Corona-Impfung im Vogelsberg: Selten haben sich Menschen so auf eine Spritze gefreut wie heute.
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Selten haben sich Menschen so auf eine Spritze gefreut wie heute.

Telefone stehen nicht still

Corona im Vogelsberg: Hausärzte im Impfstress - Umfrage unter Medizinern in Schlitz

  • Bernd Götte
    vonBernd Götte
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Der Impfdruck wächst: Nachdem die Bundesregierung die Priorisierung bei den Impfungen weitgehend aufgehoben hat, stehen bei Hausarztpraxen oft die Telefone nicht still. Der Drang zur neuen Freiheit durch Impfung ist zu spüren. 

Schlitz - Sergej Klimin hat viel zu tun, kommt aber dank einer straffen Organisation gut hinterher. „Wir impfen nur Astrazeneca“, erklärt der Allgemeinmediziner aus dem Vogelsbergkreis. Allerdings könne er pro Woche nur eine bestimmte Menge Corona-Impfstoff bestellen, und neben Impfungen stehen ja auch noch andere Behandlungen an. Deswegen hat er den Donnerstag zum Impftag erklärt, wo er von 9 bis 19 Uhr nichts anderes tut, als die Spritze zu setzen. Er kritisiert die anfängliche Maßgabe, dass der Abstand zwischen zwei Impfungen zwölf Wochen betragen solle. Klimin versucht die Impfabstände kürzer zu halten. (Lesen Sie hier: Corona-Impfung für Sommer-Urlaub: KV Hessen startet Impfaktion mit Astrazeneca)

Auf seiner Warteliste befänden sich derzeit 200 Impfwillige, und Fälle, dass sich jemand vordrängen wollte, seien bei ihm noch nicht vorgekommen. Zudem achtet er vorrangig auf medizinische Notwendigkeiten, wenn ein junger Mensch eine chronische Krankheit hat oder ihm eine längere ärztliche Behandlung bevorsteht, wird dieser bei der Impfung vorgezogen. Solche Fälle sind aber selten. Von den 46 Personen, die in der vergangenen Woche von Klimin geimpft worden seien, seien lediglich zwei unter 60 gewesen.

Corona im Vogelsberg: Hausärzte im Impfstress - Umfrage unter Medizinern in Schlitz

„Es ist ein Limit erreicht. Wir können nicht soviel impfen, wie wir gerne wollten“, erklärt Dr. Manfred Maasz. Der Mediziner hat über 200 Patienten auf der Warteliste, die größtenteils mit Biontech und wenige mit AstraZeneca geimpft werden wollen. Die Bearbeitung von Anfragen, die individuelle Aufklärung und die Koordination der Impfungen nehmen allein schon viel Zeit in Anspruch, seine Sprechstundenhilfe baue gerade heftig Überstunden auf.

Zwischen 30 und 40 Leute kann er pro Woche in seiner Praxis impfen. Hinzu kommt, dass Dr. Maasz nicht nur die Bewohner von Sassen und Richthof impft, sondern auch in ähnlichen Einrichtungen wie Altenschlirf-Stockhausen und Hofgut-Hausen für den Coronaschutz der dortigen Bewohner und Mitarbeiter gesorgt hat. „Das hat auch den 1. Mai und manch anderen Samstag gekostet“, berichtet der Mediziner.

„Bei uns haben sich bisher lediglich zwei Patienten gemeldet, die sich nun ohne Priorisierung mit AstraZeneca impfen lassen wollen“, berichtet der Arzt Klaus Böcker. Etwas besorgt blickt er auf Montag, wenn vielleicht alle Impfstoffe für alle freigegeben werden. „Dann werden wir möglicherweise eine Flut an Anfragen haben, und dann werden wir am Telefon auch sehr deutlich werden müssen“, prognostiziert der Allgemeinmediziner. (Lesen Sie hier: Mit dem Corona-Ticker für den Vogelsberg bleiben Sie auf dem Laufenden)

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