Beim Thema Nahverkehr wird Landrat Manfred Görig von seinem Parteifreund Jörg Gaudl heftig attackiert.
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Beim Thema Nahverkehr wird Landrat Manfred Görig von seinem Parteifreund Jörg Gaudl heftig attackiert.

Kreistag nimmt Landrat in Schutz

Lauterbach: Zoff um Verkehrspolitik - SPD-Mann Gaudl bezeichnet Landrat Görig als „Schreihals“

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Solche Attacken musste Landrat Manfred Görig (SPD) lange nicht mehr einstecken: Ein Kreistagsmitglied wirft ihm völlige Ahnungslosigkeit vor – der Kritiker ist ausgerechnet ein prominentes SPD-Mitglied: Jörg Gaudl. Ihm rät Görig jetzt, sein Mandat aufzugeben.

Lauterbach - Jörg Gaudls Stimme hat Gewicht in der SPD. Gaudl ist SPD-Kreistagsabgeordneter, Mitglied im Unterbezirksvorstand der Vogelsberger SPD, war bis vor einem Jahr Chef des Ortsverbands der SPD in Romrod und führt die SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung in Romrod, der Heimatstadt von Görig.

Anlass des Streits ist die jüngste Kreistagssitzung. Der Landrat wehrte sich gegen die Forderung der Grünen, den öffentlichen Nahverkehr auszuweiten. Dafür gebe es keinen Bedarf.

Gaudl schießt in einer Presseerklärung mit vollen Rohren auf Görig: Der Landrat argumentiere „übellaunig“, lebe „in der Welt der 1980er, als ein Behördenleiter Anspruch auf Fahrer mit Dienstlimousine gehabt habe und der ÖPNV lediglich als notwendiges Übel für Auszubildende, Alte, Arme und Ausländer“ empfunden worden sei.

SPD-Mann Gaudl attackiert Landrat Görig: „Wer will mit so einem Schreihals zusammenarbeiten?“

Der Landrat wolle nicht verstehen, dass der Vogelsbergkreis 40 Jahre weiter sei. Görig zeige „fehlende Kenntnis und Beratungsresistenz“ und „eine Trotzhaltung, die dem Vogelsbergkreis schadet und potenzielle beziehungsweise notwendige Verbündete vor den Kopf stößt“, so Gaudl. Die Kritik gipfelt in dem Satz:„So wie Landrat Görig die ÖPNV-Unterstützer niedermacht, hat das vielleicht für die Autofahrer-Lobby Unterhaltungswert, aber wer will mit so einem Schreihals ernsthaft zusammenarbeiten?“

Landrat Manfred Görig hat Verbalattacken von Parteikollege Jörg Gaugl einstecken müssen.

Landrat Görig weist die Kritik gegenüber unserer Zeitung zurück. Er bezeichnet die Äußerung den SPD-Kreistagsabgeordneten als „persönliche Abrechnung auf unterstem Niveau“. Görig legt seinem Parteifreund indirekt nahe, sein Mandat aufzugeben:„Jörg Gaudl soll persönliche Konsequenzen ziehen, wenn er sich von mir als Landrat nicht mehr vertreten fühlt.“

Görig wirft Gaudl Unkenntnis vor. „Sonst wüsste er, dass wir das dichteste Angebot aller Zeiten haben – unter anderem mit einem Stundentakt auch am Wochenende und erweiterten Betriebszeiten bis nach Mitternacht.“

SPD-Kreistagsfraktionschef nimmt Landrat Görig in Schutz - und wirft Gaudl schlechten Stil vor

Jörg Gaudl wirft dem Landrat vor, in einer Welt der 1980er zu leben.

SPD-Kreistagsfraktionschef Matthias Weitzel nimmt den Landrat in Schutz:„Die Wortwahl von Jörg Gaudl und die persönlichen Angriffe auf Manfred Görig sind – um es deutlich zu sagen – unmöglich. Es spricht auch nicht für einen guten Stil, wenn er dies nicht bei den Diskussionen in der Fraktion anspricht, sondern diesen Weg wählt. Unabhängig davon sind sie auch inhaltlich schlicht nicht zutreffend.“ Weitzel betont: „Die Aussagen von Jörg Gaudl geben seine persönliche Einzelmeinung wieder und nicht die der Kreistagsfraktion.“

Auch der SPD-Unterbezirksvorsitzende Patrick Krug weist die Kritik am Landrat zurück:„Die Äußerungen von Jörg Gaudl sind in der Sache falsch und im Ton einfach daneben. Seine Wortwahl zeigt, dass es ihm nicht um das Thema ÖPNV geht, sondern nur darum, sich persönlich an Manfred Görig abzuarbeiten.“ Dass Gaudl öffentlich Kritik übe statt inhaltliche Vorschläge innerhalb der SPD einzubringen, sei bedauerlich, dürfe aber nicht überbewertet werden. „Partei und Fraktion stehen hinter ihrem Landrat und sind stolz auf die Arbeit von Manfred Görig“, sagt Patrick Krug.

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