In Corona-Zeiten wollen viele eine Sauna kaufen: Hersteller erleben einen regelrechten Boom (Symbolfoto).
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In Corona-Zeiten wollen viele eine Sauna kaufen: Hersteller erleben einen regelrechten Boom (Symbolfoto).

Boom für Saunalux

Sauna kaufen in Corona-Zeiten: Hersteller aus der Region kommt mit der Produktion kaum hinterher

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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„Wir könnten – vorsichtig geschätzt – 50 Prozent mehr verkaufen“, sagt Hao Jin und verweist auf Fachkräftemangel und Probleme bei der Materialbeschaffung. Der in Lauterbach lebende Chinese ist Geschäftsführer des im Grebenhainer Ortsteil Nösberts-Weidmoos ansässigen Sauna-Herstellers Saunalux. 

Grebenhain - Der Sauna-Markt boomt. Zig Millionen Deutsche gehen regelmäßig in den hölzernen Schwitzkasten – gerne in eine öffentliche Sauna. Diese sind während der Corona-Pandemie jedoch geschlossen, was immer mehr Menschen veranlasst, sich den Traum von einer Sauna in den eigenen vier Wänden zu erfüllen.

„Niemand kann jetzt in Urlaub fahren und dort Geld ausgeben. Daher machen es sich die Menschen zuhause schön. Sie renovieren – und leisten sich für das gesparte Geld eine Sauna“, fasst Hao Jin, Geschäftsführer von Saunalux in Grebenhain (Vogelsbergkreis), zusammen. Bei Preisen ab etwa 5000 Euro für eine Standardkabine und bis zu 30.000 Euro und mehr für individuelle Anfertigungen keine günstige Anschaffung.

Sauna-Boom wegen Corona: Hersteller Saunalux (Grebenhain) badet in Aufträgen

Die Folgen beschreibt Isabell Wißner, Assistentin der Saunalux-Geschäftsführung, die demnächst Prokura erhalten soll, so: „Unsere Ausstellung ist fast leer. Es wurden nicht nur die ausgestellten Saunen gekauft, sondern auch ältere Kabinen, die wir auf Lager hatten. Auch aus unserem Showroom in Frankfurt wurden einige verkauft.“

Hintergrund ist, dass die Kunden ungern ein halbes Jahr auf eine Sauna warten wollen. Der Geschäftsführer kann das gut nachvollziehen: „Wenn ich nicht hier wäre, könnte ich nicht verstehen, warum man sechs Monate auf eine Saunakabine warten muss.“ Jin sagt: „Vor Corona lag die Lieferzeit für eine Sauna bei sechs bis acht Wochen. Jetzt sind es 25 Wochen. Selbst Autos haben kürzere Lieferzeiten.“

Doch das Problem lasse sich nicht so leicht lösen: Saunalux will gerne seine Mitarbeiterzahl von gut 60 Personen weiter aufstocken. Es sei jedoch schwer, jemanden zu finden. „Wir machen die Holzarbeiten. Dabei gibt die Personalstärke die Kapazität vor. Aber die Lieferanten von Öfen und der Steuerungen können nicht liefern. Sonst hätten wir den letztes Jahr stabilen Umsatz von sechs Millionen Euro steigern können“, sagt Hao Jin.

Video: Wellness in der Corona-Zeit? - Das Sauna-Zelt

Und seit Jahresbeginn sei ein weiteres Thema hinzu gekommen: Die Lieferanten nutzen ihre Marktmacht zu Preiserhöhungen. „Fast alle Lieferanten haben im letzten Monat ihre Preise um 10 bis 15 Prozent angehoben. Vorher waren es vielleicht 2 bis 3 Prozent im Jahr“, sagt der 32-jährige Sanunalux-Manager. „Wir müssen zahlen, sonst wird nicht geliefert – das gilt auch für schon laufende Aufträge“, ergänzt Wißner. Zum Ausweichen gebe es „nicht viele Optionen“.

Saunalux wurde 1968 von Karl Schneider gegründet, wechselte später mehrfach die Eigentümer und kam schließlich in den Besitz der chinesischen Leking Group, die Hao Jin als „meine alte Firma“ bezeichnet. Er selbst führt das Vogelsberger Unternehmen seit neun Jahren, lebt in Lauterbach.

Das Produktionsgebäude der Firma Saunalux im Grebenhainer Ortsteil Nösberts-Weidmoos prägt das Ortsbild des kleinen Vogelsbergdorfes.

Seine in Hefei lebende Familie – Frau und drei Kinder – sieht er nur selten. 2020 machte ihm Corona einen Strich durch seine Besuchsabsichten: „Ich hatte vor, fünf- oder sechsmal für zwei Wochen nach China zu fliegen. Da ich aber jedes mal zwei Wochen in Quarantäne gemusst hätte, machte das keinen Sinn“, erläutert er.

Grebenhain: Saunalux-Manager Hao Jin vom „sozialistischen Deutschland“ überrascht

Leking, ein Hersteller von in China beliebten Infrarotkabinen, habe Saunalux aus strategischen Gründen erworben, als das Unternehmen auf dem Markt war: „Made in Germany hat in China einen guten Namen und wir suchten eine Premiummarke.“ Inzwischen habe er einen „tiefen Einblick gewonnen, kenne die Leute sowie die Mentalität und Kultur der Vogelsberger“.

Saunalux-Geschäftsführer Hao Jin und Assistentin und künftige Prokuristin Isabell Wißner in der Fertigung des Unternehmens.

Diese seien im Vergleich zu seinen Landsleuten bodenständiger, was die Treue zur Firma angeht. An manche Begebenheiten hat sich der Saunalux-Manager noch nicht gewöhnt. Er spricht davon, dass Deutschland „sozialistischer als ich gedacht habe“ sei. Er meint damit in erster Linie das Arbeitsrecht und die Rechte seiner Mitarbeiter gegenüber der Firma.

„Wie die Arbeitnehmer zu behandeln sind, wo die Grenzen sind – das ist hier ganz anders. In China kann man manches tun, was hier nicht geht.“ Hao Jin nimmt diese Situation an, die alle Firmen betreffe. Und: „Diese Herausforderung ist für mich mit das Wichtigste.“

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