(v. l) Falk, Wintermeyer, Sedlak, Landrat Arnold und Kubla. / Foto: privat

Vor großen Herausforderungen: Sparkasse Oberhessen aber in guter Verfassung

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Vogelsbergkreis - „2015 war ein gutes Geschäftsjahr für die Sparkasse Oberhessen.“ Vorstandsvorsitzender Günter Sedlak zeigte sich gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen auf der Jahrespressekonferenz erfreut, dass die Sparkasse Oberhessen trotz schwieriger Rahmenbedingungen für regionale Finanzinstitute in guter Verfassung ist.

Die Entwicklungen im Einlagen- und Kreditgeschäft, vor allem beim Investmentsparen und bei Wohnbaufinanzierungen waren positiv. „Wir haben unsere Position in der Region behauptet, stehen aber, wie die gesamte Branche, vor großen Herausforderungen.“ Dazu zählt Sedlak vor allem die anhaltende Niedrigzinsphase, die hohen Aufwendungen, die sich aus der Bankenregulierung ergeben, und das sich durch die Digitalisierung der gesamten Gesellschaft verändernde Kundenverhalten. Sedlak bedankte sich bei den Kunden der Sparkasse für das entgegengebrachte Vertrauen, bei den Mitarbeitern für ihr Engagement sowie beim Personalrat und den Gremien für die Zusammenarbeit.

Der Wetterauer Landrat Joachim Arnold, der 2015 den Vorsitz des Verwaltungsrates innehatte, fand lobende Worte für die Verantwortlichen sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sparkasse Oberhessen. „Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen haben alle dafür gesorgt, dass die Sparkasse ein wichtiger Teil unserer Region ist“, sagte Arnold.

Folgen niedriger Zinsen nicht absehbar

Das stabile Wirtschaftswachstum und die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt, vor allem auch im Wetterau- und Vogelsbergkreis, haben sich positiv auf das Geschäftsergebnis niedergeschlagen. Sorgen bereitete dem Vorstandsvorsitzenden allerdings die anhaltende Niedrigzinsphase. Dies sei für private Anleger eine Belastung. „Die Folgen für die Altersvorsorge, das Bausparen und die Lebensversicherungen sind derzeit nicht absehbar“, so Sedlak. Vor allem regionale Kreditinstitute, deren Erträge zu einem überwiegenden Anteil aus Zinsen resultieren, werden durch die Niedrigzinsphase vor enorme Herausforderungen gestellt.

Digitalisierung ändert die ganze Branche

Einen enormen Einfluss auf seine Branche sieht der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Oberhessen in der zunehmenden Digitalisierung der Gesellschaft. „Das Internet, vor allem auf mobilen Geräten wie Tablets und Smartphones, verändert von Jahr zu Jahr das Verhalten und die Erwartungen unserer Kunden. Sie wollen von uns das, was sie in anderen Branchen kennen und schätzen“, so Sedlak. Dazu zählen schneller und direkter Zugang zur Sparkasse, sicherer und unkomplizierter Zahlungsverkehr, jederzeit und von überall. In 2015 verzeichnete die Internetseite der Sparkasse Oberhessen täglich 31.600 Besuche. 1.300 Kunden riefen pro Tag im KundenServiceCenter in Butzbach an und 15.000 Kunden nutzen bereits heute die für ihre Sicherheit von Finanztest ausgezeichnete Sparkassen-App. „Die Vorstellung von Nähe ist eine andere geworden“, fasste Sedlak diese Entwicklung zusammen.

Nahezu ausgeglichene Kundenbilanz als Stärke

„Unserem öffentlichen Auftrag, Unternehmen und Menschen in Oberhessen mit Krediten zu versorgen, haben wir gut erfüllen können“, sagte der Sparkassenchef. Dafür stünden 6.600 neue Kredite in 2015 mit einem Volumen von 470 Mio. Euro. Aufgrund der niedrigen Zinsen haben Kunden vermehrt auslaufende Kredite aus ihrem Guthaben getilgt. Ebenso zufrieden zeigte sich Sedlak mit der Entwicklung der Kundeneinlagen und der Geldvermögensbildung im Ganzen, die erneut leicht gestiegen sind. Zudem gab es laut Günter Sedlak einen verstärkten Trend zu Wertpapierprodukten, insbesondere Investmentfonds. „Unsere Kundenbilanz mit einem Kreditvolumen von 3,18 Mrd. Euro auf der einen Seite und dem Einlagenvolumen von 3,32 Mrd. Euro auf der anderen Seite ist nach wie vor fast ausgeglichen. Dies ist eine Stärke unserer Sparkasse“, so Sedlak.

Regionalen Mittelstand gut versorgt

Reinhold Wintermeyer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, berichtete von einer stabilen Investitionsbereitschaft der mittelständischen Unternehmen in Oberhessen. „2015 war ein klassisches Jahr im Firmenkundengeschäft, in dem wir uns auf unser Kerngeschäft Ersatz- und Unternehmensfinanzierungen konzentrieren konnten.“ Insgesamt habe der Mittelstand 166 Mio. Euro für neue Kredite in Anspruch genommen. Aufgrund der Niedrigzinsphase setzten viele Unternehmen zudem das vorhandene Eigenkapital 2015 verstärkt für Tilgungen und Investitionen ein. Das gewerbliche Kreditvolumen lag zum Ende des Jahres bei 1,23 Mrd. Euro. Im Fokus der Kundenberater stand 2015 einmal mehr das Thema Nachfolgeregelung. „Leider beobachten wir immer wieder, dass die Frage ‚Wer übernimmt einmal mein Unternehmen?‘ von vielen zu spät angegangen wird“, so Wintermeyer.

