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Landrat Manfred Görig rechtfertigt Schließung der Geburtshilfe in Alsfeld

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Vogelsbergkreis - Die für das Jahresende angekündigte Schließung der Geburtenstation am Alsfelder Kreiskrankenhaus hat bei der Opposition heftige Kritik an Landrat Manfred Görig (SPD) ausgelöst. Er verweist auf vom Kreis nicht zu beeinflussende Rahmenbedingungen.

Von unserem Redaktionsmitglied Walter Kreuzer

Görig betont, die Entscheidung der Belegärzte sei nicht aus finanziellen Erwägungen heraus erfolgt. Schließlich habe der Kreis seit 2013 „10,6 Millionen Euro in den laufenden Betrieb des Kreiskrankenhauses investiert – auch in die Erhaltung der Geburtshilfe“. Man habe auch die kurzfristig erhöhten Versicherungsbeiträge übernehmen wollen. Nur mit Mühe sei es ihm gelungen, gegen den Widerstand des Landes trotz Fortführung der Geburtshilfe 13 Millionen Euro Zuschuss für die Sanierung des Hauses zu erhalten. „Es gibt keine tragfähige Alternative. Die Station in eine Hauptabteilung umzuwandeln und auch ein Geburtshaus haben wir geprüft. Schwangere werden aber auch weiterhin betreut, einzig das Thema Geburt findet im Alsfelder Kreiskrankenhaus nicht mehr statt“, betonte der Landrat im Hauptausschuss des Kreistages.

„Die traurige Wahrheit ist, dass Wirtschaftlichkeit und nackte Zahlen nicht vor menschlichem Leben Halt machen“, sprang ihm Gesundheitsdezernent Dr. Jens Mischak (CDU) bei. Für eine Geburtsstation benötige man etwa 800 Geburten. Der Vogelsbergkreis verzeichnet in Hessen mit plus 15 Prozent die größte Steigerung bei den Geburten mit etwa 770 pro Jahr. Mischak: „2015 gingen aber nur 260 Vogelsberger Mütter zur Entbindung nach Alsfeld. Zwei Drittel der Eltern entschieden sich anders. Wir werden Freiensteinauer oder Grebenhainer Eltern nicht für Alsfeld überzeugen können, wenn sie schneller im Fuldaer Klinikum sind.“ Hünfeld und Gelnhausen sind weitere Alternativen aus dem Altkreis Lauterbach, seit es in der Kreisstadt keine Geburtshilfe mehr gibt.

Am Eichhof-Krankenhaus wurde diese Ende 2008 geschlossen – bei jährlich um die 300 Geburten. „Wir hatten die selbe Situation“, sagt Hans-Jürgen Schäfer (CDU), der auch Vorstand der Eichhof-Stiftung ist, die das Medizinische Zentrum Lauterbach betreibt. Im Ausschuss sagte er: „Es gibt eine klare Korrelation. Mit der Anzahl der Geburten steigt die Qualität. Diese Untersuchungen kennen natürlich auch die Eltern und schauen, ob eine Kinderklinik im Hintergrund ist. Diesen Qualitätsgesichtspunkt sollte man nicht außer Acht lassen.“

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