Ehemaliger Schlitzer Bürgermeister Hanns-Heinz Bielefeld wird heute 95

  • VonRedaktion Fuldaer Zeitung
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schlitz - Der ehemalige Schlitzer Bürgermeister und Hessischer Staatsminister des Innern a.D., Hanns-Heinz Bielefeld feiert am heutigen Montag seinen 95. Geburtstag.

Er wurde am 9. Dezember 1918 in Duisburg-Hamborn geboren und absolvierte nach seiner Schulzeit eine Ausbildung als Bankkaufmann. Nach dem Arbeits- und Kriegsdienst verschlug es ihn nach Bad Schwalbach im Taunus, wo er nach einer Verwaltungsfachlehre im öffentlichen Dienst verbeamtet wurde. Als sich Bielefeld um den Posten des Schlitzer Rathauschefs bewarb, war er bereits für die FDP Mitglied im Hessischen Landtag. Am 15. März 1960 wurde er mit 12 zu 6 Stimmen von der Schlitzer Stadtverordnetenversammlung zum Nachfolger von Bürgermeister Karl Wilhelm Reinhardt gewählt. Am 1. Juli 1960 trat er sein Amt an und stellte sich im Saalbau Guntrum, bei der Verabschiedung Reinhardts, mehreren Hundert Schlitzer Bürgern vor.

Bürgermeister für alle

"Es wird meine vornehmste Aufgabe sein, allen Menschen zu helfen, die mich um Rat fragen", verkündete Bielefeld in seiner Antrittsrede. Seinen Grundsatz Schlitz zu leiten wählte er sich bei Freiherr vom Stein aus: "Wahrheit und Einfachheit". Worte, die jeder verstand und die das neue Stadtoberhaupt auch einhielt. Noch lagen große Probleme vor ihm. Zwar war der Krieg schon über ein Jahrzehnt beendet, doch es war vieles noch im Argen. Die Stadt hatte nun über 70 Prozent Einwohner mehr. Mitbürger, die Wohnraum und Arbeit benötigten. Das Straßenbauwesen war in keinster Weise für die neue Zeit gerüstet und auch in der Stadtverwaltung gab es einiges zu tun.

Seine erste große Maßnahme war der Bau der Herrngartenstraße. Bereits 1920 gab es Pläne zum Bau einer solchen Straße durch den gräflichen Garten. Unter Bielefelds Vorgänger reiften diese Pläne heran. Im September 1960, kurz nach Bielefelds Amtseinführung, wurden die ersten Häuser in Höhe der heutigen Volksbank abgerissen und dank des guten Wetters konnte die neue Ausfallstraße schon 1961 für den Verkehr freigegeben werden. 1962 entstanden hier rechts der Straße die ersten Wohnhäuser. Bielefeld forcierte den Ausbau der heutigen "Hall", die teilweise noch gräflicher Garten und Acker war, als Baugebiet. Der versierte Verwaltungsfachmann passte die städtischen Satzungen den veränderten gesetzlichen Vorgaben an und übernahm für die städtischen Arbeiter und Angestellten tarifrechtliche Verhandlungsergebnisse. In der Mitte seiner Amtszeit entlastete er den innerstädtischen Verkehr durch den Bau der heutigen Umgehungsstraße nach Fulda. Unter Bielefelds Ägide entstanden das Bürgerhaus, das Altenwohnheim in der Parkstraße und der Ausbau der Günthergasse mit der Verrohrung des Sengelbach.

Er ordnete das Schulwesen im Schlitzerland neu und gründete den Schulverband. Danach kamen alle Schüler aus dem Schlitzerland nach der vierten Klasse nach Schlitz in die Schule. Hier standen das Gymnasium in der Hallenburg oder die neu gebaute Mittelpunktschule (später Gesamtschule) mit Schlitzerlandhalle und Hallenbad zur Verfügung. Bielefeld bereitete hier in Schlitz schon die hessenweit geplante Gebiets- und Verwaltungsreform vor. Dazu gehörte sowohl der Hospitalverband als auch die Bereitschaft der damals noch selbstständigen Dörfer, das Standesamtswesen an die Stadt Schlitz zu übertragen. In Schlitz strukturierte er die Wasserversorgung neu durch den Bau eines Hochbehälters oberhalb des jüdischen Friedhofs und er war nicht unmaßgeblich daran beteiligt, dass gerade das Land Hessen die Schlitzer Kornbrennerei kaufte, als Graf Görtz diese veräußern wollte. Bielefeld legte den Grundstein für das Entstehen der späteren Großgemeinde und führte Schlitz einen nicht unerheblichen Schritt in die Neuzeit.

Es war schon ein Ereignis, als sich zu Bielefelds 10-jährigem Amtsjubiläum als Bürgermeister der Hessische Ministerpräsident Albert Osswald (SPD) in Schlitz ankündigte. Nach dessen Lobrede auf den FDP-Bürgermeister war vielen Kommunalpolitikern klar, dass Hanns-Heinz Bielefelds Zeit in Schlitz sich dem Ende neigt. Mit der Bildung einer neuen sozial-liberalen Koalition in Wiesbaden wurde Bielefeld als Nachfolger von Johannes Strelitz zum Staatsminister des Innern berufen. In seine Amtszeit fiel die heftig umstrittene hessische Gebiets- und Verwaltungsreform. Hier strukturierte er das Polizei- und Feuerwehrwesen neu und gewann dadurch viele Freunde. Doch es soll heute nicht unsere Aufgabe sein, Bielefelds Verdienste um das Land Hessen zu würdigen. Da wird es andere Medien geben, die das tun. Wir konzentrieren uns auf Schlitz, denn hier ist er bei den Älteren, die ihn einmal erlebt haben, unvergessen.

Noch Jahre nach seinem Wirken in Schlitz, kam Hanns-Heinz Bielefeld gerne als Gast zurück in die Großgemeinde und freute sich über jede Einladung zum Trachtenfest. Heute genießt er den Ruhestand in seinem Haus in Wiesbaden. Dort wird er von Jadwiga und Aleksandra Nyczkowska liebevoll umsorgt. Noch heute erzählt er im Familienkreis, dass er in Schlitz seine schönste Zeit hatte. Dass er hier vieles richtig gemacht und seinen Grundsatz eingehalten hat, zeigte immer der aufbrausende Beifall, wenn er als Ehrengast auf dem Trachtenfest angekündigt wurde.

Der Schlitzer Bote wünscht dem Jubilar - auch im Namen aller Leser - alles Gute zum heutigen Geburtstag und für die Zukunft.

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