Dekan Klaffehn mit großer Mehrheit wiedergewählt

  • VonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Vogelsberg - Das regionale Kirchenparlament votierte am Donnerstag mit großer Mehrheit für eine zweite Amtszeit von Dekan Stefan Klaffehn. Auf der Sondertagung der Dekanatssynode in Lauterbach sprachen 48 von 55 stimmberechtigten Synodalen dem 45-jährigen Theologen ihr Vertrauen aus. Für weitere sechs Jahre ab 1.1.2016 wird Pfarrer Stefan Klaffehn das Evangelische Dekanat Vogelsberg leiten.

Seit 1.1.2010 ist Klaffehn hauptamtlicher Dekan des Dekanats Vogelsberg, das sich von Schlitz bis Freiensteinau erstreckt und in dem gut 28.000 Evangelische leben.

Im Vorfeld seiner Wiederwahl hatte sich Stefan Klaffehn bereits im Juni mehreren Anhörungen stellen müssen: Der Personalausschuss der Kirchenleitung, der Dekanatssynodalvorstand im Vogelsberg, der Lauterbacher Kirchenvorstand und zuletzt das Kollegium der Pfarrerinnen und Pfarrer im Dekanat, deren Dienstvorgesetzter Klaffehn ist, hatten in nicht-öffentlichen Aussprachen mit Propst Matthias Schmidt Gelegenheit, sich zu Person und Amtsführung des Dekans zu äußern. Als Ergebnis der Beratungen wurde der Amtsinhaber zur Wiederwahl vorgeschlagen.

„Ich habe in all den Gesprächen durchweg Vertrauen und Ermutigung gehört, was eine erneute Kandidatur angeht", erinnert sich Klaffehn in seiner Rede vor den Synodalen. Eine grundsätzliche Änderung der Amtsführung oder ein neues Programm wäre ihm schwer gefallen, räumte er ein: „Ich erlebe mich selbst als sehr stimmig mit dem, was ich tue und wie ich meine Arbeit mache. So bin ich. Und ich glaube, das ist ganz gut so. Außerdem fühle ich mich wohl mit den Menschen, mit denen ich hier zusammenarbeite." Auch eigne er sich nicht zum Diktator und wisse genau, dass das was gelingt, nie, an einem Einzelnen allein liege, sondern, dass es immer ein Miteinander sei. Folgerichtig widmete Klaffehn die erste Hälfte seiner Rede dem Dank an alle, die Teil dieses Zusammenspiels sind. Das Team der Kirchengemeinde Lauterbach, in der Klaffehn mit einer Viertelstelle Pfarrer ist, zeige sich immer sehr flexibel und verständnisvoll etwa bei Terminkollisionen zwischen Pfarr- und Dekaneamt. Von einem gesunden Betriebsklima und einer ungehetzt-zügigen und verlässlichen Arbeit sprach Klaffehn mit Blick auf die Zusammenarbeit im Dekanatsbüro. Als freundlich, engagiert aber auch konstruktiv kritisch würdigte Klaffehn die Arbeit im Dekanatssynodalvorstand und dankte besonders dem stellvertretenden Dekan Martin Bandel für seine kooperative und loyale Haltung. Für die Unterstützung nach Möglichkeiten dankte Klaffehn Propst Matthias Schmidt, der sich für die Errichtung einer Altenseelsorgestelle im Dekanat und die Kooperation mit der Hochschule Fulda eingesetzt hatte. Seine Wertschätzung gegenüber Annedore Radvan als ehemaliger und Christa Wachter als amtierender Präses brachte Klaffehn mit einer besonderen Erklärung zum Ausdruck: „Ich liebe die Doppelspitze! Ihr habt mir ein großes Geschenk gemacht, dass der Job als Dekan im Vogelsberg kein einsamer ist." Sorgen und Ängste aber auch Freude und Ideen habe er immer ungeschützt aussprechen können, ohne dass man sich mit Formalismus oder dem Streit um Zuständigkeiten hätte aufhalten müssen.

Kritischer und vertrauensvoller zugleich sei Klaffehn gegenüber den Sichtweisen, Argumenten und Gesetzen aus Darmstadt, also von Seiten der Gesamtkirchenleitung geworden. Kritisch, weil etwa die Gleichmacherei bei der Ausstattung der Regionen, kirchenleitende Aktionen zu Selbsterhaltung und Aktionen zur Fassadendekoration die konkrete Verkündigung des Evangeliums oft verhindere und regionale Lösungen behindere. Statt unhinterfragten gesamtkirchlichen Leitideen zu folgen, plädierte Klaffehn für den Mut zur Diversität, die das Überleben sichere. „Monokulturen sind anfällig." Vertrauensvoller sei er dennoch aufgrund seines Eindrucks, dass auch in der Kirchenverwaltungen die meisten einfach ihren Job gut machen wollten und selbst unter den Spannungen im System Kirche litten. Durch Beharrlichkeit und diplomatisches Geschick habe er manches für die Region erreichen können.

Auf dem Erhalt der Kirchengemeinden auch in ihrer Kleinteiligkeit liege Klaffehns „erstes Augenmerk". Darüber hinaus wolle er sich konkret einsetzen für den Erhalt der Notfallseelsorge, der Krankenhausseelsorge, des Regionalen Diakonischen Werks und der Suchthilfe sowie für die Neue Arbeit Vogelsberg. „Die erkennbare verlässliche Zuwendung zu Menschen in Not ist eine wichtige Ausdrucksform des Glaubens über das Gemeindeleben hinaus." Altersarmut und Alterseinsamkeit seien ebenfalls Themen, die die Kirchengemeinden in den kommenden Jahren beschäftigen werden. Und auch die Flüchtlingsarbeit sei zu einer neuen Herausforderung geworden. Klaffehn warb mit Blick auf die katholischen Träger dafür, nicht mehr in getrennten Systemen zu denken und zu planen. Es gehe nicht darum, dass sich in der konkreten Arbeit Einzelne, Organisationen oder eine der Konfessionen profilierten, sondern dass alle sich gemeinsam für das Wohl der Menschen einsetzten und damit ein Christuszeugnis für die Menschen werden.

Im Anschluss an Klaffehns Vortrag schritt die Wahlsynode ohne Personaldebatte zur Abstimmung und bestätigte den Dekan mit großer Mehrheit im Amt. Dieser nahm die Wahl dankend an und wurde mit langem Applaus bedacht.

Am Ende der Tagung nutzte die seit wenigen Wochen amtierende Präses des Nachbardekanats Alsfeld, Sylvia Bräuning, die Gelegenheit, sich vorzustellen. Seit Anfang der 80er Jahre im Vogelsberg beheimatet, freue sie sich auf die neuen Aufgaben und vielen Menschen, die sie beinahe täglich kennenlerne. Außerdem teilte Präses Christa Wacher mit, wie die Kirchensynode der vergangenen Woche mit dem Vogelsberger Antrag auf Aussetzen der Dekanatsfusion umgegangen ist: Der Antrag sei nicht abgestimmt, sondern an den Verwaltungsausschuss zur Beratung gegeben worden. Einstimmig verabschiedet wurde auf der Kirchensynode das neue Zuweisungssystem, das die Verteilung der Gelder an Kirchengemeinden neu regeln soll. Nachdem ein erster Vorschlag der Kirchenleitung vor einem Jahr auf breite Kritik aus den Dekanaten gestoßen war, sei die nun verabschiedete Variante ein guter Kompromiss, was sich auch an der Einstimmigkeit des Votums der Kirchensynode gezeigt habe, so Propst Schmidt. / mr

Das könnte Sie auch interessieren