Das MVZ Vogelsbergkreis hat seine Praxis in Freiensteinau in den Räumen der ehemaligen Hausarztpraxis Böhme diese Woche in Betrieb genommen.
+
Das MVZ Vogelsbergkreis hat seine Praxis in Freiensteinau in den Räumen der ehemaligen Hausarztpraxis Böhme diese Woche in Betrieb genommen.

Neue Software eingeführt

Das MVZ Vogelsbergkreis hat den Betrieb aufgenommen - Patienten brauchen Geduld

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
    schließen

Zum Jahresbeginn hat das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Vogelsbergkreis mit seinen Praxen in Freiensteinau und Grebenhain den Betrieb aufgenommen – und bereits jetzt den ersten Patientenansturm erlebt.

Freiensteinau - „Montag und Dienstag hatten wir die Praxen noch geschlossen. In Grebenhain ist der Betrieb am Mittwoch ganz gut angelaufen. In Freiensteinau hatten wir überproportional viele Patienten“, berichtet der Geschäftsführer des MVZ, Ulf Werner. Das habe vielleicht auch daran gelegen, dass an den Vortagen „einige Patienten weggeschickt“ worden seien. Der 50-Jährige ist zudem Leiter der Abteilung Versorgungs- und Projektmanagement bei der OptiMedis AG, die die Geschäftsbesorgung für das MVZ wahrnimmt.

Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Aus ehemals zwei selbstständigen Praxen entstand zum Jahreswechsel mit dem MVZ ein neues Unternehmen: „Die Praxen nutzten verschiedene Programme für ihre Dokumentationssysteme. Daher haben wir eine neue Software eingeführt, für die die Mitarbeiter am Montag und Dienstag geschult wurden. Aber auch in der nächsten Zeit sollten die Patienten etwas Geduld mitbringen. Jeder muss bei seinem ersten Besuch eine Patienteneinwilligungserklärung unterschreiben.“ Diese Formalie gelte auch für jene Personen, die bisher schon bei Kathrin Mißmer in Grebenhain oder Andreas Böhme und Viola Aulbach in Freiensteinau in Behandlung waren. Sie ist nur einmal nötig – und zwar bevor von den Ärzten eine Behandlung begonnen oder etwa ein Medikament verschrieben werden kann.

Vogelsberg: Patienten benötigen Geduld - MVZ Vogelsbergkreis hat Betrieb aufgenommen

In Freiensteinau müssen sich die Patienten umstellen. Bisher konnten sie ohne Anmeldung die Praxis aufsuchen. Künftig werden telefonisch Termine vergeben. „Diese Umstellung ist von beiderseitigem Nutzen. Es gibt keine langen Wartezeiten und wir können besser planen – insbesondere, wenn bei den Patienten Symptome etwa einer Grippe oder von Covid vorliegen. Wir wollen das im ersten Quartal umsetzen“, erläutert Werner.

Was das ärztliche Personal angeht, gibt es in Freiensteinau keine Veränderungen – zumindest aus Sicht der Patienten. Allerdings ist Böhme nicht mehr selbstständig, sondern wie seine Kollegin Aulbach beim MVZ angestellt. In Grebenhain hat Kathrin Mißmer ihren Arztsitz zurückgegeben. Für sie praktiziert dort nun die Schlüchternerin Stephanie Darmstadt als angestellte Ärztin. „Ab Mitte Februar wird dort ein weiterer Facharzt für Allgemeinmedizin tätig sein. Es fehlt nur noch die Entscheidung des Zulassungsausschusses der Kassenärztlichen Vereinigung“, kündigt der Geschäftsführer an. Der neue Arzt ist Mitte 50 und hat bisher in einer Gemeinschaftspraxis in Friedberg praktiziert.

Geschäftsführer Ulf Werner: „Wir versuchen, weitere Ärzte zu gewinnen“

Ist damit das medizinische Personal des MVZ vollständig? Nur zunächst, wie der Geschäftsführer ausführt: „Wir versuchen, weitere Ärzte zu gewinnen.“ Voraussetzung dafür sei eine entsprechende räumliche Ausstattung. Konkrete Überlegungen gibt es für einen Anbau in Grebenhain und für ein neues Ärztehaus in Freiensteinau. Zu diesem hält sich Werner bedeckt, räumt aber ein: „Es gibt mehrere potenzielle Investoren, die auf eigene Rechnung bauen wollen.“ Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich um zwei Interessenten, die bereits im Blauen Eck unternehmerisch tätig sind.

Wie viele Patienten das MVZ künftig versorgen wird, konnte Werner nur kalkulieren. Aussagekräftiger sei die Zahl der „Fälle pro Quartal“. Die Praxis Mißmer habe etwa 1000 gehabt, die Praxis Böhme um die 1600: „Wir wollen versuchen, mit den vier Ärzten auf 3500 Fälle pro Quartal zu kommen. Das entspricht etwa 900 Fälle pro Arzt.“

Ziel sind 3500 Fälle pro Quartal - Das sind etwa 900 Fälle pro Arzt

Das bedeutet letztlich, dass das MVZ zusätzliche Patienten aufnehmen wird. Da in Grebenhain die Praxis Fischbach mit zwei Ärzten im Dezember geschlossen hat, ist eine entsprechende Nachfrage vorhanden.

Dazu der MVZ-Geschäftsführer: „Schon vor dem Jahreswechsel kamen viele und haben ihre Akten gebracht oder angerufen, ob sie aufgenommen werden können. Ich bitte darum, erst dann Termine zu vereinbaren, wenn ein Arztbesuch nötig wird. Ich verstehe, dass die Patienten Sicherheit haben wollen. Es stellt uns aber gerade am Anfang vor eine Herausforderung.“ Schließlich müssten Arztbriefe, Medikamentenlisten und andere Unterlagen dokumentiert und eingescannt werden.

Das könnte Sie auch interessieren