Der Tiefbrunnen in Freiensteinau versorgt die Bürger in den Gemeinden Hosenfeld und Neuhof.
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Der Tiefbrunnen in Freiensteinau versorgt die Bürger in den Gemeinden Hosenfeld und Neuhof.

Wasser für Kreis Fulda

Ein Tiefbrunnen, zwei Kreise, drei Gemeinden - „es läuft wie geschmiert“

  • Sebastian Reichert
    VonSebastian Reichert
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Den Begriff „Interkommunale Zusammenarbeit“ (IKZ) nehmen Bürgermeister für Projekte gerne in den Mund – ist er doch oft mit einer stattlichen Landesförderung verbunden. IKZ gab es jedoch bereits vor der Gebietsreform der 1970er Jahre. Das beste Beispiel ist ein Tiefbrunnen im Vogelsberg.

Freiensteinau/Fulda - Das unscheinbare Gebäude, umgeben von einem Maschendrahtzaun, ist nicht größer als eine Autogarage. Kaum ein Radler, der zwischen dem Hosenfeld-Jossa oder Neuhof-Hauswurz im Landkreis Fulda unterwegs nach Freiensteinau-Reichlos (Vogelsbergkreis) ist, nimmt groß Notiz von ihm.

Interessanter dürften da schon die Greifvögel sein, die in dem Gebiet häufig ihre Runden drehen; oder grasende Rehe. Lediglich der über der braunen Tür angebrachte Namenszug gibt einen kleinen Hinweis: „Pumpstation Jossa/Hauswurz 1967“. Als der etwa 36 Meter tiefe Brunnen vor mehr als fünf Jahrzehnten gebohrt wurde, gab es etliche Gespräche zwischen den benachbarten Gemeinden.

Fulda: Ein Tiefbrunnen, zwei Kreise, drei Gemeinden - Wasserversorgung „läuft wie geschmiert“

„Die Verhandlungen wegen der anstehenden Gebietsreform liefen schon“, erinnert sich Fritz Helwig, der 1968 sein Amt als letzter Bürgermeister der Gemeinde Reichlos antrat. Damals habe ein Zusammenschluss mit Weidenau und Hauswurz im Raum gestanden – es kam jedoch anders. Reichlos gehört heute zu Freiensteinau und damit zum Vogelsbergkreis, während Hauswurz der Gemeinde Neuhof zugeschlagen worden ist.

Gesprochen wurde aber auch über die Wasserversorgung. „Der Brunnen für Jossa und Hauswurz wurde auf einem Grundstück der Gemeinde gebohrt. Dort war früher ein Acker, der dann eingesät wurde. Die verpachtete Wiese war unheimlich nass und wurde als Weide genutzt. Wir wollten eine Entschädigung für die Nutzung haben“, erinnert sich Helwig. „Das wurde von den Hauswurzern abgelehnt. Wasser sei Allgemeingut, hieß es. Ob bereits unter meinem Vorgänger Paul Dahmer Geld geflossen ist, kann ich nicht sagen.“

Die Kosten für den Brunnen hätten sich Hauswurz und Jossa geteilt. Heute sind neben drei Gemeinden – Freiensteinau, Hosenfeld und Neuhof – zwei Landkreise, Vogelsberg und Fulda, sowie zwei Regierungspräsidien – Gießen und Kassel – für den Brunnen und insbesondere für die Qualität des dort geförderten Wassers direkt oder indirekt zuständig.

Trinkwasser aus dem Vogelsbergkreis für den Landkreis Fulda

„Wir waren nur vor einigen Jahren an der neuen Grenzziehung der Wasserschutzgebiete beteiligt. Jeder hat dem Vorhaben den Weg geebnet, damit die Wasserversorgung über Gemeindegrenzen hinweg gesichert ist. Man könnte sich vorstellen, dass es zwischen den Gemeinden knirscht. Aber es läuft wie geschmiert“, betont Freiensteinaus Rathauschef Sascha Spielberger (parteilos).

Helwig kann sich erinnern, dass die Heckenmühle – ein dem Brunnen benachbartes, aber mehrere Kilometer vom Dorf entfernt liegendes Einzelgehöft – „an die Wasserleitung nach Jossa angeschlossen wurde. Joachim Schmitt, bei der Gemeinde Hosenfeld für die Wasserversorgung zuständig, bestätigt dies. „Ja, die Heckenmühle hängt da dran. Sie ist aber abgeklemmt. Der Schieber wurde vor einigen Jahren geschlossen, weil es immer wieder Probleme mit dem Frostschutz gab.“

„In dem Brunnen hängen zwei Pumpen, von denen je eine Leitung nach Hauswurz und nach Jossa zum Hochbehälter bei den Höfen oberhalb des Dorfes führen. Versorgt werden von dort neben Jossa die Ortsteile Pfaffenrod und Brandlos“, ergänzt Hosenfelds Bürgermeister Peter Malolepszy (CDU).

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Zwischen 120 und 160 Kubikmeter Trinkwasser werden täglich für die 750 Einwohner der drei Dörfer gefördert. Im Jahr sind das etwa 48.000 Kubik. In Hauswurz, so heißt es aus dem Neuhofer Rathaus, werden mit 40.000 Kubik pro Jahr etwas weniger Wasser verbraucht.

Ein Thema, bei dem es auf die Zusammenarbeit zwischen den Rathäusern ankommt, ist die angedachte Sanierung des Brunnens. Malolepszy: „Da müssen wir uns mit Neuhof abstimmen. Das Problem ist, dass der Brunnen die einzige Versorgungsmöglichkeit für Hauswurz darstellt.“

Hosenfeld hat vorgesorgt, wie Schmitt betont: „Die neue Pumpe im Jossaer Brunnen kann bei Bedarf auch Wasser zum 600 Meter entfernten Hochbehälter des Reichloser Brunnens fördern. Dazu müsste eine provisorische Leitung gelegt werden.“

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