Ein Triebwagen auf der Vogelsbergbahn vor der Kulisse von Herbstein.
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Ein Triebwagen auf der Vogelsbergbahn vor der Kulisse von Herbstein.

Buch über die Geschichte

Vogelsbergbahn besteht seit 150 Jahren: Heute wie damals keine Feierlichkeiten

Prägend seit eineinhalb Jahrhunderten: Die Strecke der Vogelsbergbahn besteht seit genau 150 Jahren. Wie bei der Eröffnung wird nicht groß gefeiert.

Vogelsberg/Fulda - Mit der Inbetriebnahme des letzten 20 Kilometer langen Abschnittes Bad Salzschlirf–Fulda am 31. Juli 1871 war der letzte Abschnitt der anfänglich privaten Oberhessischen Eisenbahn von Gießen nach Fulda fertiggestellt, berichtet Bahnhistoriker Jürgen Röhrig. Leider sei das Ereignis damals überschattet gewesen vom Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871.

So fanden keine Eröffnungsfeierlichkeiten statt. 150 Jahre später verhindert die Corona-Pandemie, das Jubiläum mit schon geplanten Bahnhofsfesten und Sonderfahrten zu würdigen. Der damalige Bau der Oberhessischen Eisenbahn hatte das wirtschaftliche Wachstum in Oberhessen und angrenzenden Gebieten gefördert, hat Röhrig recherchiert.

Nicht nur der Bau und der Betrieb der Bahnen habe neue Arbeitsplätze geschaffen und den Berufsalltag vieler Menschen verändert. Auch neue Industrien seien entstanden oder bereits bestehende hätten dank der Eisenbahn ihre Absatzmärkte erweitern oder rentabler wirtschaften können. Als Beispiele nennt der Pohlheimer den Erz- und Braunkohlenbergbau, Hütten- und Zuckerwerke, die Produktion von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und deren Verarbeitung, die Holzindustrie und Basaltbergbau. (Lesen Sie hier: Fahrplan der Vogelsbergbahn wird erweitert)

Fulda bis Gießen: Vogelsbergbahn besteht seit 150 Jahren

1876 ging die Oberhessische Eisenbahn in das Eigentum des Großherzogtums Hessen über, weil die Erwartungen an einen Transitverkehr über die Strecken sich nicht erfüllten. Der erste Fahrplan unter der Regie der Großherzoglichen Direktion wies für die Strecke Gießen–Fulda sieben durchgehend verkehrende Züge auf, ergänzt durch zwei Züge auf den Teilstrecken Alsfeld–Fulda und Gießen–Alsfeld.

Am 1. April 1897 wurde die Strecke Gießen–Fulda in die Preußisch-Hessische Eisenbahngemeinschaft eingegliedert und der Eisenbahndirektion Frankfurt unterstellt. In der Regel wurden etwa sechs Züge pro Richtung eingesetzt, die die Nachfrage einigermaßen abdeckten.

Die Eisenbahn im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts war dabei kein Nahverkehrsmittel im heutigen Verständnis, erklärt Röhrig. Der Nutzung im Arbeiter- und Ausbildungsverkehr standen noch die Bedienungshäufigkeit und die Höhe der Fahrpreise entgegen. Der Bau der Strecken sollte vor allem weite Landstriche an den „Weltverkehr“ anschließen.

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg wurde die Strecke weiter ausgebaut. In diese Zeit fielen auch die Erweiterungen der Bahnhöfe Lauterbach und Alsfeld sowie die Einrichtung der Kreuzungsstation beim heutigen Fuldaer Stadtteil Maberzell. Brücken wurden für höhere Zuglasten und Geschwindigkeiten erneuert und zahlreiche Stellwerke zur Sicherung des Zugbetriebs gebaut.

150 Jahre Vogelsbergbahn: Buch zur Geschichte erschienen

Die Geschichte der Bahnlinien von Gießen nach Fulda und Gelnhausen haben mehrere Autoren um Stefan Klöppel und Jürgen Röhrig zum Anlass genommen, ein Buch zur 150-jährigen Geschichte der Oberhessischen Eisenbahnen zu publizieren. Es beleuchtet auch die Geschichte der ab 1888/1890 abzweigenden Nebenbahnen in der Region.

Das Buch behandelt die lange Geschichte der Strecken, zeigt betriebliche Besonderheiten auf, wirft aber auch den Blick auf die Zukunft. Zahlreiche Tabellen, Dokumente und vor allem Fotografien ergänzen den Textteil. Unterstützt haben das Projekt die Verkehrsgesellschaft Oberhessen und die Hessische Landesbahn.

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