Achtung, Kamera läuft: Neben dem Team von „Studio Vogelsberg“ ist auch Michael Kranixfeld mit von der Partie, der die Arbeiten im Rahmen eines Forschungsprojekts der Uni Koblenz begleitet.
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Achtung, Kamera läuft: Neben dem Team von „Studio Vogelsberg“ ist auch Michael Kranixfeld mit von der Partie, der die Arbeiten im Rahmen eines Forschungsprojekts der Uni Koblenz begleitet.

Bau des Sportplatzes wird thematisiert

Filmdreh im Grebenhainer Fichtenwald - „Studio Vogelsberg“ erinnert an Flugzeugabsturz

Im Fichtenwald oberhalb von Volkartshain surrt die Kamera. Die in fesche weiß-orangefarbene Trikots gekleideten Mädchen schleppen einen Fallschirm durch den Wald. Die drei Künstlerinnen verstehen ihren Film auch als Hommage an die Damen-Fußball-Mannschaft des Ortes aus den 1970er Jahren und erinnern gleichzeitig an den Absturz eines amerikanischen Aufklärers im Jahr 1966.

Volkartshain - Die jungen Künstlerinnen Ruby Behrmann aus Hamburg, Evamaria Müller aus Wien und Julia Novacek mit Wiener Wurzeln aus Berlin leben allesamt in europäischen Großstädten. 2019 drehten sie bereits einen Episodenfilm in der Region und fühlen sich seither mit der Gegend verbunden. Sie können dieses Projekt im Rahmen einer Dreijahresresidenz von Flux, dem Verein zur Förderung der Zusammenarbeit von Theater und Schulen in Hessen, TTMS (Tanz und Theater machen stark) als Programm des Bundesverbandes Freie Darstellende Künste sowie im Rahmen von Leader verwirklichen.

„Studio Vogelsberg“ dreht im Grebenhainer Wald - mit einem rein weiblichen Team

Die drei Künstlerinnen sind seit Studientagen mit einander verbunden. Das ist gut, denn während der Zeit vom 1. Juli bis zum 1. September in Volkartshain leben sie zusammen in einer Wohnung und verbringen die 24 Stunden des Tages in Arbeit und Freizeit eng miteinander. In diesem Jahr haben sie ihr Team um Produktionsleiterin Marija Barashka erweitert, die sich sowohl um die Organisation als auch um die komplizierten Abrechnungen kümmert.

Auch mit Kamerafrau Francy Fabritz und Kameraassistentin Anouck Schmitt setzen die Künstlerinnen auf Frauenpower. Sie hätten gute Erfahrungen mit rein weiblichen Teams gemacht, bestätigen sie im Gespräch.

Filmdreh im Grebenhainer Fichenwald: Hommage an Damen-Fußball-Mannschaft

Und dass sie in ihrem Film über den Absturz eines amerikanischen Flugzeuges im Jahr 1966 unter anderem neun Mädchen aus Volkartshain zu ihren Heldinnen machten, gilt als Hommage an die Frauenfußballerinnen im Ort, die in den 1970er Jahren des vergangenen Jahrhunderts diesen damals noch vornehmlich männlich besetzten Sport zu ihrem Hobby gemacht hatten.

Eine Originalaufnahme erinnert an die Frauen-Fußballmannschaft von früher.

Die Idee des Films: In einem Fußball, der sich als Zeitkapsel herausstellt, werden Dokumente des Absturzes gefunden. Dazu gehört ein Foto der örtlichen Damen-Fußball-Mannschaft in Weiß-Orange ebenso wie der Brief, den der damalige Bürgermeister Reinhold Kempel an den amerikanischen Präsidenten geschrieben hatte und in dem er darum bat, die beiden abgestürzten Flieger nicht im Vietnamkrieg einzusetzen.

Filmemacherinnen konzipierten wochenlang Drehbücher - Vorstellungen gehen am Ende auf

Nachdem die drei Filmemacherinnen von dem Vorfall erfahren hatten, schrieben und konzipierten sie wochenlang die Drehbücher. „Jetzt ist es wunderschön zu sehen, wie unsere Vorstellungen am Ende aufgehen“, schwärmt Ruby Behrmann. Die gemeinsame Arbeit mit den Menschen vor Ort empfinden die Künstlerinnen als sehr bereichernd. Viele Einwohner hätten sie sowohl mit Ideen als auch mit Fotos und Recherchematerial beliefert. Unter anderem mit der Originalaufnahme der Hessenschau von 1966, in der über den Absturz berichtet wurde. Diese Aufnahme war ursprünglich auf 16-Millimeter-Film und ist inzwischen digitalisiert. Die Mädchengruppe fanden die Künstlerinnen aufgrund einer Ausschreibung.

Die Öffentlichkeitsarbeit via Instagram haben die Künstlerinnen an die Mädchen übergeben, die sie in Eigenverantwortung und mit Kreativität und Spaß erledigen. Sie sind überzeugt davon, dass sie durch die Zusammenarbeit mit den Künstlerinnen selbstbewusster geworden sind.

Sie haben gelernt nicht mehr in die Kamera zu lachen, wie man das üblicherweise tut und vieles über die Filmproduktion erfahren. Während die Arbeit mit den Mädchen im Alter zwischen neun und 16 Jahren tagsüber erfolgt, agiert der Vorstand des Sportvereins vor der Kamera, wenn das Flutlicht auf dem von den amerikanischen Freunden geschaffenen Fußballplatz eingeschaltet wird. Während der Drehphase sind die Nächte für die Künstlerinnen kurz. Am Ende wird es sich gelohnt haben, wenn der Film über die Leinwand flimmert. (bak)

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