Fotos: Schlitzer Bote

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Schlitz - Die Firma Langheinrich steht seit der Gründung 1832 für hochwertige Webereiarbeiten. Burkhard Oel ist seit 2002 Geschäftsführer des Unternehmens. Seit 2013 ist der 53-Jährige auch Inhaber der Traditionsweberei. Derzeit hat das Unternehmen rund 120 Mitarbeiter in Schlitz. Im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert er die gegenwärtige schwierige Lage.

Von unserem Redaktionsmitglied Bernd Götte

Herr Oel, wie ist das vergangene Jahr für die Firma Langheinrich gelaufen?

Wir haben in den letzten drei Jahren mehr als 3 Millionen Euro in die Weberei investiert. Sicherlich war diese Entscheidung zum großen Teil auch emotional geprägt, um den Standort hier in Schlitz zu halten – weniger im Hinblick auf überproportionale Gewinnerwartungen der Gesellschafter. Jedoch haben sich in den letzten drei Jahren während der Investitionsphase einige Branchen- als auch externe Rahmenbedingungen verschlechtert.

Welche meinen Sie?

Der Tischdeckenmarkt ist rückläufig. Insbesondere der gehobene Gastronomiebereich sowie die neuen puristischen Hotels setzen immer weniger Tischdecken im täglichen Geschäft ein. Lediglich Servietten und Platzsets, wobei letztere immer häufiger durch Plastikartikeln ersetzt werden. Trotzdem ist es uns gelungen die Umsatz- und Absatzaktivitäten eines türkischen Mitwerbers komplett im letzten Jahr zu übernehmen. Dadurch konnten wir unseren Umsatz um 2 Mio. Euro steigern. Damit ist Langheinrich in Europa mit Abstand der größte vollstufige Produzent für Tischdecken.

Das hört sich doch gut an, wo ist das Problem?

Das wir national wie international in den letzten zehn Jahren unsere Preise nicht erhöhen konnten. Unsere Sortimente bestehen leider überwiegend nur noch aus Massenartikeln. Da geben uns die Asiaten und Ägypter leider die Preise vor. Mit anderen Worten, unsere Kosten sind zu hoch und die Erlöse zu gering.

Und wie soll es weitergehen?

Wir sind zur Zeit dabei einige Umstrukturierungen im Unternehmen vorzunehmen.

Was heißt das konkret?

Die unterschiedlichen Handlungsoptionen werden gerechnet, so dass wir Anfang März dazu nähere Informationen geben können. Aber Eines ist auch klar, wir werden nicht um eine Reduzierung der Mitarbeiterzahl herum kommen. Leider konnten wir Zeitverträge nicht verlängern und mussten schon vier betriebsbedingte Kündigungen aussprechen. Dazu musste auch der Tarifvertrag zum 28. 2. 2020 gekündigt werden. Ziel ist es jedoch nach der Umstrukturierung den Tarifvertrag zu erneuern. Im Zug der Neuausrichtung kommt es sicherlich auch zu einer Neubewertung des Immobilienbestandes.

Wann wird die Umstrukturierung nach Ihrer Einschätzung beendet sein?

Nach der Information der Mitarbeiter Anfang März werden wir schnellstmöglich mit der Umsetzung beginnen. Wir hoffen zu dem Termin bereits konkrete Aussagen treffen zu können.

Sie sprachen auch von externen Rahmenbedingungen die Ihnen das Leben als mittelständischen Unternehmer nicht leichter machen. Welche meinen Sie da?

Wenn Sie wollen können wir da auf Bundesebene anfangen. Die EEG Umlage beschert uns die höchsten Energiekosten in Europa. Weit und breit stockt der Ausbau der erneuerbaren Energien, meine Frage ist, wofür zahlen wir?

Die Umwelt- und insbesondere die Brandschutzauflagen haben mit gesundem Menschenverstand im Vergleich mit anderen Ländern nichts mehr zu tun. Die gesamte Klima- und Umweltdiskussion ist sicherlich richtig und auch wir haben uns dazu gegenüber unseren Kunden verpflichtet CO2-neutral zu werden. Aber keiner unserer Kunden ist bereit auch nur einen Cent mehr zu zahlen. Das Problem in Deutschland ist doch, dass keine der politischen Parteien mehr den Mut hat wirklich notwendige Reformen anzugehen.

Haben Sie deshalb vor kurzen den Herrn Hohmann von der AfD zum Gespräch eingeladen?

