Tom Hönke steht vor seinem Studio Fit4life in Schlitz.
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Tom Hönke steht vor seinem Studio Fit4life in Schlitz.

Kaum Rückbuchungen

Mit breitem Rücken durch die Krise: Corona macht Schlitzer Fitnessstudio wenig zu schaffen

Wer sich dieser Tage sportlich betätigen will, muss das im Freien machen oder auf dem Heimtrainer zuhause. Sportstätten bleiben geschlossen, Fitnessstudios leiden allerdings wirtschaftlich weniger als andere Branchen. Tom Hönke, Inhaber des Schlitzer Studios Fit4life, gibt Auskunft.

Gab es schon Abmeldungen wegen der Schließung?
Kaum. Natürlich gibt es vereinzelt Mitglieder, die bereits vor der Corona-Schließung nicht oder nur noch sehr unregelmäßig ins Training gekommen sind. Hier gibt es dann vereinzelt Anfragen, ob die Mitgliedschaft wegen Corona außerordentlich gekündigt werden könne. Da rufe ich dann immer persönlich an und erfrage die wirklichen Gründe. Hinzuzufügen ist an dieser Stelle, das eine außerordentliche Kündigung aufgrund dieser Vertragsstörung, welche weder wir noch das Mitglied zu verantworten haben, nicht möglich ist. Die Zahl der Abmeldungen ist vergleichbar mit der der Vorjahre. Es gibt aber auch schon ein Mitglied hier aus Schlitz, das seine bereits im letzten Jahr ausgesprochene Kündigung unter dem Hintergrund von Corona zurückgenommen hat. Die Dame sagte in ihrer Mail, dass sie zur Risikogruppe gehöre und dringend ihr Immunsystem wieder fit bekommen möchte. Ihr Arzt hat ihr empfohlen weiterhin und regelmäßig Krafttraining an Geräten zu machen sowie ihre Ernährung zu optimieren. Das sind dann solche herzliche Momente, in denen man denkt: „Hier ist der Groschen gefallen!“.
Stornieren Mitglieder ihre Beiträge?
Natürlich. Auch das gibt es. Aber das gibt es auch ohne Corona und hat meist wirtschaftliche Gründe. Einen dramatischen Anstieg der Rückbuchungen haben wir nicht feststellen müssen. Aber das liegt natürlich auch zu einem guten Stück daran, das wir im Vorfeld versucht haben, jedes Mitglied telefonisch zu erreichen, um eine Regelung bezüglich der Beitragszahlungen zu vereinbaren.
Grundsätzlich ist das Verständnis für unsere schwierige Situation und die Solidarität unserer Mitglieder hier in Schlitz besonders groß, dafür möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken. Es ist aber nicht auszuschließen, das die Bereitschaft, seinen Mitgliedsbeitrag weiterhin zu entrichten, abnimmt, umso länger die Schließung angeordnet ist.
Welche wirtschaftlichen Probleme ergeben sich für
Sie aus der Krise?
Der wirtschaftliche Schaden ist groß. Dennoch bin ich zuversichtlich. Während unsere Ausgaben in Form von Miete, Löhnen, Leasingraten uvm. nahezu ungemindert weiterlaufen, sind unsere einzigen Einnahmen die Beiträge unserer Mitglieder. Würden diese wegbrechen, müssten wir nach wenigen Wochen schließen. Aber so weit wird es nach meiner Einschätzung dank der Unterstützung durch die meisten unserer Mitglieder nicht kommen.
Welche Reaktionen erhielten Ihre Mitarbeiter auf Ihre Anrufe?
Die Reaktionen sind durchweg positiv. Ich finde, das es gerade in einer so extremen Situation wichtig ist, mit seinen Mitgliedern in Kontakt zu bleiben. Daher kam ein standardisiertes Anschreiben für mich nicht in Betracht. Wir wünschen uns von unseren Mitgliedern Verständnis und Solidarität und erleben dies auch tagtäglich. Dann ist es nur recht und billig, selbst eben auch Verständnis zu zeigen, wenn ein Mitglied durch Krankheit, Arbeitsplatzverlust oder Kurzarbeit von der Coronakrise betroffen ist. Hier können wir sofort die Beitragszahlungen aussetzen und/oder bereits jetzt individuelle Lösungen – bezogen auf die Beitragszahlung – auch für nach der eigentlichen Krise finden. Das geht am besten in einem Telefonat.
Mussten Sie Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken oder entlassen?
