Auf dem Weg zum Faulturm und dem Blockheizkraftwerk. / Foto: Sigi Stock

Energetisch optimierte Kläranlage in Hutzdorf eingeweiht

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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HUTZDORF - Kläranlagen sind die größten kommunalen Stromverbraucher, denn sie haben einen höheren Strombedarf als Straßenbeleuchtung, Krankenhäuser oder andere Großverbraucher in einer Kommune.

Von unserer Mitarbeiterin Sigi Stock

Als 1980 die neue Kläranlage eingeweiht wurde, waren alle Verantwortlichen davon überzeugt, eine moderne Anlage in Betrieb genommen zu haben, die auf Jahrzehnte neue Investitionen entbehrlich machen würde. Das Klärwerk Schlitz-Hutzdorf wurde als 1-straßig mechanisch-biologische Kläranlage zur weitergehenden Elimination der organisch abbaubaren Kohlenstoffverbindungen sowie zur teilweisen Elimination der Stickstoffverbindungen konzipiert.

Neue Vorschriften, höhere Anforderungen, bessere technische Möglichkeiten und unerwarteter Verschleiß haben es gelehrt, dass dies eine Fehleinschätzung war. In den letzten drei Jahrzehnten wurden ständige Verbesserungen mit dem Ziel vorgenommen, die Reinigungsleistungen zu steigern. Mit der solaren Klärschlammtrocknung in den Glashäusern wurde ein bedeutender Schritt zur Reduzierung des endzuverwertenden Klärschlamms gemacht.

Die ständigen Geruchsbelästigungen waren der Ausgangspunkt für die am Mittwoch dieser Woche getätigte Einweihung der energetischen Optimierung der Kläranlage. Durch diese ständigen Geruchsbelästigungen war dringender Handlungsbedarf gegeben. Durch den Kontakt mit Professor Theilen und Armin Uhrig (Ingenieurbüro IGM) kamen die Verantwortlichen der Ursache auf den Grund: nicht vollständig ausgefaulter, also biologisch nicht vollständig stabilisierter Klärschlamm, der noch lebte und dazu auch stank.

Keinerlei Kostenüberschreitungen

Es wurde eine Konzeption unter der Überschrift „Energetische Optimierung der Kläranlage Schlitz-Hutzdorf“ entwickelt. Die Stadt Schlitz wurde in ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Umwelt, Natur, Bau- und Reaktorsicherheit aufgenommen. Finanziell war dies eine Großmaßnahme für die Stadt Schlitz. Die energetische Optimierung kostete rund 3.450.000 Euro. Dazu gab es einen Bundeszuschuss von rund 506.000 Euro, zuzüglich rund 82.000 Euro für das Messprogramm. Für die Sanierungs- und Ertüchtigungsmaßnahmen des Altbestandes wurden 705.000 Euro aufgewandt, 34.000 Euro wurden über die Abwasserabgabe refinanziert. Die Gesamtmaßnahme belief sich auf rund 4,2 Millionen Euro, abzüglich insgesamt 622.000 Euro Zuschüsse bzw. Abwasserabgabe. Es galt also einen Betrag von rund 3,6 Millionen Euro zu finanzieren. Dies war ohne die Aufnahme eines Kredits in Höhe von rund 1,9 Millionen Euro im Abwasserbereich in den Jahren 2014 und 2015 nicht möglich.

Die komplette Maßnahme blieb finanziell im vorkalkulierten Rahmen. Es gab keinerlei Kostenüberschreitung. Als sehr positiven Effekt ist auch eine interkommunale Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Niederaula begründet. Von dort bekommt man Klärschlamm, der in der Schlitzer Kläranlage verwertet wird. Zurzeit steht die Stadt Schlitz in weiteren Verhandlungen mit der Nachbargemeinde Burghaun, um Klärschlamm aus der Kläranlage in Langenschwarz zu verwerten.

Am 27. September 2011 fand die feierliche Übergabe des Zuwendungsbescheides durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit in Berlin statt. Am 11. Februar 2014 wurde der offizielle Spatenstich durchgeführt. Im April 2015 wurden die baulichen Anlagen fertig gestellt und Ende Mai 2015 wurde die öffentlich-rechtliche Vereinbarung zur Klärschlammentsorgung mit der Gemeinde Niederaula unterzeichnet. Am 4. September 2015 wurde die Herstellung der Betriebsbereitschaft an Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer gemeldet. Am 11. Oktober 2015 wurde die Gesamtanlage in Betrieb genommen.

Kohlendioxid-Ausstoß deutlich gesenkt

Das Klärwerk Schlitz ist auf eine Anschlussgröße von 14.000 Einwohnerwerten (EW), bezogen auf Einwohner und Gewerbebetriebe, konzipiert. Die heutigen Schmutzfrachten lassen auf einen effektiven Anschlusswert von 9.850 EW rückschließen. Die getätigten Investitionen reduzieren den Kohlendioxid-Ausstoß um etwa 160 Tonnen pro Jahr, wodurch ein nennenswerter Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden konnte.

Für die verfahrenstechnische und energetische Optimierung der Kläranlage im Jahr 2015 wurde mit der Schlitzer Korn- und Edelobstbrennerei GmbH ein weiterer Kooperationspartner für das Klärschlamm-Verwertungskonzept gefunden. Die Rückstände aus der Destillation, die sogenannte Kornschlempen, und die Rückstände aus der Herstellung von Obstbränden, die sogenannten Obstschlempen, verbessern aufgrund ihres hohen organischen Anteils die Faulgasproduktion wesentlich und tragen somit maßgeblich zur Energieeffizienzsteigerung der Kläranlage bei.

„Zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Entscheidungen“

Bürgmeister Schäfer dankte am Ende seiner Ausführungen zum einen allen erschienenen Gästen zur Einweihungsfeier aus Politik und Wirtschaft, zum anderen dem Bundesministerium für den erhaltenen Zuschuss, den beteiligten Behörden für die Begleitung des Projektes und Professor Theilen für die wissenschaftliche Konzeption. Dankesworte richtete das Stadtoberhaupt auch an alle Firmen, die eine gute Leistung abgeliefert haben, bei den Mitarbeitern der Stadtverwaltung insbesondere Frank Jahn für die Optimierung der Kläranlage sowie Florian Kraft, den neuen Anlagenleiter der Kläranlage. Bürgermeister Schäfer weiter: „Es ist eine große Investition für die Umwelt, ein richtiger Schritt im Umgang mit der Energie. Ich wage nicht zu sagen ‚Damit haben wir für alle Zukunft unsere Hausaufgaben gemacht‘, die Vergangenheit hat uns etwas anderes gelehrt. Aber ich denke, wir haben zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Entscheidungen getroffen.“

Im Rahmen der Ausführungen von Dipl. Ing. Frank Jahn (Technischer Leiter der Stadtwerke), denen sich auch eine Führung durch die gesamte Baumaßnahme anschloss, erhielten alle Gäste der Einweihung detaillierte Angaben zu sämtlichen Prozessen. Der Einweihungsfeier folgte eine Verköstigung im Dorfgemeinschaftshaus Hutzdorf mit einem Vortrag Armin Uhrig vom Ingenieurbüro IGM.

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