Ja, dies habe ich sehr gerne gemacht. Wir haben uns ausgiebig über die aktuelle Situation hinsichtlich der Migration von Flüchtlingen sowie andere Themen ausgetauscht. Es war ein sehr angenehmes und offenes Gespräch. Ich habe schon länger versucht politischen Kontakt auch mit Vertretern anderer Parteien aufzunehmen. Hohmann war zu einem Treffen und zu einem Gespräch über Zuwanderung bereit. Mein Eindruck ist, dass er qualifizierte Zuwanderung begrüßt, aber die Einwanderung in die Sozialsysteme ablehnt. Damit sind wir uns, auch wenn ich sonst einiges an seiner Partei zu kritisieren hätte, einig. Wie mir zur Ohren gekommen ist, haben sich einige kommunale Politiker sehr negativ über Herrn Hohmanns Besuch geäußert. In den letzten drei Jahren hat sich niemand der hiesigen politischen Vertreter für die Anliegen der Firma Langheinrich interessiert.

Und was haben Sie an Schlitz zu kritisieren?

Ich möchte nichts kritisieren, dies steht mir auch nicht zu. Dafür bin ich seit 18 Jahren zu gerne jeden morgen nach Schlitz zur Arbeit gefahren und habe mich am öffentlichen Leben auch als Unternehmer beteiligt. Aber es muss schon erlaubt sein bestimmte Dinge offen anzusprechen, die nicht unbedingt nur typisch für diese Region sind. Da sind mir zwei Dinge in den letzten Jahren verstärkt aus Sicht des Unternehmens aufgefallen.

1. Mit welcher Leichtfertigkeit Ärzte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen krankschreiben ist schon erschreckend. Da fehlt mir zum Teil jede sozialpolitische Verantwortung. Dies ist ein echter Standortnachteil. Dieses hat dem Unternehmen in den letzten Jahren schon mehre 100 000 Euro gekostet. Sicherlich ist es in der Beurteilung eines jeden Falles nicht immer einfach aus der Sicht des Arztes eine Entscheidung zu treffen. Ich erlaube mir dies zu schreiben, da jeder in meinem Unternehmen weiß, dass er oder sie mit meiner vollen Unterstützung bei Krankheit rechnen kann.

2. Es ist sehr schwierig geeignete Auszubildende im kaufmännischen oder gewerblichen Bereich zu finden. Aber noch schlimmer ist es, dass sich Schüler bewerben, die nur Einser und Zweier in den Zeugnissen haben, aber beim Dreisatz schon kläglich scheitern. Es muss langsam mal Schluss sein mit der politisch gewollten und angeordneten Notenvergabe. Zeugnisse sind auf jeden Fall schon lange kein Einstellungskriterium mehr.

Sie sind ja für ihre Bemühungen um die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt mit dem Hessischen Integrationspreis ausgezeichnet worden. Wie sind Ihre Erfahrungen mit den Beschäftigten aus anderen Ländern?

Um es klar zu sagen: Wenn wir die Migranten nicht gehabt hätten, wäre die Firma Langheinrich nicht in der Lage gewesen, den Betrieb in diesem Ausmaß aufrecht zu erhalten. Wir haben tolle Mitbürger, die sich super integriert haben. Derzeit sind acht Migranten bei uns beschäftigt. Bis wir diese aber zu echten Fachkräften ausgebildet haben, ist es noch ein weiter Weg.

Welche Wünsche haben sie an die Politik in Bezug auf die Regelungen für aus-ländische Arbeitnehmer?

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz war überfällig. Als Unternehmer wünsche ich mir mehr Verlässlichkeit von der Politik. Somit fehlt den Unternehmen Planungssicherheit, wenn sie sich auf gut integrierte und fleißige Mitarbeiter stützen wollen. Es ist ungerecht, wenn solche abgeschoben werden, während es sich andere in der sozialen Hängematte gemütlich machen. Zudem wird das Image der wirklich gutwilligen und arbeitsamen Migranten durch die Letztgenannten beschädigt.

Da gibt es allerdings gesetzliche Vorgaben.

Wenn Leute in unserem Land Straftaten begehen, dann müssen sie das Land verlassen. Es kann nicht sein, dass kriminelle Gefährder nicht abgeschoben werden können. Die Politik ist aber nicht in der Lage, dies im Sinne der Bevölkerungsmehrheit zu regeln. Das leistet dem Rechtsradikalismus Vorschub.

Herr Oel, sie haben jetzt einige Hürden genannt, die Ihr Dasein erschwert. Was reizt sie trotzdem, auf Ihrem Posten weiterzumachen?

Trotz meiner 53 Jahre habe ich noch den persönlichen Anspruch etwas zu bewegen, dazu gehört es auch manchmal unangenehme Themen aufzugreifen. Es ist jeden morgen schön als Unternehmer etwas unternehmen zu dürfen.

Nicht umsonst ist man Unternehmer. Man muss etwas unternehmen. Man muss für neue Aufgaben neue Lösungen finden. Das finde ich spannend.

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