Jens Mischak, Spitzenmann der CDU im Vogelsbergkreis, will sich nach der Kommunalwahl 2021 mit mehreren Parteien zur Koalitionsbildung unterhalten.
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Jens Mischak, Spitzenmann der CDU im Vogelsbergkreis, will sich nach der Kommunalwahl 2021 mit mehreren Parteien zur Koalitionsbildung unterhalten.

Zweidrittelmehrheit ist weg

Kommunalwahl in Hessen: CDU sucht im Vogelsberg Koalitionspartner - Gespräche mit mehreren Parteien

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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2016 waren die Würfel nach der Kreistagswahl im Vogelsbergkreis schnell gefallen: CDU und SPD gingen eine Koalition ein – und regierten fortan mit einer Zweidrittelmehrheit. Diese ist nun futsch. Dennoch könnte es mit Schwarz-Rot weitergehen, wenngleich sich beide Partner noch zieren.

Vogelsbergskreis - Zusammen sechs Sitze haben CDU und SPD bei der Wahl zum Kreistag im Vogelsberg am Sonntag verloren. Das bedeutet aber auch: Sie verfügen gemeinsam immer noch über eine satte Mehrheit von 35 der 61 Sitze, wobei die Union mit 20 (minus 2) weiter deutlich stärker als die Sozialdemokraten (minus 4) ist.

Kreistag im Vogelsberg: CDU und SPD zögern mit erneuter Koalition

Gibt es also nach der Kommunalwahl 2021 eine Neuauflage der von beiden Seiten als erfolgreich und in der Zusammenarbeit als gut bezeichneten Partnerschaft? Höchstwahrscheinlich. Noch zieren sich beide Seiten, wobei sie das eigene Klientel im Blick haben.

Noch am Wahlabend hatte CDU-Spitzenmann Dr. Jens Mischak bedauert, dass es „für eine bürgerliche Koalition eng werden“ könnte. Das Endergebnis eröffnet jetzt genau diese Möglichkeit: Die Freien Wähler könnten sechs, die FDP vier Abgeordnete einbringen. In der Summe wäre das eine knappe Mehrheit von 32 Sitzen – also einer mehr als benötigt.

Mischak hält sich gegenüber unserer Zeitung mit einer Aussage zunächst zurück: „Wir haben am Mittwoch zwei Stunden lang die Wahl analysiert. Wir beginnen zeitnah mit den Gesprächen. Starten werden wir mit der SPD. Sie ist unser Koalitionspartner, daher liegt das nahe. Dann wird es auch mit den Grünen, der FDP und den Freien Wählern Gespräche geben. In der übernächsten Woche wird der Vorstand den Parteigremien einen Vorschlag für das weitere Vorgehen machen.“ Es gelte „auszuloten, was die anderen wollen“. Einen Hinweis auf die von ihm favorisierte Lösung gibt er dann doch: „Ich will gerne eine stabile Mehrheit haben.“

Vogelsbergkreis: CDU-Spitzenmann Jens Mischak will Gespräche mit mehreren Parteien

Die gibt es – gemessen an der Zahl der Mandate – nur mit der SPD. Diese stellt durch ihren Kreischef und Spitzenkandidaten Patrick Krug schon einmal klar, dass ihr Ziel, den Vogelsbergkreis weiter mitzugestalten, auch ohne die Union erreicht werden könnte – zumindest rechnerisch, zusammen mit Freien Wählern, Grünen und der FDP. Krug: „Vierer-Kombinationen gibt es in anderen Kreisen schon. Diese Vorstellung ist daher nicht völlig abstrus.“

Allerdings sehr unwahrscheinlich. Auch, weil in knapp drei Jahren ein neuer Landrat bestimmt wird. Dieses Amt strebt der aktuelle Vize-Landrat Mischak an. Er bestätigt Ambitionen zwar nicht, betont aber: „Mein Job macht mir Spaß.“ Und er erhielt die mit Abstand meisten Stimmen aller Kandidaten – Claudia Blum als beste Bewerberin einer anderen Partei bekam etwa 11 000 Kreuze weniger. Mischak zu seinem Erfolg: „Das hat mich etwas überrascht. Ich komme viel, habe viele Kontakte und bin bekannt. Das ist eine schöne Bestätigung.“

Ein Konkurrent auf Seiten der SPD zeichnet sich nach einem Verlust von sieben Prozentpunkten bei der Kreistagswahl nicht ab, es sei denn Landrat Manfred Görig strebt eine weitere Amtszeit an. Gut möglich, dass im Herbst 2023 der Vogelsberger Landrat am selben Tag wie der Hessische Landtag gewählt wird. Mit Mischak und dem Wahlkreisabgeordneten Michael Ruhl ist die CDU gewappnet. Die SPD dagegen müsste einen oder zwei Bewerber bis dahin im Kreis aufbauen – also bekannt machen.

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