Zwischen Tegut-Azubis und den Bewohnern der Lebensgemeinschaft entstanden viele Freundschaften. / Foto: Volker Nies

Gemeinsames Projekt: In die Welt des anderen blicken

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Sassen/Richthof - In engen Austausch mit einer Welt treten, mit der man üblicherweise nicht viel zu tun hat und dabei eine Menge über andere Menschen und sich selbst lernen – das war das Ziel des Projekts „Brücken bauen“ von Tegut und der Lebensgemeinschaft Sassen/Richthof. Die Beteiligten ziehen begeistert Bilanz.

„Man denkt, die Bewohner der Lebensgemeinschaft seien eingeschränkt. Ja, sie sind anders. Sie sind mit unglaublicher Offenheit auf uns zugegangen. Freundschaft wird viel intensiver wahrgenommen“, sagt Tegut-Auszubildende Jessica (19). „Die Menschen in der Lebensgemeinschaft sehen bei neuen Aufgaben nicht erst einmal die Probleme. So sind sie bei neuen Herausforderungen nicht von Ängsten blockiert“, erklärt Anna-Lena (19).

Acht Monate lang haben sechs Auszubildende der Tegut-Zentrale aus dem ersten Lehrjahr und je drei Bewohner der Lebensgemeinschaft in Sassen und Richthof eine Partnerschaft aufgebaut, die zur Freundschaft wurde. „Wir wollten den Bewohner unserer Dörfer, die wir Dörfler nennen, eine intensive Begegnung mit Menschen aus anderen Lebensformen ermöglichen“, erklären Daria Löwenguth-Wachter und Norbert Löwengut, Hausverantwortliche des Bettina-von-Arnim-Hauses am Richthof, in dem zehn geistig benachteiligte Menschen wohnen. Weil der langjährige Tegut-Chef Wolfgang Gutberlet ihnen seit langem verbunden ist, haben sie Kontakt mit Tegut aufgenommen.

Azubis und Dörfler, die sechs Paare bildeten, haben den Alltag des Anderen erlebt, und sie haben viel gemeinsam erlebt. Die Dörfler haben ihren Partner zwei Tage an dessen Arbeitsplatz in der Zentrale begleitet und haben die Arbeit in der Logistikzentrale erlebt. Die Azubis tauchten eine Woche in den Alltag der Lebensgemeinschaft ein. Azubis und Dörfler haben gemeinsam Weihnachten und Dreikönig gefeiert, gekocht und Improvisationstheater gespielt. Höhepunkt waren drei erlebnispädagogische Tage mit Klettern, Paddeln, einer Nachtwanderung und einer Höhlenerkundung.

Ziel war es, eigene und fremde Fähigkeiten wahrzunehmen und etwa zu sehen, dass vermeintlich behinderte Menschen andere Menschen viele Fähigkeit voraushaben können, und dass sich Menschen gegenseitig unterstützen können – egal ob sie Dörfler oder Azubis sind.

„Die Teilnehmer haben Brücken gebaut – zu anderen Menschen und zu eigenen, vielleicht verborgenen Fähigkeiten“, erklärt Daria Löwenguth-Wachter. Dass die Dörfler erlebten, wie sie anderen in schwierigen Situationen helfen konnten, sei für sie ein tolles Erfolgserlebnis gewesen.

„Diese Stärken haben uns manchmal überrascht“, berichtet Auszubildende Constanze (16). Dörfler Dirk (49) freut es, dass er den Alltag bei Tegut kennenlernen konnte, Marion (49) ist über die entwickelte Partnerschaft mit den Tegut-Azubis glücklich.

Die Ergebnisse des Projekts werden am Freitag, 4. Juli, in der Tegut-Zentrale vorgestellt. Damit sollen der Brückenbau nicht enden. „Die Patenschaften wird bleiben. Der Wunsch nach weiteren Begegnungen ist da“, sagt Vey. „Das Projekt hat alle Teilnehmer bereichert“, erklärt Daria Löwenguth-Wachter.

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