Kanzel-Gast Bernhard Wöll und Pfarrerin Karin Klaffehn. Foto: Hahner

Erste Dialogpredigt mit Metzgermeister Bernhard Wöll kam in Heblos gut an

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Lauterbach - Premiere in der Hebloser Kirche: Beim Sonntagsgottesdienst in der Hebloser Kirche begrüßten Pfarrerin Karin Klaffehn und Angelika Kreuzinger vom Kirchenvorstand den Lauterbacher Metzgermeister Bernhard Wöll als "Kanzel-Gast".

Von ihm wollte die Gemeinde erfahren, wie er Glauben im Alltag erlebt, in welchen Texten der Bibel er sich wiederfindet und wie er seine Erfahrungen mit der Gemeinde teilen möchte. Sein Thema lautete: "Wie viel braucht man, um glücklich zu sein?"

Zum Einstieg trug die Pfarrerin die Seligpreisungen aus der Bergpredigt vor. "Zufriedenheit wächst nicht mit Besitz und Konsum", stellte Wöll anschließend fest. Nicht die Glücklichen seien dankbar, sondern die Dankbaren sind glücklich, so seine Erfahrung. Viele Menschen gingen abends ins Bett mit schweren Gedanken und könnten nicht schlafen. "Aber", so Wöll, "wie wäre es mit ein paar guten Gedanken, zum Beispiel Gott zu danken für die Gesundheit, für das tägliche Brot, für die Zeit in der Familie. Zur Zufriedenheit trägt auch bei, sich wieder an den kleinen Dingen des Alltags zu freuen", riet Wöll. "Gott nahe zu sein, ist mein Glück" und das sei auch die Jahreslosung für 2014, ergänzte Karin Klaffehn.

Zufriedenheit, Dankbarkeit und Lebensbejahung sind für Bernhard Wöll eine Einheit. Leider seien die Ansprüche der Menschen, immer schneller und größer zu werden heute vorherrschend, wobei die eigentlich wichtigen Dinge völlig in den Hintergrund getreten seien. "Wenn alles zur Verfügung steht, geht auch das Glücksgefühl verloren." Zufriedenheit mache sich nach seiner Überzeugung nach wie vor an kleinen Dingen fest, und für viele Menschen bedeute Glück schon die Tatsache, wenn sie morgens ohne Schmerzen aufstehen könnten. "Glück bedeutet für mich, wenn mittags die Kinder lachend aus der Schule kommen, weil sie in eine gute Klassengemeinschaft eingebunden sind", betonte Wöll.

Karin Klaffehn erzählte dann die Josefsgeschichte, vom Traum des Pharaos und dem Sinnbild der fetten und dürren Kühe für gute und schlechte Jahre. Das Gleichnis sei auch ein Sinnbild für weises, politisch verantwortliches Handeln, sagte Wöll und betonte, dass sich der Pharao als kluger und vorausschauender Politiker entpuppt habe, der offen für Signale und Ratschläge von außen gewesen sei. Daraus könne man lernen, Verantwortung zu übernehmen und auch unangenehme Entscheidungen zu treffen und nicht vertagen.

Seiner Meinung nach sei es wichtig, für die Zukunft zu sorgen und nicht auf Kosten der Zukunft zu leben. In der Geschichte komme es zu einer Hungersnot und Josefs Familie flüchte nach Ägypten. Auch dieser Sachverhalt sei aktuell. "Die Bittenden wurden nicht abgewiesen.

Das sollte für uns bedeuten, trotz eigener Not großherzig zu bleiben und Menschen, die aus Armut oder politischer und religiös bedingter Verfolgung nach Europa kommen, aufzunehmen", forderte Wöll.

Der Blick auf die dürren Kühe sei gesellschaftlich hoch interessant, stellte die Pfarrerin fest, denn solch dürre Zeiten gebe es auch im persönlichen Leben. "Wir haben nicht nur sieben Jahre, sondern fast sieben Jahrzehnte, in denen es nur bergauf ging, in denen es keinen Krieg, keine Zerstörung und keine Diktatur gab und das sind schon fette Jahre", sagte Wöll.

Seine Generation kenne gar keine schlechten Zeiten: "Für uns ist ein Tag ohne warme Mahlzeit, ohne heißes Wasser, ohne Heizung schon nicht mehr vorstellbar."

Für Karin Klaffehn hat der Kanzel-Gast viele Gedanken angerissen, gesellschaftliche und politische Aussagen getroffen und das Bewusstsein vermittelt, dass Gott mit den Menschen ist.

Mit dem Glaubensbekenntnis, den Fürbitten und dem Vaterunser endete der eindrucksvolle Gottesdienst.

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