Der neue CDU-Fraktionschef Jürgen Dickert aus Unter-Schwarz hat als Förster seine Liebe zur Natur und sein Hobby zum Beruf gemacht. / Foto: Walter Kreuzer

Hobby, Beruf und eine Verpflichtung: CDU-Fraktionschef Jürgen Dickert im Portrait

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Unter-schwarz - Probleme sind für ihn Alltag. Als Förster wird Jürgen Dickert ständig mit welchen konfrontiert. Als Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtparlament werden auf den 44-Jährigen aus Unter-Schwarz künftig weitere hinzukommen.

Von unserem Redaktionsmitglied Walter Kreuzer

Jürgen Dickert sitzt entspannt am Esstisch in seinem Haus mit Blick auf sein Elternhaus.„Ich will eigentlich meine Ruhe haben. Wenn ich gebraucht werde, helfe ich aber gerne“, betont er und sagt, weshalb er auf der CDU-Liste für die Kommunalwahl mit Platz 16 relativ weit hinten stand: „Wenn man mich wollte, sollte man mich nach vorne wählen.“

Das haben die Schlitzerländer gemacht – und seine Fraktionskollegen haben es geschafft, ihn zu ihrem Vorsitzenden zu wählen. Im Gegensatz zu seinem Beruf, der für ihn Berufung und Hobby (neben Sportschießen, Wandern und Radfahren) zugleich ist, ist die Kommunalpolitik eher eine Verpflichtung. Sein Schwager Norbert Schäfer brachte ihn dazu: „Mann darf sich nicht nur beschweren, sondern muss sich auch einbringen.“

Vor zehn Jahren ist der gebürtige Unter-Schwärzer mit seiner Frau Sonja ins Schlitzerland zurückgekehrt. Zuvor hatte er nach dem Abitur am Humboldt-Gymnasium in Lauterbach, in Göttingen Forstwirtschaft studiert und dann in der Wetterau, im Taunus, Spessart und Odenwald gearbeitet. Seit 2009 hat er nicht nur seinen Traumberuf – als Leiter des Reviers Langenschwarz ist er damals dorthin zurückgekehrt, wo es ihn schon früher hinzog: „Das ist der Wald, wo ich als kleiner Junge gespielt habe und jetzt als Großer spielen darf.“

Verschiedene Interessen unter einen Hut bringen Jürgen Dickert liebte es schon als Teenager, mit dem Fernglas unterwegs zu sein und Rehen zuzuschauen. Heute ist er für 1450 Hektar Staatswald und 400 Hektar Kleinprivatwald zuständig. Zwar konnte er die Revierförsterei im eigenen Haus einrichten, der Job bleibt aber arbeitsintensiv: „Zu mir kann jeder Waldbesitzer mit seinen Problemen kommen.“ Zu seinen vordringlichsten Aufgaben gehört es, widerstreitende Interessen unter einen Hut zu bringen. Brennholzwerber, Privatwaldbesitzer, Jagdpächter, Holzkäufer, Naturschützer, Wanderer und Mountainbiker sind nur einige der beteiligten Gruppen. Diese Erfahrung kann er nun als Fraktionsvorsitzender im Stadtparlament einbringen. Schon in der ersten Sitzung am Montag muss er nach wenigen Minuten seinem Kollegen Walter Ritz beispringen und eine Attacke von SPD und BLS wegen dessen Amtsführung als Stadtverordnetenvorsteher abwehren – indem er an die Absprachen erinnert, einen Neuanfang im Umgang miteinander zu starten. Der sachliche Austausch von Argumenten ist ihm wichtiger als Polemik. Wenngleich er sich „nicht um Posten reißt“, macht ihm die Politik Spaß.

„Du kriegst mehr mit und aus der Nähe betrachtet stellen sich die Sachen ganz anders da als zunächst gedacht“, sagt er. Ein Beispiel: „Als Vorstandsmitglied der Feuerwehr habe ich nur die eigene Wehr gesehen. Da kann ich auch giftig werden. Nun sehe ich die ganze Stadt und kann Zwänge ganz anders einschätzen.“ Die Erkenntnis – „das manches nicht geht“ – müsse offensiv in die Bevölkerung getragen werden. „Das christliche Abendland ist nur noch eine leere Hülle.“ Wenn es um die finanzielle Ausstattung von Flächenkommunen wie Schlitz oder um Vorgaben von oben, wie bei der Straßenbeitragssatzung geht, kann sich Dickert aber selbst diesem Eindruck nicht erwehren und stimmt einer Aussage von Kardinal Meisner in Fulda zu, die er so zitiert: „Das christliche Abendland ist nur noch eine leere Hülle.“ Allerdings ist der 44-Jährige zuversichtlich, zumindest, was die Stadt angeht: „Das Licht da hinten, ist es das Ende des Tunnels oder ein entgegenkommender Zug? Ich finde, wir schaffen es – irgendwie.“

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