Fotos: Joshua Steinberg

„Lass uns mal ein Ründchen fahren” – 55.000 Kilometer durch Südamerika

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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RIMBACH - Wer ihn so sieht, die Rede ist von Joshua Steinberg, klein, schmal, drahtig, kann sich nicht vorstellen, dass diese Person mit seinem bepacktem Motorrad, in 13 Monaten um die 55.000 Kilometer in Südamerika zurückgelegt hat.

Das ist noch nicht alles: Joshua Steinberg leidet an einer Autoimmunkrankheit und Diabetes. Ein etwas normal denkender Mensch unternimmt wahrscheinlich keine solch strapaziösen Reisen, zumal niemand weiß, was einem dort alles erwartet und passieren kann. Was für eine ärztliche Versorgung gibt es in den dortigen Ländern? Nichts von alledem hatte Joshua Steinberg von der Unternehmung abhalten können. „Die glauben, die können mich aufhalten“, war sein Tenor.

Motorradverrückt seit er drei Jahre alt ist

Man muss wissen, Joshua ist „motorradverrückt“. Schon im Alter von drei Jahren fuhr er im Gespann seines Vaters mit nach Korsika. Mit elf Jahren begann er Motorrad-Trails zu fahren, mit 18 dann endlich das legitime Fahren. Joshua interessierte sich schon immer für andere Kulturen, Sitten und Gebräuche, das Leben anderer Menschen. Vieles habe er auf seinen Reisen gelernt – Geduld haben, mit dem auskommen was man hat, Dankbarkeit, Hilfsbereitschaft, es geht immer weiter, die Hoffnung stirbt zuletzt.

Hautnah und mittendrin

2016 hatte sich Joshua Steinberg in den Kopf gesetzt, Südamerika zu erkunden. Neue Länder, fremde Kulturen kennenlernen, mit den Menschen dort zusammenleben, die Welt nicht distanziert als Tourist kennenlernen, sondern hautnah und mittendrin. Was macht man aber, wenn man gerade seine Freundin kennen und lieben gelernt hat? Joanna Breitbart entschloss sich: „Ich komme einfach mit.“

Job gekündigt und ins Flugzeug gesetzt

Sie machte tatsächlich den Motorradführerschein. Beide kündigten dann ihre Arbeitsstellen. Die Reise ins Ungewisse konnte beginnen. Und weil es mit dem geplanten Spanischkurs im Vorfeld ebenso wenig geklappt hatte wie mit dem Verschiffen der Motorräder oder mit dem Sammeln konkreter Informationen über die zu bereisenden Länder, flogen die beiden einfach mal los. Von „Wetzlos nach Panamericana”. Leben wollten sie vom Ersparten. Die beiden notwendigen Motorräder wurden erst nach der Ankunft in Südamerika gekauft. In Chile startete die 55.000 Kilometer lange Reise.

13 Monate in Südamerika und jetzt wieder zurück

Jetzt sind die beiden wieder zurück und erzählten im vollen Saal im DGH Rimbach von ihren Erfahrungen. In ruhigen und fesselnden Ausführungen erzählte Joshua Steinberg über die täglichen Erlebnisse der 13-monatigen Reise. Man hatte das Gefühl, diese direkt mitzuerleben. Die Zuhörer konnten gar nicht genug bekommen.

Er erzählt von Gastfreundschaft und aggressiven Demonstranten, von freundlichen Zöllnern und unüberwindbaren Grenzen, von traumhaften Landschaften und unbarmherzigen Naturgewalten, vom Wiedersehen mit alten Freunden aber auch von großer Trauer.

Überall zuhause

Eine Reisegeschichte mit Höhen und Tiefen wie die Geologie des Kontinents, auf dem sie spielt. Eine Erzählung der Gegensätze wie auch ihre Hauptdarsteller: Joshua und Joana aus dem Haunetal in den Wüsten der Atacama und den Schlammmassen des Amazonas. Sich überall fühlen wie zuhause, sei es in Chile, Argentinien, Paraguay, Brasilien, Peru, Ecuador oder Bolivien.

Lang anhaltender Applaus war der Lohn für den Vortragenden. Die Landfrauen des Schlitzerlandes, deren Einladung er gefolgt war, waren über den Erfolg des Abends hoch erfreut. / sigi

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