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Land- und Wasserwirtschaft: Kooperationen zeigen Erfolge

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Von: Redaktion Fuldaer Zeitung

Schlitz - „Die Stadt Schlitz kann in ihrem Bemühen um eine grundwasserschonende Landbewirtschaftung mit Fug und Recht als Vorbild und Vorreiter über den mittelhessischen Raum hinaus angesehen werden", zeigte sich Witteck erfreut darüber, dass das Engagement der Stadt Schlitz und der in den Projekten mitarbeitenden Landwirte einen so erfolgreichen Verlauf genommen hat. Trotz langer Reaktionszeiten – bedingt durch die Trägheit des Wassersystems – sei der Anstieg der Nitratwerte im Brunnen merklich abgeflacht und teilweise sogar rückläufig.

„Die Nitratwerte im Pfordter Brunnen lagen vor Jahren noch bei über 30 Milligramm pro Liter mit steigender Tendenz und näherten sich so mehr und mehr dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter", erinnert sich Gerd Einloft, zuständiger Sachbearbeiter im Gießener Regierungspräsidium. Die Stadt Schlitz habe die seit 1996 bestehende Möglichkeit der Bildung von Kooperationen nach der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) umgehend genutzt. Bereits im ersten Jahr der gesetzlichen Verankerung stimmte das Gießener Regierungspräsidium der Gründung einer Wasserschutzkooperation im Schutzgebiet Pfordt zu. Zug um Zug folgten weitere Kooperationen in Unter-Schwarz, Queck, Rimbach und Unter-Wegfurth. Darüber hinaus entschied sich die Stadt Schlitz dafür, flächendeckend in allen Gemarkungen Gewässerschutzberatungen im Rahmen der in 2000 verabschiedeten Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union zu etablieren. So sind jetzt fast alle Landwirte im Schlitzerland bei der grundwasserschonenden Landbewirtschaftung mit von der Partie. Diejenigen, die Flächen in den Wasserschutzgebieten bewirtschaften, tun dies innerhalb der freiwilligen Schutzgebietskooperationen, jene außerhalb der Wasserschutzgebiete innerhalb der WRRL-Kooperation im sogenannten „Maßnahmenraum Schlitz". „Ziel der Kooperationen ist, nicht mit Verboten die Landwirte als Verursacher hoher Nitratwerte im Grundwasser anzuprangern, sondern sie in den Bemühungen um eine bessere Grundwasserqualität mit ins Boot zu nehmen", so Einloft. Erreicht werde dies durch angepasste Bewirtschaftung und Düngung durch die Landwirte. Zudem habe sich der Wasserversorger im Gegenzug zu kostenloser Beratung, Ausgleichszahlungen und regelmäßigen Bodenuntersuchungen verpflichtet. Gutes Grundwasser erfordert Zusammenarbeit Fachlich intensiv begleitet werden die Kooperationen durch ein Ingenieurbüro, Arbeitskreise und einen „Runden Tisch", denen Vertreter des Wasserversorgers, Landwirte, Landwirtschaftsverwaltung und des RP-Dezernates Grundwasserschutz angehören. Gemeinsam überprüfen sie die Einhaltung der individuell vereinbarten Auflagen, erarbeiten Dünge- und Anbauempfehlungen, beraten und begleiten persönlich. „Die kollektive Nutzung der Ressource Wasser erfordert besonders in den für die Wassergewinnung vorgesehenen Gebieten – den sogenannten Wasserschutzgebieten – ein gut abgestimmtes Miteinander von Wasserversorgern, Landwirten und beteiligten Behörden", so Witteck. Um dies zu gewährleisten, habe der Gesetzgeber 1996 die Möglichkeit eingeräumt, innerhalb dieser Areale sogenannte Kooperationen zu schließen. Die rechtlich bindenden Vereinbarungen enthielten Auflagen für die landwirtschaftliche Nutzung, die zwischen dem Wasserversorger (meist die Gemeinde) und den betroffenen Landwirten individuell entsprechend den jeweiligen Standortbedingungen vereinbart und flexibel angepasst würden. „Wasser ist unser wertvollstes Lebensmittel. Gesundes, einwandfreies und unbelastetes Trinkwasser hat deshalb oberste Priorität für den Verbraucher", so der RP. Rund 95 Prozent des benötigten Trinkwassers würden hierzulande aus Grundwasservorkommen gedeckt. Gerade deshalb sei die dauerhafte Sicherung der Grundwasserressourcen eine wichtige Aufgabe der Daseinsvorsorge, heißt es abschließend aus dem RP. / rsb

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