Der neue Ethikbeauftragte André Tolksdorf (3.v.l.) mit Klinikleitung und Vorstand des Krankenhauses Eichhof: (von links) Hans-Georg Stoll, Dr. Christof Erdmann, Volker Christe, Manfred Dickert und Hans-Jürgen Schäfer. Foto: privat

Ethikbeauftragter am Krankenhaus Eichhof nimmt Arbeit auf

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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lauterbach - Die meisten täglich getroffenen medizinischen Entscheidungen basieren auf einem allgemein geteilten Grundverständnis der Bürger und der Ärzte hinsichtlich der Autonomie, Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit von Patienten, dem Fürsorgegedanken, der Schadensvermeidung durch ärztliches Handeln und der gerechten und sinnvollen Verteilung der Ressourcen des Gesundheitssystems.

In Einzelfällen kommt es aber zu Konflikten in der Gewichtung dieser ethisch-moralischen Orientierungspfeiler des ärztlichen Handelns, sei es durch stark unterschiedliche Auffassungen von Arzt und Patient, was zu tun oder zu unterlassen sei, zwischen Patient und Gesellschaft, wie zum Beispiel bei der richterlichen Genehmigung einer Unterbringung und Zwangsbehandlung hinsichtlich der freien Willensbildung bei zugrundeliegender psychischer Erkrankung oder bei unterschiedlichen Auffassungen zwischen Angehörigen und Ärzten bei nicht einwilligungsfähigen Menschen, wenn keine Patientenverfügung oder Vollmacht vorliegt.

Damit ein unabhängiger Blick von außen gewährleistet ist, hat die Krankenhausleitung am Medizinischen Zentrum Eichhof in Lauterbach seit 1. Februar diesen Jahres einen Ethikbeauftragten berufen.

Für diese vom Gesetzgeber vorgeschriebene Position konnte André Tolksdorf (53) gewonnen werden. Als Lehrer für Geschichte, Erdkunde, Religion und Ethik am Alexander-von-Humboldt Gymnasium in Lauterbach ist er geradezu prädestiniert für diese verantwortungsvolle Aufgabe im Ehrenamt.

"Ich sehe mich als Moderator für das medizinische Personal, als Ansprechpartner für die behandelnden Teams nach Gesichtspunkten der Ethik, um die für den Patienten beste Behandlungsentscheidung zu finden", sieht Tolksdorf seine Aufgabe klar abgegrenzt. Er legt Wert auf die Tatsache, dass seine Aufgabenstellung in der Betrachtung, Abwägung und der menschlichen Behandlung des Patienten liegt. "Nicht ich entscheide, wie ein Patient therapiert wird, ich gebe lediglich ethische Hilfestellung und bin dabei nur meinem Gewissen verpflichtet", sagt der verantwortungsbewusste Lehrer.

"Die Mitarbeiter im Haus können als Einzelperson oder als Team die Unterstützung des Ethikbeauftragten anfordern. Dabei kann es sich um die Auslegung einer Patientenverfügung, um die Einleitung oder Beendigung von Intensivmaßnahmen oder die Durchführung einer Operation handeln", erklärte die Qualitätsmanagementbeauftragte Rose-Marie Roux. Damit die Arbeit des Ethikbeauftragten ohne verwaltungstechnische Verzögerungen durchgeführt werden kann, hat Roux gemeinsam mit Verwaltungsdirektor Dr. Christof Erdmann die Abwicklungsvorgänge in der Kommunikation optimiert und darüber hinaus ein Formular entwickelt, das im Intranet des Krankenhauses Eichhof jedem Mitarbeiter zugänglich ist und Inhalte, wie zum Beispiel die Problembeschreibung oder bereits unternommene interne Klärungsvorgänge enthält.

Die Anfragen werden dann direkt an den Ethikbeauftragten weitergeleitet, sodass dieser kurzfristig reagieren kann und schriftlich antwortet oder persönlich einen Termin anberaumt, in dem die ethischen Fragen und unterschiedlichen Perspektiven besprochen werden können.

"Wir haben mit André Tolksdorf einen engagierten Ethikbeauftragten gewinnen können, der für die Mitarbeiter des Krankenhauses Eichhof eine große Bereicherung darstellt", ist Verwaltungsdirektor Dr. Christof Erdmann überzeugt. Durch persönliche Kontakte zwischen dem Vorsitzenden der Arbeitsgruppe "Kultur im Krankenhaus" (KiK), Helmut Totzek, und dem Lauterbacher Lehrer war der als Humanist geltende Tolksdorf den Verantwortlichen am Eichhof bereits bekannt. "Wir haben uns zunächst einen zeitlichen Rahmen von einem Jahr gesteckt, um Erfahrungswerte zu sammeln, auszuwerten und zu sehen, wie der ehrenamtlich tätige Ethikbeauftragte angenommen wird, sagt der Verwaltungschef. rsb

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