Der Landrat zeigt großes Interesse an den Verfahren zur Herstellung hochmoderner Elektronikbauteile im Unternehmen Votronic in Lauterbach. Unser Foto zeigt von links Landrat Manfred Görig, Geschäftsführer Richard Schmelz, Produktionsleiter Hubert Helm und Geschäftsführer Heiner Spieckermann. Foto: Erich Ruhl, Pressestelle Vogelsbergkreis

Landrat Görig beeindruckt von der Innovationskraft von Votronic

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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lauterbach - Es gibt Tausende von Rettungs- und Feuerwehrfahrzeugen in Deutschland und in aller Welt, die mit hochmoderner Elektronik "Made im Vogelsberg" unterwegs sind: integrierte Ladegeräte der Firma Votronic aus Lauterbach sorgen dafür, dass die Einsatzfahrzeuge immer hundertprozentig startbereit sind. Landrat Manfred Görig hatte während der Herbstmesse in Alsfeld Kontakt mit dem High-Tech-Unternehmen – nun hat er sich bei den Geschäftsführern Richard Schmelz und Heiner Spieckermann vor Ort ein Bild gemacht.

Manfred Görig, gelernter Elektrogeräte-Mechaniker und diplomierter Ingenieur der Nachrichtentechnik, zeigte eingehendes Interesse an Konzeption, Produktion und Vermarktung der hochqualitativen Produkte. Mehr als 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat das vor 26 Jahren gegründete Unternehmen, das vor etwa vier Jahren von Grebenhain nach Lauterbach in die Johann-Friedrich-Diehm-Straße umgezogen war. Drei Merkmale fielen dem Landrat besonders auf: die hohe Ausbildungsbereitschaft, die klar strukturierten Betriebsabläufe und die herausragende Bedeutung einer eigenen Entwicklungsabteilung – sechs der rund 50 Mitarbeiter sind in diesem Sektor eingesetzt. Ein ständig weiterentwickeltes Qualitäts-Management-System sorgt für transparente und effiziente Arbeitsschritte und einen nachhaltig hohen Qualitätsstandard.

Richard Schmelz und Heiner Spieckermann hoben höchste Flexibilität und Spezialisierung, absolute Zuverlässigkeit, Genauigkeit und Innovationsbereitschaft als tragende Erfolgsfaktoren hervor. Man könne heute nur noch mit absolut zuverlässigen Spitzenprodukten auf dem Markt punkten. Genau das sei die Stärke des Labels "Made in Germany" unterstrich Landrat Görig und meinte: "Hochtechnologie-Firmen wie Votronic tragen dazu bei, das Know-How im Land zu halten – das ist hervorragend, denn der Vorsprung kann schnell weg sein." Neben der "Blaulicht-Branche" – Votronic fertigt im Auftrag aller großen deutschen Spezialfahrzeug-Hersteller – nimmt nach den Worten von Richard Schmelz der Sektor Reisemobile immer weiter an Bedeutung zu und ist der Hauptgeschäftszweig des Unternehmens.

Mit Billigprodukten könne und müsse die deutsche Industrie und das Handwerk am Weltmarkt nicht konkurrieren. Görig: "Es ist enorm, welche herausragenden Industrie- und Handwerksbetriebe hier im Vogelsberg ihren Standort haben." So hat Votronic beispielsweise neben dem europäischen Ausland weltweite Geschäftsbeziehungen, etwa in die Türkei, nach Neuseeland, nach Japan oder in die Vereinigten Arabischen Emirate. Was ihm besonders gefalle, so der Landrat, sei die Bodenständigkeit der regionalen Firmen, die oft Familienbetriebe seien. "Sie sind erfolgreich und bleiben dennoch auf dem Boden." Wer dort einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz habe, könne mit "Stabilität und Entwicklungsmöglichkeiten" rechnen.

Ein wichtiges Thema in dem mehrstündigen Gespräch war die Bedeutung handwerklicher Berufe bzw. der handwerklichen Anteile in Industrieberufen. "Man muss den jungen Leuten klar machen, wieviel Freude es macht, real etwas herzustellen", sagte Geschäftsführer Schmelz. Natürlich sei auch bei Votronic der maschinelle Anteil im Produktionsprozess sehr hoch – aber es komme eben auch auf handwerkliches Können und Genauigkeit an. "Bei uns gibt es das ganze Programm, von Elektronik bis Mechanik – bei uns lernt man durch Konstruieren", sagte Schmelz. Auch Manfred Görig machte sich für die Hochwertigkeit handwerklicher Berufe stark.

Beim Thema Fachkräftemangel sprachen Schmelz und Spieckermann sowohl die Motivationslage der jungen Leute im Vorfeld ihrer Berufswahl als auch den Ausbildungsstand der angehenden Facharbeiter an. Vielen fehle das Rüstzeug an handwerklichen Fähigkeiten. Der Landrat und die Unternehmensvertreter maßen dem Erhalt der Fachklassen in den Kreisberufsschulen höchste Priorität zu. Görig versprach, hier auch gegenüber der neuen Landesregierung "am Ball" zu bleiben. Es könne nicht sein, so der Landrat, dass "wir immer nur abgeben zu den weiter entfernt liegenden Standorten". Es sei auch zumutbar, zur Stabilisierung von Vogelsberger Fachklassen, "den Zug auch von Gießen nach Alsfeld oder Lauterbach fahren zu lassen". Der Erhalt der regionalen Fachklassen seien ein Herzstück der zukünftigen Ausbildungsangebote in der Region.

Mobilität im Flächenkreis war ein weiteres Gesprächsthema. Hier müsse es künftig auch Modelle "außerhalb des üblichen ÖPNV" geben, sagte Landrat Görig. Man werde in den kommenden Monaten innovative, realistische und für die Nutzer neue und unkomplizierte Lösungen untersuchen. Die Region könne sich nur entwickeln, wenn man "auch einmal den Mut hat, Neues zu erproben." rsb

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