Niedrige Zinsen fördern weiterhin Wohnungsbau

Das seit April 2015 für das Privatkundengeschäft zuständige Vorstandsmitglied Roman Kubla zeigte sich insgesamt mit den Ergebnissen in seinem Geschäftsfeld zufrieden. Die niedrigen Zinsen haben die Bereitschaft zu Investitionen hoch gehalten. „Wir haben über 280 Mio. Euro für 2.300 neue Wohnungsbaukredite vergeben. Privatkredite konnten wir in Höhe von 34 Mio. Euro vermitteln.“ Bausparverträge seien nach wie vor gefragt gewesen. „Als Anlageform nutzten unsere Kunden aufgrund der niedrigen Zinsen verstärkt Fonds und Investmentprodukte“, fasste Kubla zusammen.

Regulierung wird mehr und mehr zur Belastung

Als Belastung bezeichnete Vorstandsmitglied Thomas Falk die zunehmende Bankenregulierung. „Es gibt in der Finanzwirtschaft kaum so intensiv geprüfte Unternehmen wie Sparkassen“, so Falk. Stresstests, Beauftragte für Geldwäsche, Datenschutz oder Compliance gehören ebenso zum Alltag wie Beratungsprotokolle in der Wertpapierberatung. Alle Maßnahmen erhöhten enorm den bürokratischen und somit auch den personellen Aufwand oder führten zu Ertragsminderungen. „Dass dabei nicht zwischen den risikoreichen Geschäftsmodellen großer, internationaler Banken und den nachhaltigen Geschäftsmodellen von Regionalbanken unterschieden wird, macht das Thema Regulierung noch unverständlicher“, so Falk.

Als Arbeitgeber und Ausbilder in der Region verankert

Dass die Sparkasse Oberhessen nach wie vor einer der größten Arbeitgeber und Ausbilder in der Region sei, unterstrich Vorstandsvorsitzender Günter Sedlak. Zum Jahresende beschäftigte das Kreditinstitut 1.023 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter 71 Auszubildende. „In den letzten 12 Monaten haben 59 Auszubildende ihre Prüfung erfolgreich bestanden, allen haben wir einen Jobangebot gemacht, alle bis auf einen haben es angenommen“, freute sich der Sparkassenchef.

Region wieder unterstützt

Sedlak betonte, dass die Sparkasse Oberhessen traditionell viel für die Region tue. „Im vergangenen Jahr haben wir, Sparkasse und Stiftung der Sparkasse, die Region mit insgesamt 2,43 Mio. Euro gefördert.“ An die Stiftung der Sparkasse Oberhessen flossen 1,75 Mio. Euro, 680.000 Euro haben Sparkasse und Stiftung für 1.347 Projekte bereitgestellt.

Beratung auf Dauer angelegt

In seiner Zusammenfassung unterstrich der Vorstandsvorsitzende Günter Sedlak, die Sparkasse mache vor allem die individuelle Beratung aus. „Unsere Beratungstätigkeit ist auf Dauer und nicht auf schnellen Erfolg angelegt.“ Das Geschäftsjahr 2015 sei zudem ein besonderes gewesen, weil es das zehnte als Sparkasse Oberhessen war. Man habe von Anfang alles daran gesetzt als eine Sparkasse aufzutreten. „Nach zehn Jahren können wir sagen: Wir sind mit dem Erreichten vollauf zufrieden.“

Ausblick 2016: Wir sind vorsichtig optimistisch

In einem kurzen Ausblick auf 2016 zeigte sich Günter Sedlak vorsichtig optimistisch. Man erwarte weiterhin niedrige Zinsen, steigende Kosten und einen Wettbewerb auf hohem Niveau. „Daneben stellen die anhaltende Bankenregulierung und das sich weiter ändernde Kundenverhalten die gesamte Branche vor große Herausforderungen, die wir mit unseren gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter annehmen“, so der Vorstandsvorsitzende. Vor diesem Hintergrund rechnet man bei der Sparkasse Oberhessen mit einem geringeren Ergebnis als 2015.

Landrat Arnold: Zufrieden mit erfolgreichem Geschäftsjahr

Der Wetterauer Landrat Joachim Arnold lobte für die Eigentümer, die Landkreise Wetterau und Vogelsberg, das Geschäftsergebnis. „Wir sind sehr zufrieden mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr. Es ist gelungen, trotz des schwierigen Kapitalmarkts, die Sparkasse Oberhessen auf einem erfolgreichen Kurs zu halten.“ Entscheidend sei nach wie vor die regionale Verbundenheit des Instituts, so Arnold. Die Zuverlässigkeit der Sparkasse Oberhessen als seriöser Finanzpartner sei wichtig für die Menschen in Oberhessen, die Unternehmen und die Kommunen. Damit fördere sie regionale Wirtschaftskreisläufe nachhaltig und investiere in die wirtschaftliche Stärke und die Leistungsfähigkeit der Region. Mit ihren zahlreichen Fördermaßnahmen trage sie maßgeblich dazu bei, dass ehrenamtliche Strukturen funktionieren und die Menschen einen attraktiven Lebensraum vorfinden. „Bei uns steht eine Geschäftspolitik im Vordergrund, die langfristig für die Wetterau und den Vogelsberg da ist“, so Landrat Arnold. / pm, rsb

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