Eine Mitarbeiterin am Institut für Virologie der technischen Universität München (TUM) bereitet Proben von Menschen mit Covid-19-Verdacht in einem Labor für die weitere Analyse vor. Im Labor werden Proben mit Viren untersucht.
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Corona-Testungen finden im Vogelsbergkreis künftig nicht mehr im KV-Testcenter in Alsfeld statt. (Symbolbild)

Aufregung um Corona-Tests

Konflikt zwischen KV Hessen und dem Vogelsbergkreis: Corona-Tests ab Montag in zwei Krankenhäusern

Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) weist die Kritik des Landrats des Vogelsbergkreises entschieden zurück: Für die Vorwürfe, dass es an einem Labor zu falschen Ergebnissen bei Corona-Tests komme, bestehe kein Anlass. Das wiederum will der Landkreis so nicht stehen lassen - und verlegt die Tests in andere Krankenhäuser.

  • Der Vogelsberger Landrat Manfred Görig und Gesundheitsdezernent Dr. Jens Mischak haben der Kassenärztlichen Vereinigung vorgeworfen, dass ein von ihr eingesetztes Labor Corona-Tests fälschlich als positiv ausgewertet hat.
  • Die KV Hessen wehrt sich gegen diese Vorwürfe und wirft der Kreisspitze „medizinische Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit" vor.
  • Der Landrat reagierte nun und sagte, dass sich auf die Hinweise des Vogelsbergkreises niemand gemeldet habe. Testungen sollen ab Montag im Kreiskrankenhaus Alsfeld und im Eichhof-Krankenhaus Lauterbach stattfinden.

Update 25. Juni, 16 Uhr: Der Vogelsbergkreis hat bekanntgegeben, dass die Corona-Testungen ab Montag im Kreiskrankenhaus in Alsfeld und im Eichhof-Krankenhaus in Lauterbach durchgeführt werden. Das gab Landrat Manfred Görig am Donnerstag in einer Pressemitteilung bekannt. Die Anmeldung für eine Testung läuft über das Gesundheitsamt Vogelsbergkreis unter der Nummer (06641) 977189. Das Amt stellt die für die Testung erforderliche Bescheinigung aus.

Zuvor hatte der Landrat angegeben, das Testcenter der Kassenärztlichen Vereinigung nicht länger empfehlen zu können.

Vogelsbergkreis: Landrat Görig weist Kritik zurück

Update 24. Juni, 17.32 Uhr: „Die Kassenärztliche Vereinigung weiß seit Wochen, dass es bei Corona-Testungen in einigen Laboren – unter anderem in der Einrichtung in Mainz - zu nicht nachvollziehbaren Testergebnissen gekommen ist. Auf unsere Hinweise aber hat sie bislang nicht reagiert“, erklärt der Vogelsberger Landrat Manfred Görig (SPD) und weist damit die von der KV geäußerten Kritik am Vogelsbergkreis zurück.

Die KV Hessen wehrt sich gegen die Vorwürfe des Vogelsbergkreises, dass Coronatests falsche Ergebnisse gezeigt hätten.

Außerdem erklärte der Vogelsbergkreis in einer Pressemitteilung, dass in einem ihm vorliegenden Schriftverkehr vom 20. Mai zwischen einem Fachreferenten und dem stellvertretenden Vorsitzender der KV, Dr. Eckhard Stracke, der Referent erkläre, dass es Hinweise gibt, dass das Mainzer Labor „je nach Verfügbarkeit nur das E-Gen nachweist, was tatsächlich nicht ausreichend wäre“.

Vogelsbergkreis: Corona-Tests sollen künftig woanders durchgeführt werden

„Vor diesem Hintergrund ist die schroffe, barsche und heftige Reaktion der KV auf ein von uns angesprochenes sachliches Problem überhaupt nicht nachvollziehbar“, betont Gesundheitsdezernent Dr. Jens Mischak. „Dort scheinen die Nerven blank zu liegen.“

Landrat Görig vermisse eine schlüssige Erklärung, warum Abstriche weiterhin in Laboren untersucht werden, die nicht nachvollziehbare, verifizierbare Untersuchungsergebnisse liefern. „Wir können daher das KV-Testcenter in Alsfeld nicht mehr empfehlen, denn wir brauchen eindeutige Testergebnisse.“

Schon seit April habe der Vogelsbergkreis die KV mehrfach auf den Sachstand hingewiesen, heißt es in der Pressemitteilung. Denn in einer Mail vom 23. April an das Gesundheitsamt habe ein Labor erklärt, dass „aktuell kein Bestätigungstest“ mehr durchgeführt werde. „Zum Nachweis des Virus werden Testkits verwendet, die das N-Gen oder das E-Gen nachwiesen (je nach Verfügbarkeit).“

„Uns geht es nicht darum, Krawall zu machen, wir brauchen saubere Ergebnisse, deshalb haben wir die Problematik öffentlich gemacht“, betont Gesundheitsdezernent Dr. Mischak. „Bei den Folgen unvollständiger Tests für die Betroffenen und die nachfolgenden Auswirkungen auf die ganze Region durch einen möglichen Lockdown haben wir erwartet, dass sich die KV des Problems annimmt und nicht versucht, uns in Misskredit zu bringen“, findet Landrat Manfred Görig deutliche Worte.

