Grandioses Tour-Finale des North Star Boys’ Choir in der Schlitzer Stadtkirche

  • VonRedaktion Fuldaer Zeitung
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SCHLITZ - „Für uns ist es der Höhepunkt, hier zu sein“, sagte Dirigent Francis Stockwell, als er und sein North Star Boys’ Choir in der Schlitzer Stadtkirche das Finale ihrer dreiwöchige Europatournee gestalteten. Schon mehrfach waren die Sänger aus dem US-Bundesstaat Minnesota in der Burgenstadt zu Gast. „Wir fühlen uns hier zu Hause“, so Stockwell. Die Sänger traten in zwei verschiedenen Formationen auf und boten ein Repertoire, das von moderner ‘Klassik’ bis hin zu lockerer und gestenreicher Barbershop-Musik reichte.

Von unserem Mitarbeiter Martin G. Günkel

Den Anfang machte der große Kinderchor, später war auch ein Septett mit Jugendlichen zu hören. Unter anderem barocke Stücke standen auf dem Programm, etwa Baldassare Galuppis „Dixit Dominus“ oder Johann Sebastian Bachs „Jesu, Joy of Man’s Desiring“.

Der warme Klang, die sauberen Harmonien, die Entspanntheit der Sänger – all das trug zu Interpretationen bei, die in jeder Hinsicht warm waren. Obendrein wurde schon innerhalb weniger Stücke die große Palette der Klangfarben deutlich, die immer passend zur Dramaturgie der Stücke zum Einsatz kam. Bemerkenswert ist das auch deshalb, weil die jüngsten Mitglieder des Chores gerade einmal neun Jahre alt sind.

Ruhige Grundstimmung

Genrebegriffe wie „Klassik“ oder „Spiritual“ sind nur eine Orientierungshilfe, um sich im CD-Geschäft zurechtzufinden. Ähnlich hat das der Schauspieler und Musiker Hugh Laurie („Dr. House“) einmal gesagt. Wie zutreffend das ist, zeigte sich auch bei den Kindern des North Star Boys’ Choir, der Stücke verschiedenster Genres zu einem komplett stimmigen Programm zusammengefügt hatte.

Der Spiritual „Nobody Knows the Trouble I’ve Seen“ und der Traditional „Amazing Grace“ gehörten ebenfalls dazu. „Amazing Grace“ war ganz ruhig und bestand aus hellen, schwebenden Klängen. Jede Strophe war anders gesetzt, doch die ruhige Grundstimmung zog sich durch die gesamte Interpretation – ein Höhepunkt. Bei „Nobody Knows“ sang das Septett mit dem Kinderchor, was bestens funktionierte. „Pueri Concinite“ ist eigentlich ein Weihnachtslied, das dem Chor aber so gut gefällt, dass er es das ganze Jahr singt. Chrytral Rossow begleitete die Sänger an der Orgel, Chormitglied Vincent VanHatten begeisterte als Solist.

Absolut bemerkenswert

Mit einem „Agnus Dei“ von David Hönigsberg war sogar eine moderne atonale Komposition dabei. Der Komponist hat für den Chor zwei Messen geschrieben. Francis Stockwell erklärte, das „Agnus Dei“ habe viele Dissonanzen, die aber nie unangenehm seien. Da versprach er nicht zu viel. Dass so junge Sänger diese Art von Harmonik so mühelos beherrschen, und das auch noch a cappella, ist absolut bemerkenswert. Bei anderen Stücken spielte Stockwell eine Klavierbegleitung, doch gerade bei diesem mussten die Sänger alleine klarkommen, ohne einen Grundtonbezug.

Das Septett der Jugendlichen war nach der Pause an der Reihe. Mit seinem lockeren Klang faszinierte das Ensemble sein Publikum mit Stücken wie „Dry Bones“, „Swing Low, Sweet Chariot“ oder „Mad World“. Für diese Formation galt das gleiche wie für die Kinder: Das Spektrum der Klangfarben war enorm, und jedes Mal wussten es die Sänger für Melodien und Atmosphäre der Musik richtig einzusetzen. Gerade bei „Mad World“ begeisterten sie damit, wie sie mit ganz subtilen Veränderungen große Wirkungen erzielten.

Schlichtweg grandios

Barbershop-Musik hört sich leicht an, ist aber schwer zu singen, wie Francis Stockwell erklärte. Normalerweise wagen sich nur erwachsene Chöre an diesen Stil heran, doch die Kinder des North Star Boys’ Choir haben damit schon erfolgreich an einem internationalen Wettbewerb teilgenommen. Die Sänger kamen mit bunteren Kostümen nach vorne, als sie sie vor der Pause getragen hatten. Mit lockerem Ausdruck und synchronen Gesten zur Musik zauberten sie mehrere Barbershop-Stücke hin. Dabei kamen sie weitestgehend ohne Dirigat klar. Francis Stockwell saß auf der vordersten Kirchenbank ganz außen und machte nur ab und zu die eine oder andere kleine Geste. Stücke wie „I Believe in Music“ und „Sitting on Top of the World“ waren schlichtweg grandios.

Nach dem Abschnitt mit den Barbershop-Stücken drehten die Jungen ihre Westen herum, so dass sie nun wieder elegant in Schwarz gekleidet waren. Sie sangen zum Beispiel „Over the Rainbow“, ehe sie in den deutschsprachigen Raum wechselten. „Der Almsee ist trüab“, „Die drei Pfeiferlbuam“ und die Schunkel-Nummer „Beim Kronwirt“ überzeugten. Beim abschließenden „Niska Banja“ gingen die Kinder zwischen die Kirchenbänke. Ohne Zugabe ließen die zu Recht begeisterten Besucher den Chor nicht gehen.

Francis Stockwell dankte herzlich dem Publikum, der Stadt und den Gasteltern. Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer verteilte zum Dank Medaillen an die Sänger. Anja Rippl von der Schlitzer Stadtverwaltung hatte das Konzert federführend organisiert, wofür ihr Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer sehr dankte.

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