hier: Mit dem Corona-Ticker für den Vogelsberg bleiben Sie auf dem Laufenden)

Corona im Vogelsberg: Außengastronomie darf wieder öffnen - Gastronom übt Kritik

Heinz Riepl, Inhaber des Landgasthofs Porta in Pfordt, warf immerhin schon mal die Zapfanalage an, zeigte sich ansonsten aber eher wenig optimistisch. „Die ganze Regelung ist sehr ungünstig“, erklärte der Wirt gegenüber dem „Schlitzer Boten“. Was er meint: Zunächst darf er nur vollständig geimpfte, genesene oder getestete Gäste bedienen – und dann auch nur draußen im Außenbereich.

„Da stehen noch Kämpfe bevor“, sagte Riepl mit Blick auf Diskussionen, zu denen es seiner Meinung nach kommen wird. Und noch komplizierter wird es für ihn und sein Personal, wenn die Inzidenzzahlen nun beständig unter 100 bleiben oder gar unter 50 sinken: Dann darf er auch drinnen öffnen, allerdings nur für Getestete, Genesene oder Geimpfte – während draußen kein Test-, Impf- oder Genesenennachweis Pflicht ist. Was das dann wohl für die bedeutet, die draußen sitzen, keinen Test oder Impfpass haben und den Gastraum betreten müssen, um aufs stille Örtchen zu gelangen?

Lockerungen im Kreis Fulda noch nicht in Sicht - Öffnet Außengastronomie im Main-Kinzig-Kreis bald?

Das sind gleichwohl Luxusprobleme, von denen mancher Gastronom im Landkreis Fulda nur träumt. Sollte die Inzidenz diese Woche dort unter 100 fallen (was längst noch nicht absehbar ist), müsste der Wert erst fünf Werktage stabil unter 100 bleiben, damit Lockerungen wie aktuell im Vogelsberg in Kraft treten. Vor Anfang Juni ist damit also kaum zu rechnen.

In diesen Kreisen in Hessen gibt es bereits Lockerungen

So wie im Vogelsbergkreis wurde am Montag in folgenden Kreisen in Hessen gelockert: Rheingau-Taunus, Darmstadt-Dieburg, Hochtaunus, Wetterau sowie in der Stadt Darmstadt. Damit gelten unter anderem auch keine nächtlichen Ausgangsbeschränkungen mehr, außerdem dürfen Geschäfte weiter nach dem Click-and-Meet-Prinzip öffnen und Kosmetikstudios wieder ihre Dienste anbieten. Nach der Auflistung des Landes Hessen gelten derzeit aber noch für 20 Kreise und kreisfreie Städte keine Lockerungen nach dem hessischen Stufen-Plan, weil die Bedingungen noch nicht erfüllt sind.

Im Main-Kinzig-Kreis sieht es schon etwas besser aus: Dort ist die Inzidenz seit Montag unter 100, so dass die Außengastronomie – wenn die Situation so bleibt – schon zum Pfingstwochenende oder kurz danach öffnen könnte.

Campingplatz sehr gefragt - Touristen dürfen wieder am Nieder-Mooser See übernachten

Auch auf dem Campingplatz Nieder-Mooser-See ist die Lockerung der Corona-Regeln ebenfalls mit einer langen Liste Auflagen verbunden*– und diese sorgen bei vielen Campern für Unmut, den sie dann an den Bediensteten des Campingplatzes auslassen. Darüber berichtete auch fnp.de. Dabei haben diese selbst mit der Umsetzung zu kämpfen. Daniel Heitzenröder – neben seinem Bruder Thomas und Mutter Maria einer von drei Geschäftsführern des Unternehmens: „Grundsätzlich stehen wir hinter den Corona-Maßnahmen. Wir sind aber enttäuscht von den Politikern, dass sie zu wenig auf die Leute der Praxis eingehen.“

Konkret geht es ihm um die Pflicht, dass jeder Camper sowohl bei der Ankunft als auch während des Aufenthalts zweimal pro Woche einen Schnelltest vorlegen muss. Heitzenröder: „Ich muss ein bis zwei Personen einstellen, die das kontrollieren oder Selbsttests hier vor Ort beaufsichtigen. Uns ist noch nicht klar, wie wir das organisieren können. Das Gesundheitsamt unterstützt uns so gut es geht. Dennoch haben wir einen extrem hohen Verwaltungsaufwand, während die Einnahmen sinken.“

Daniel Heitzenröder hat trotz Corona Zukunftspläne für den Campingplatz am Nieder-Mooser See.

Tatsächlich darf er nur 60 Prozent der Stellplätze vergeben. Immerhin. Denn bis zum gestrigen Montag waren auch diese gesperrt. Dabei geht es um die etwa 150 Touristenplätze, also für Urlauber reservierte. In Nieder-Moos gibt es zudem 450 Plätze für Dauercamper. Diese waren von den Einschränkungen bislang kaum betroffen – die Schnelltestpflicht gilt aber auch für diese Stammgäste. Dass derzeit Tagesbesucher, die Strand und See nutzen wollen, noch nicht kommen dürfen, hat angesichts der Wetterverhältnisse keine so großen Auswirkungen.

Video: Freiheiten schon nach der ersten Corona-Impfung so wie in Österreich?

Camper dagegen lassen sich von Wolken, Wind und Regen nicht abschrecken. Sie wollen offenbar nur raus in die Natur. Heitzenröder: „Wir haben viele Anfragen. Mit touristischen Übernachtungen wären wir auch in der Nebensaison schon ganz gut gebucht. Am langen Wochenende waren wir komplett ausgebucht und mussten vielen Interessenten absagen.“ Seine Mitarbeiterin Carmen Weber spricht von einem höheren Buchungsaufkommen als in normalen Jahren: „Wir bekommen täglich etwa 50 Anfragen per E-Mail und weitere 20 am Telefon.“ *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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