Er kündigt an: „Wir halten an unserer Forderung fest und entscheiden uns nach der Pressemitteilung der KV vom Mittwoch für einen anderen Weg der Testung unserer Bevölkerung. Am Donnerstag werden wir bekannt geben, wo Testungen künftig durchgeführt werden können.“

KV Hessen schießt gegen Vogelsberg zurück: „Hohes Maß an Inkompetenz“

Erstmeldung vom 24. Juni, 14.34 Uhr: Vogelsbergkreis - Auslöser für die Auseinandersetzung sind Vorwürfe von Landrat Manfred Görig (SPD) und Gesundheitsdezernent Dr. Jens Mischak (CDU), dass im Covid-Koordinierungscenter in Alsfeld abgenommene und in einem von der KVH beauftragten Labor ausgewertete Coronavirus-Tests seien fälschlicherweise als „positiv“ deklariert worden, obwohl in angeblich 14 Fällen keine Infektion vorgelegen habe.

Der Vorstand der KV Hessen, Frank Dastych und Eckhard Starke, äußert sich nun dazu. „Die Vorwürfe der Kreisspitze aus dem Vogelsberg sind aus verschiedenen Gründen haltlos“, heißt es in der Pressemitteilung. „Zum einen arbeitet die Kassenärztliche Vereinigung Hessen nur mit Laboren zusammen, in denen die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts und die vorgeschriebenen Maßnahmen zur Qualitätssicherung streng eingehalten werden.“ Das bedeute, dass auf einen positiv ausgefallenen ersten Suchtest der zweite, vorgeschriebene Bestätigungstest folgt. „An dieser Stelle werden also alle Vorgaben eingehalten“, so der Vorstand.

Coronavirus: KVH wirft Görig und Mischak „medizinische Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit“ vor

Die Zusammenarbeit mit dem beauftragten Labor laufe in anderen Landkreisen völlig unproblematisch. „Kritisch sehen wir die Äußerungen der Kreisspitze aber auch vor allem deshalb, weil sie ein hohes Maß an medizinischer Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit offenbaren“, findet der Vorstand. „Denn dass ein Test auf das Coronavirus einige Tage später anders ausfällt, ist keineswegs ungewöhnlich.“

Es handele sich bei einer Virusinfektion um einen biologischen Prozess, der sich stetig verändert. „Auch fallen nicht alle Tests zu 100 Prozent positiv oder negativ aus, sondern beispielsweise nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent. Wir halten es aber für infektiologisch unverantwortlich, einen solchen Fall nicht als positiven Test zu klassifizieren, denn das Risiko angesichts der Pandemie und eines nach wie vor hohen Ansteckungsrisikos für Nichtinfizierte wäre viel zu groß“, erklärt der KVH-Vorstand.

Kassenärztliche Vereinigung: Menschen werden verunsichert

„Und schließlich – als eigentlich schwerwiegendster Aspekt in dieser überflüssigen Diskussion – werden dadurch die Menschen ohne Not und auf verantwortungslose Weise verunsichert“, betont der Vorstand. Mehr, als die vom RKI vorgegebenen Regeln streng einzuhalten, könne ein Labor nicht tun. „Und mehr, als nur mit solchen Laboren zusammenzuarbeiten, kann auch eine KV nicht tun.“

„Welchen Testergebnissen sollen die Menschen denn nun vertrauen? Denen aus einem Gesundheitsamt im Vogelsberg? Oder nur denen, die im Labor der Universität Marburg ausgewertet wurden, wie vom Kreis vorgeschlagen?“ Diese Diskussion sei fatal und das Gegenteil von dem, was augenblicklich gebraucht werde: „Vertrauen in unser Gesundheitssystem und die dort umgesetzten Maßnahmen zum bestmöglichen Infektionsschutz der Bevölkerung.“

Unterdessen hat der Landkreis bekannt gegeben, dass die Todeszahl der Corona-Infizierten auf 13 gestiegen ist. (lea/sec)

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