Birgit Dunkel, Hanne Steuernagel, Jutta Schmidt, Wilfried Haas und Dekan Stefan Klaffehn (von links) setzen sich für mehr Lebensqualität der Klienten der Diakoniestation Lauterbach ein. / Foto: privat

Förderverein Lauterbach unterstützt Betreuungsangebot der Diakoniestation

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Lauterbach - Was auf den ersten Blick wie eine Spielesammlung zur Beschäftigungstherapie wirkt, stellt sich als sinn- und variantenreiche Maßnahme zur ganzheitlichen Förderung der Sinne demenziell erkrankter Menschen heraus. Mit der Finanzierung von „Quisensi“ hat der Förderverein Lauterbach der Diakoniestation ein neues Betreuungsangebot für die Arbeit mit Pflegebedürftigen bereitgestellt.

Sehen, hören, riechen, fühlen und schmecken sind die selbstverständlichen Sinneswahrnehmungen eines Menschen. Im Alter oder durch Krankheit können diese Wahrnehmungen reduziert werden oder teilweise vollständig ausfallen. Um die noch vorhandenen Fähigkeiten zu stärken, bedarf es besonderer Angebote. „Wenn ein Mensch in einem oder mehreren Sinnen eingeschränkt ist, dann leiden auch Bewegung und Kommunikation. Daher müssen wir den Pflegebedürftigen Angebote machen, die die Sinneseindrücke wieder aktivieren. Mit „Quisensi“ haben wir ein Spiel zur Verfügung, das mit Aktionskarten mit Formen und Farben zur Förderung der visuellen Fähigkeiten, Materialstrukturen oder Formen und Gewichten zum Anfassen, Geräuschen zum Hören sowie Geruchsdöschen zum Beispiel mit Kräutern, die man auch schmecken kann, Erinnerungen weckt“, erklärt die Betreuungsmitarbeiterin Birgit Dunkel von der Diakoniestation Lauterbach und fügt hinzu: „Wir können Aufgaben, Schwierigkeitsgrade und Spieldauer so variieren, dass Aufmerksamkeit, Konzentration, Spielfreude und vor allem die Kommunikation gefördert werden.“ Gemeinsam mit Krankenschwester Jutta Schmidt, die verantwortlich für die Schulung der Betreuungskräfte ist, hat sie die Spielesammlung ausgesucht, nachdem der Förderverein grünes Licht für die Anschaffung gegeben hat. „Die Erfahrungen haben gezeigt, dass sich durch Gerüche und Wahrnehmungen Erinnerungen wieder finden und Gespräche über Vergangenes in Gang kommen“, sagt Jutta Schmidt. Bei vielen Patienten können verloren geglaubte Erinnerungen und reiche Erfahrungsschätze mit „Quisensi“ wieder zu Tage befördert werden, ergänzt Hanne Steuernagel, die Leiterin der Diakoniestation Lauterbach. So erinnerte sich eine Patientin durch einen bestimmten Geruch, dass sie früher für die ganze Familie gekocht habe und wusste viele Geschichten zu erzählen. Für die Leiterin der Diakoniestation ist der Förderverein eine große Hilfe, da er den mobilen Pflegedienst in seiner Arbeit unterstützt, insbesondere im Bereich der Betreuung. Mit seinen etwa 160 Mitgliedern stellt der Verein um den Vorsitzenden, Dekan Stefan Klaffehn, der Diakoniestation jährlich etwa 3000 Euro zur Verfügung. Den Verantwortlichen im Vorstand und den Mitgliedern des Vereins ist es wichtig, dass sich die Arbeit der Schwestern nicht nur auf die rein pflegerischen Maßnahmen beschränkt, sondern dass sie sich bei Bedarf für die Patienten ein paar Minuten mehr Zeit nehmen; dass sie als Ansprechpartner da sind, auf Fragen eingehen und Hilfestellungen geben. „Wir möchten die Pflegekräfte der Diakoniestation Lauterbach in die Lage versetzen, den von ihnen betreuten Menschen ein Mehr an Zuwendung, ein Mehr an Zeit und ein Mehr an Material angedeihen zu lassen. Kurz gesagt: Die ganzheitliche Begleitung des Menschen“, erklärt Dekan Stefan Klaffehn. „Mit dem finanziellen Engagement für die Diakoniestation sollen Leistungen ermöglicht werden, die nicht durch die Pflege- oder Krankenkasse abgedeckt sind“, ergänzt sein Stellvertreter, der 2. Vorsitzende Wilfried Haas. Konkrete Maßnahmen können mit einer Finanzspritze durch den Förderverein verwirklicht werden. Von der Unterstützung für ein neues Diakoniefahrzeug über Hilfsmittel für Beschäftigungstherapien wie das Spiel „Quisensi“ bis hin zu kleinen Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenken für die betreuten Patienten der Diakonie, reicht die Palette der mit den Geldern des Fördervereins realisierten Maßnahmen. Über das verwendete Geld informiert der Vorstand die Mitglieder einmal im Jahr in der Jahreshauptversammlung, die meist mit einem Expertenvortrag zum Thema Pflege und Betreuung ergänzt wird. Hier wird im Rechenschaftsbericht detailliert offen gelegt, wie die eingegangenen Gelder verwendet wurden. Der Vorstand selbst arbeitet ehrenamtlich und ist bestrebt, möglichst viele Interessierte für eine Mitgliedschaft zu gewinnen, die für den Mindestbeitrag von 10 EUR pro Jahr durchaus erschwinglich ist. Zwar werde der Förderverein von den Menschen in der Region mitgetragen, „doch noch mehr Bereitschaft in der Bevölkerung, sich als Mitglied oder mit Spenden bei uns einzubringen wäre hilfreich“, wünscht sich der Dekan. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung hinsichtlich der Altersstruktur, sollten auch schon jüngere Menschen sich mit dem Thema Pflege und Betreuung auseinandersetzen, so der Fördervereinsvorsitzende. / rsb

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