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Erbesbärs macht Queck nach Schlitzerländer Tradition unsicher

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlitz - Am so genannten „dritten Weihnachtsfeiertag“, dem 27. Dezember, waren in Sachen „Tradition Erbsenbär“ in Schlitz-Queck wieder 20 junge Burschen unterwegs, womit diese schöne Tradition weiter lebt und immer wieder an den nächsten Jahrgang und somit an die nächste Generation weitergetragen wird.

Die Tradition des Erbesbärs – manchmal auch Strohbär genannt – war früher nahezu in jedem Dorf des Vogelsberges beziehungsweise des Schlitzerlandes lebendig. Es waren die Junggesellen, denen beim Umzug mit dem Erbesbär durch die Dörfer von alters her das Recht zukam, Gaben aller Art – beliebt waren Speck und Eier oder auch mal ein Schnäpschen – einzusammeln.

Damals war der Bär zumindest im Schlitzerland noch mit Erbsenstroh gewickelt, was besonders zum Wickel des Strohbären geeignet war, daher auch der Name Erbesbär. Heute steht lediglich noch Stroh aus Weizen, Gerste, Hafer und Roggen zur Verfügung.

Einwickeln dauert eineinhalb Stunden

In Queck wurde in diesem Jahr Roggenstroh verwendet, da dies das längste war, was an Stroh zur Verfügung stand. Die einzelnen Bestandteile der Gruppe sind jeweils der Erbesbär mit Führer, die Paare Mann und Frau und die Blenge Gillerchen mit Gespannführer. So geht es dann mit Radau durchs Dorf. Es wird Schlitzer Korn ausgeschenkt und eine Spende eingesammelt, welche man dann am Abend in fröhlicher Runde verarbeitet.

Wer jeweils in das Strohbärenkostüm eingewickelt wird, ist in Queck nicht genau geregelt. Im Normalfall findet sich aber in jedem Jahr ein Freiwilliger, der sich dieser Herausforderung stellt. Und eine Herausforderung ist es in jedem Fall. Immerhin kann schon das Einwickeln mit den „Strohstängen“ eineinhalb Stunden und mehr in Anspruch nehmen.

Besonderheit blenge Gillerchen

Der anschließende Fußmarsch durch das Dorf ist da noch nicht einmal eingerechnet. Doch was ist das schon gegen die bleibende Erinnerung, einmal der Erbesbär gewesen zu sein? Ein wichtiges Amt hat noch der Bärenführer inne, auf welchen sich der Eingewickelte gewissermaßen blind verlassen muss.

Neben den üblicherweise, manchmal in Alltagstracht, als Mann und Frau verkleideten Jugendlichen gibt es in Queck noch eine Besonderheit und zwar die „blenge Gillerchen“ – die blinden Pferde und deren Kutscher. Dabei handelt es sich um zwei Jugendliche, welchen vor dem Bauch und am Rücken ein rundes Sieb gebunden wurde

Beide ziehen zudem einen kleinen Wagen. Das Sieb wird mit einem weißen Leinentuch abgedeckt und am hinteren Ende ist normalerweise noch Pferdehaar als Schweif befestigt. Am vorderen Sieb ist oft ein aus Holz gefertigter Pferdekopf angebracht, welcher heutzutage meistens eingespart wird.

Mädchen mit Schuhcreme schwarz gemacht

Es ist schön anzusehen, dass sich die Jugendlichen viel Mühe machen, damit die Tradition weitergeführt wird. Hierzu gehörten auch schon immer kleine intelligente Streiche und dass besonders die gleichaltrigen Mädchen mal mit Schuhcreme schwarz gemacht werden.

Bei all dem, sollte aber immer darauf geachtet werden, dass niemandem Schaden zugefügt wird. Der Bär war übrigens in diesem Jahr im Vergleich zum vorigen Jahr in einer etwas anderen Technik im Beinbereich gewickelt. Ein Lob an die Macher. / hk

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