Bernhäuser Sumpf Schlitz
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Im Disteldickicht fühlt sich Förster Jörg Althoff recht wohl.

Ein prächtiger Ort zum versumpfen

Naturschutzgebiet im Schlitzerland: Der Bernhäuser Sumpf besticht durch einmalige Artenvielfalt

  • Bernd Götte
    vonBernd Götte
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Wer gerne einmal versumpfen möchte, der ist an der Fulda bei Bernshausen richtig: der Bernhäuser Sumpf ist eines der schönsten Naturschutzgebiete weit und breit, und dazu bequem zu erreichen.

Bernshausen - Jetzt im Juli ziert eine wahre Blütenpracht die geschützte Wiese, die das Ried zur recht intensiv genutzten Weide nebenan abgrenzt. Disteln und Sumpfschafgarbe färben das Areal in heiteren Tönen, Grünspecht, Stieglitz und andere Vögel steuern das ihre bei, dass das Bild die Augen der Naturfreunde erquickt.

Förster Jörg Althoff, beim Forstamt Burghaun für Naturschutz zuständig, hat aber unscheinbarere Pflanzen im Blick: die Seggen, eine Grasart, die sich vor allem durch besonders raue Blätter und kantige Stängel rein haptisch kein angenehmes Gewächs ist. Die Pflanze ist auch wirtschaftlich nicht nutzbar. Aber als Sauergras ist es eine typische Art für das Gebiet, das Althoff mit dem Fachbegriff auch als ein Schlankseggenried einstuft.

Ein Ausflug ins Grüne: Der Bernhäuser Sumpf besticht mit seiner Artenvielfalt

Blasensegge und Wundersegge nennen sich die hier vorkommenden besonders seltenen Grasarten. Diese Wiese wird noch extensiv per Hand gemäht, wofür HessenForst jedes Jahr 2000 Euro ausgibt. So biete das Gebiet auch Entwicklungsmöglichkeiten für eine Vielzahl von Insekten. 78 Arten seien auf dem Gebiet nachgewiesen, berichtet Althoff, die wiederum Nahrungsgrundlage für eine große Anzahl von Vogelarten sind.

An die Wiese schließen sich dann der Erlenbruch und Grauweidengebüsche an. Gegen die Weiden kämpfen die Naturschützer übrigens beharrlich; diese würden sich nämlich bei ungehinderten Wachstum auf der Wiese durchsetzen und das Ökosystem Schlankseggenried wäre dahin.

Einen Besuch wert: Der Bernhäuser Sumpf - Naturschutzgebiet im Schlitzer Land

Bernhäuser Sumpf Schlitz
Blütenpracht nah am Wasser © Bernd Götte
Bernhäuser sumpf schlitz
Brennnesseln sind für manche Schmetterlingsraupen echte Leckerbissen. © Bernd Götte
Bernhäuser sumpf schlitz
Das Wasser wird aufgestaut, um den Lebensraum feucht zu halten und damit zu bewahren. © Bernd Götte
Bernhäuser Sumpf Schlitz
Die Erle ist quasi die einheimische Mangrove. Wenn sie bei Hochwasser unter Wasser steht, geht es ihr besonders gut. © Bernd Götte

Wichtig für den Lebensraum ist Feuchtigkeit. Die Erlen zum Beispiel bekommen gerne „nasse Füße“ und brauchen für eine optimale Entwicklung ab und zu Überschwemmungen, in denen sie sich gleichsam wie Mangroven recht wohl fühlen.

Sommerferien im Schlitzerland: Das Ökosystem Schlankseggenried

Durch gezielte Anstauung des Grundwassers in den ehemaligen Entwässerungsgräben wird die natürliche Auendynamik wiederhergestellt. Durch die Rückführung des Wassers entwickelt sich hier nun ein naturnaher Erlenbruchwald der zeitweise oder dauerhaft mit Wasser überschwemmt ist. Mit 3,91 Hektar Fläche ist das Naturschutzgebiet eher klein, aber, so erläutert Althoff, auch solche kleinen Flächen haben ihren Sinn.

Schließlich gilt es, die FFH-Gebiete durch solche Öko-Oasen zu verknüpfen und damit dafür zu sorgen, dass auch selten gewordene Arten wieder flächendeckend einen Lebensraum finden.

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