Bisher habe ich das bewusst nicht gemacht. Ob wir auch im Mai und vielleicht auch noch im Juni ohne Kurzarbeit durchhalten, kann ich jetzt nicht beantworten. In jedem Fall brauchen wir aber durchgehend einen Trainer für die telefonische Betreuung und zur Bearbeitung der schriftlichen Anfragen. Jeder Mitarbeiter wurde von mir in einem Gespräch darüber informiert, das er sich keine Sorge um seinen Arbeitsplatz machen muss. Gerade wenn wir die Studios wieder öffnen dürfen, wird es einen erhöhten Bedarf an geschultem und engagiertem Trainerpersonal geben.
Was tun Sie, um Ihre Kunden bei Laune zu halten?
Unsere Trainer erarbeiten mit unseren Mitgliedern Trainingspläne für Zuhause und laden eigene Online-Kursvideos auf unserer extra für diese Situation neu eingerichtete App hoch, damit unsere Mitglieder wenigstens einen kleinen Mehrwert aus ihrer Mitgliedschaft haben. Die Videos wurden in unserem Mutter-Studio in Künzell von einem professionellen Filmteam gedreht und man hat hier die Möglichkeit, „seinen Lieblingskurs“ mit „seinem Trainer“ von Zuhause mitzumachen. Ich lade jeden (auch Nicht-Mitglieder) dazu ein, sich kostenlos und unverbindlich die Zugangsdaten schicken zu lassen. Bei Interesse einfach eine Mail mit dem Stichwort: Online-Kurse an info@fit4life-schlitz.de senden.
Gibt es schon Signale, wann Sportstudios wie das Ihre wieder den Betrieb aufnehmen können?
Wir bekommen leider keinerlei Informationen. Unsere Vertreter der Landesregierungen sind sich hier selbst nicht so wirklich einig. Ich denke, das merkt man immer wieder, wenn man die Aussagen auf den Pressekonferenzen mit den jeweiligen Umsetzungen der Länder vergleicht. So erreichte mich eben die Nachricht, dass IKEA in Nordrhein-Westfalen jetzt öffnet, während in Bayern anscheinend sogar die Schulen noch länger geschlossen bleiben.
Leider haben die meisten Politiker die Wichtigkeit von Fitnesstraining für das Immunsystem nicht erkannt. Obwohl ich jedem Geschäft von Herzen gönne, das es wieder öffnen darf, so lässt sich die Einhaltung von Hygienevorschriften im Fitnessstudio weit besser umsetzen als in einem Baumarkt oder Möbelhaus. Es gibt Hand- und Flächendesinfektion, Waschbecken mit Seife und die Geräte benutzt man grundsätzlich alleine. Durch eine Beschränkung der Anzahl an Trainierenden könnte man auch zu sonst üblichen Stoßzeiten Mindestabstände und damit ein erhöhtes Ansteckungsrisiko weitgehend vermeiden. Gesunden Menschen aus Risikogruppen könnte man in Randzeiten für begrenzte Zeit sogar ein Einzeltraining anbieten.
Das macht durchaus Sinn, denn bei einer belastungswirksamen Reizung des Muskels werden Botenstoffe vom Körper ausgeschüttet, die entzündungshemmende Prozesse im menschlichen Organismus fördern und das Immunsystem nachhaltig auch vor etlichen Viren, wie auch dem Coronavirus, schützen können. Das bekommen nur die Wenigsten beim Joggen oder Radfahren hin.
Welches Fazit ziehen Sie bis jetzt aus der Krise?
Trotz der ganzen Herausforderungen, vor welches uns das Virus gerade stellt, wird aktuell jedem klar, wie wichtig eine gute körperliche Verfassung für die Gesundheit ist. Die Nachfrage nach Fitness und Gesundheitssport wird nicht mehr nur für einen attraktiven Körper von Bedeutung sein.
Das Verständnis durch gezieltes Training aktiv und nachhaltig auf sein Immunsystem einwirken und damit präventiv einer Vielzahl von Krankheiten vorbeugen zu können, ist jetzt bei jedem im Land angekommen. Da wir trotz allen medizinischen Errungenschaften auch in Zukunft immer wieder mit ähnlichen Erregern oder Krankheiten konfrontiert werden, ist die einzig richtige Konsequenz endlich selbst ins Handeln zu kommen und für sich selbst dafür zu sorgen, die bestmögliche Ausgangssituation für seinen Körper zu erlangen. Die Nachfrage an Vitamin D und an Omega 3-Fettsäuren geht deutlich nach oben. Das Interesse an gesunder Ernährung sowie Fitness- und Gesundheitstraining wird daher ganz sicher nach dem Shutdown größer sein als bisher.

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