Lesung in der Gesamtschule Schlitzerland: Laura Prendota (von links), Katharina Clauss und Laura Nold. /Foto: privat

Gewinnerinnen des Jugend-Literaturpreises lesen in Schlitzer Gesamtschule

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlitz - Wie kommen Autoren zu ihren Geschichten? Eine Frage, die viele Leser umtreibt. Drei junge Autorinnen berichteten in der Gesamtschule Schlitzerland davon, was sie dazu bewogen hat.

Die 19-jährige Laura Nold aus Grünberg hat ihre Geschichte nach einer wahren Begebenheit aufgeschrieben: „Ich wartete am Bahnsteig auf den Zug, als die Durchsage kam, er habe sich verspätet, weil sich eine Person vor den Zug geworfen hatte. Die meisten Leute, die dort standen, regten sich auf, dass der Zug Verspätung habe. Aber keiner fragte nach dem Schicksal der Selbstmörderin.“ Laura recherchierte und bekam heraus, dass es sich um eine 18-Jährige handelte. Und sie schrieb eine fiktive Geschichte um diese junge Frau: „Kein Muttertag.“ Eine Geschichte die nach Gründen fragt und danach, wie Hinterbliebene mit der Trauer umgehen.

Eine handwerklich solide geschriebene Geschichte, die zum Nachdenken anregt. Deshalb wählte sie die Jury des Jugend-Literaturpreises der OVAG 2015 zu einer von 22 Gewinnerinnen aus. Für eine Lesung waren sie und zwei andere Preisträgerinnen nach Schlitz gekommen.

Wie Laura Prendota (19 Jahre) aus Niddatal zu ihrer Idee kam, liegt auf der Hand. Sie absolvierte ein Freiwilliges Soziales Jahr in Ecuador, wo sie in einer Schule in einem Armenviertel Englisch unterrichtete. Dort wurde sie mit häuslicher Gewalt konfrontiert, die allgemein bekannt und sichtbar ist, über die jedoch kaum einer offen spricht. Daraus entstanden ist der Text „Hundeleben“. Darin will ein Deutscher einer jungen Frau helfen, die von ihrem Mann geschlagen wird. Am Ende muss er erkennen, dass er machtlos ist, dass die Frau, nicht ihrem familiären Kreis entkommen kann. „Das ist bitter“, antwortete Laura auf Fragen der Zuhörer. „Man möchte helfen, kommt aber nicht durch. Das ist nicht einfach zu akzeptieren.“

Eine Persiflage auf Märchen hat Katharina Clauss (20) aus Lauterbach zum Erfolg verholfen. In „Zweieinhalb Prinzen“ stellt sie Stereotype des Märchens wie die Geschlechterrolle auf den Kopf. Flott erzählt mit viel Witz und Augenzwinkern. Und ein Happyend gibt es am Ende auch noch.

Das Buch „Gesammelte Werke“ mit den Texten aller 22 Preisträger (200 Seiten, Hardcover) kostet 12 Euro und kann bestellt werden unter der Rufnummer 06031 6848 1222. Einsendeschluss für den Jugend-Literaturpreis 2016 ist der 15. Juli. Nähere Informationen dazu unter 06031 6848 1222. /rsb

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