Der Chor der evangelischen Kirchengemeinde Schlitz „Laudate“ mit Dirigentin Annette Schulz. / Foto: Sigi Stock

„Laudate omnes gentes“: Kirchengesangsverein feiert 135 Jahre Gesang zum Lobe Gottes

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlitz - Eine kleine Notiz im Schlitzer Boten vom 13. August 1880 belegt es. Dort steht: Zum Zwecke der Pflege und Hebung des Chorgesangs hat sich dahier, gleichwie in andern benachbarten Städten, vor kurzer Zeit ein Kirchengesangsverein gebildet; dem Vernehmen nach wird derselbe morgen beim Vormittagsgottesdienst singen.

Von unserer Mitarbeiterin Sigi Stock

Im Rahmen eines Festgottesdienstes wurde am Sonntagvormittag dankbar daran erinnert, dass in dieser Gemeinde seit über 135 Jahren Sängerinnen und Sänger mit einem Chorleiter oder Chorleiterin Gottesdienste mit ihrem Gesang bereichern und in wöchentlichen Übungsstunden sich darauf vorbereiten.

Mit dem Kanon „Ausgang und Eingang ,Anfang und Ende liegen bei dir Herr, füll du uns die Hände“ wurden die Gottesdienstbesucher vom Kirchenchor „Laudate“ zu diesem Festgottesdienst begrüßt. Ein besonderer Gruß galt auch den 14 ehemaligen Sängern, die der Einladung gefolgt waren.

135 Jahr sind eine Zeitspanne, so Gisela Fink, in ihrer Begrüßung, die ein Mensch aus eigener Erinnerung nicht überblicken kann. Aus dem Jahre 1938 existiert eine Mitgliederliste, aus der hervorgeht, dass der Chor damals mit 16 Sopran- und elf Altstimmen sowie sieben Tenören und Bässen gut besetzt war. Damals stand der Chor, seit 1936, unter der Leitung von Wilhelm Reinhardt.

Moderne Liedbeiträge halten Einzug

Die Chorproben im alten Gemeindehaus mit Harmoniumbegleitung und einem Chorleiter, der immer mit einem Dirigentenstab Aufmerksamkeit einforderte und den Takt angab, endeten 1966 , als Gretel Albrecht, damals noch Gretel Kühl, die neu eingerichtete Organistenstelle übernahm.

Nachdem bis dahin das Liedgut schwerpunktmäßig von Komponisten der Romantik geprägt war (Schubert, Silcher, Mendelssohn), wurden nun überwiegend Lieder, kleine Kantaten und Motetten von Telemann, Schütz und Buxtehude eingeübt. Häufig wurde der Chor dabei von einem Streichquartett begleitet. Dies setzte sich auch fort, als Herr Albrecht den Chor übernahm.

Als er im Sommer 2003 in den Ruhestand verabschiedet wurden, konnte Volker Dotzert als Nachfolger gewonnen werden. Unter seiner Leitung wurde das Repertoire um viel Lieder von Liedermachern unser Zeit erweitert: Plüss, Heizmann, Bittlinger. Der plötzliche Tod von Volker Dotzert hinterließ eine schmerzliche Lücke.

„chOhrwürmer“ und „Chörle“

Die Kirchengemeinde und der Chor sind dankbar, dass Annette Schulz schon nach wenigen Wochen bereit war, die Arbeit fortzuführen. Mit sehr viel Geduld und Fingerspitzengefühl hat sie Altbewährtes beibehalten und nach und nach Neues eingeführt, dem Chor sozusagen ihren Stempel aufgedrückt und den Chorgesang damit positiv beeinflusst. Heute kann festgestellt werden, dass 35 Sängerinnen und Sänger mit viel Engagement die wöchentlichen Übungsstunden besuchen und etwa 20 Auftritte im Jahr gestalten.

Um eine so lange Tradition fortführen zu können, bedarf es Sänger und Sängerinnen, die Freude am Chorgesang haben und bereit sind, sich in den Dienst der Kirche zu stellen. Der Chor ist darauf angewiesen, immer wieder neue Mitglieder zu bekommen, um auch in Zukunft die Gottesdienste zu bereichern und noch weitere Jubiläen feiern zu können. Der Chor freut sich über jeden Neuzugang.

Mit dem vielleicht kommenden Nachwuchs, den „chOhrwürmern“ unter der Leitung von Isabell Wabel, und den Liedbeiträgen des „Chörle“, steht unter der Regie von Katrin Bauer, steht eindeutig fest, dass es um den Chorgesang nicht bange sein muss. Dem Geburtstagskind oblag es, mit seinen Liedbeiträgen, unter anderem mit „Lobet den Herrn meine Seele“ und „Ihr seid die Töchter und Söhne des Lichts“, dem Festgottesdienst eine besondere Note zu geben.

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